Erbsen auf halb 6

(U.M.) Kurz vor Abschluss seiner neuen Arbeit verliert Theaterregisseur Jakob bei einem Autounfall das Augenlicht und glaubt sich damit ohne Lebensperspektiven. In dieser Krise erreicht ihn ein Anruf der Mutter, die nach schwerer Krankheit nicht mehr lange zu leben hat.

Trotzig macht sich Jakob auf einen unbekannten Weg und erfährt Hilfe durch Blindenbetreuerin Lilly, die seit ihrer Geburt ohne Augenlicht ist. Gemeinsam machen sie sich auf die Reise, und langsam gelingt es Lilly, Jakobs Vertrauen zu gewinnen. Ein Road Movie mit zwei Protagonisten, die nichts sehen können; das ist eine zugegeben originelle Ausgangsidee. Mit jeder fortschreitenden Minute jedoch wird dieser Bonus verspielt. Kaum hat der Mann einen Unfall glimpflich überstanden, entgleitet ihm der Zigarettenanzünder, und nur wenige Sekunden später kommt es zum zweiten, fatalen Unfall, bei dem der PKW dekorativ in einen Fluss stürzt. Das Opfer will sodann seine Mutter aufsuchen, die sich im Norden Russlands niedergelassen hat. Eine etwas bemühte Geografie für Liebe und Schicksal. Man ahnt die Ambitionen des Regisseurs und Ko-Autors Lars Büchel, nach seinem bescheiden produzierten, aber recht erfolgreichen Erstling "Jetzt oder nie" nun richtiges Kino leisten zu wollen. Und genau da misslingt ihm alles. Mal verkürzt der Film zu sehr, dann wieder verweilt er in lyrisch gedachten Impressionen von Blumenfeldern, Stränden und angestrengt schauenden Gesichtern. Fritzi Haberlandt und Hilmir Snaer Gudnarson mühen sich um mimische Tiefe, aber ihr Spiel bleibt so gestelzt wie die Dialoge, die stets dafür herhalten müssen, was die Regie im Bild nicht zu vermitteln vermag. (In den Kinos der Region)