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Erfolgsmodell Kunstfähre

Zwei Jahre nach seiner Gründung ist das Projekt Kunstfähre der Trierer Tufa mächtig gefragt. Es vermittelt im Zeitalter der Ganztagsschule Kontakte zwischen Schulen und Künstlern aller Sparten. Die Uni Trier hat der Kunstfähre nun eine Art wissenschaftliches Gütesiegel verliehen. Von unserem Redakteur Dieter Lintz

Trier. Während die Aktionen und Blogs zum 25. Geburtstag der Tuchfabrik bislang recht unbeachtet bleiben, setzt das Haus an anderen Stellen kräftige Akzente. Für Aufsehen über Trier hinaus sorgt die im August 2008 gegründete Non-Profit-Agentur Kunstfähre. Ihre Aufgabe: das Knowhow und die Kompetenz von Künstlern in die Schulen der Region zu vermitteln.

Die Nachfrage nach externen Mitgestaltern ist im Zeitalter der Ganztagsschule stark angestiegen. Es gibt größere Zeitflächen, die Raum für die Vermittlung von Kunst bieten. Aber den Schulen fehlen oft Ideen und Impulse - und die Kontakte in die Künstlerszene vor Ort. Genau da setzt die Kunstfähre an. Sie berät Schulen, stellt Kontakte her, sucht "passende" Künstler aus. Das kann ein Maler sein, ein Schauspieler, eine Musikerin, ein Fotograf - je nachdem, was gebraucht wird. Erklärtes Ziel: über die Schulen "allen Kindern und Jugendlichen, gleich welcher sozialen Herkunft, den Zugang zu Kunst und Kultur zu ermöglichen".

Das Spektrum ist dabei breit. Die Experten von der Kunstfähre gestalten Schulhöfe gemeinsam mit den Schülern, sie bieten Klanginstallationen an, bauen Instrumente, malen, musizieren. Aber sie sind keine Ersatz-Kunstlehrer - im Mittelpunkt steht nicht das Lernen, sondern das Ausprobieren. "Es geht um Persönlichkeitsbildung, das ist eine große Herausforderung", sagt der Schulleiter Eugen Lang, der mehrfach mit der Kunstfähre zusammengearbeitet hat.

Arbeiten mit den Kunstprofis macht Spaß



Großen Erfolg erzielen oft Theaterproduktionen, an denen "richtige" Künstler mitwirken. Ob Grundschüler in Trier-Süd den antiken "Herkules" entdecken oder in Wiltingen (Trier-Saarburg) "Wasser des Lebens" spielen: Mit den Profis geht es besser. Im Konzer Gymnasium half bei den Kampfszenen zum Stück "Armer Ritter" sogar der Stunt-Chef der Antikenfestspiele.

In Konz hatten sich auch Erziehungswissenschaftler von der Uni Trier unter Leitung von Professorin Birgit Althans eingeklinkt, um die Arbeit der Kunstfähre zu untersuchen. Mit erfreulichem Ergebnis: Die Idee könne eine "große Zukunft" haben, heißt es in einem von der Uni veröffentlichten Fazit. Es handele sich um einen "interessanten Aspekt pädagogisch-konzeptioneller Ganztagsschulentwicklung". Freilich wirbele das neue Angebot den Schulalltag "ordentlich durcheinander".

Ein bisschen Wirbel können offenbar viele Schulen gebrauchen. "Am Anfang haben wir angerufen, jetzt rufen die Schulen an", sagt Projektleiterin Christina Biundo, die inzwischen bundesweit als Referentin gefragt ist, wenn es um innovative Konzepte geht.

Doch das mit Hilfe des Landes, der Nikolaus-Koch-Stiftung und weiterer Unterstützer finanzierte Vorhaben ist zunächst auf vier Jahre befristet - spätestens 2012 wäre Schluss. Die Hoffnung der Tufa richtet sich auf ein Programm namens "Agenten" der Kulturstiftung des Bundes. In fünf Ländern sollen Vorhaben nachhaltig gefördert werden, die Kunst und Kultur an ein Nachwuchs-Publikum vermitteln. Die Trierer Kunstfähre ist als rheinland-pfälzisches Musterprojekt im Gespräch. Die Entscheidung fällt im Dezember.