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Ergebnisse der Besucherbefragung im Trierer Theater

Kultur : Theater Trier - Wer sitzt da eigentlich im Publikum?

Studenten haben Besucher des Trierer Theaters befragt, wer sie sind und was sie wollen. Jetzt liegen die Ergebnisse vor.

Wer von den billigen Reihen hoch oben quer durch den Theatersaal schaut, hat einen wunderbaren Blick auf dieses Publikum. Meist sitzen da mehr Frauen als Männer, mehr Alte als Junge, mehr Reiche als Arme. So viel ist offensichtlich. Aber wer sind diese Menschen? Wo kommen sie her? Warum sind sie da? Was missfällt ihnen? Und was wünschen sie sich?

Geografiestudenten der Universität Trier haben unter Leitung von Julia Hollweg und Adrian Assenmacher in der vergangenen Spielzeit an knapp 20 Abenden 1360 Theatergäste befragt und die Antworten wissenschaftlich ausgewertet. Die Studie wurde am Mittwoch dem Trierer Kulturausschuss vorgestellt. Hier die spannendsten Erkenntnisse:

Woher kommen die Theatergäste?

Eine Frage, die auf den ersten Blick gar nicht sonderlich brisant klingt. Allerdings wird sie gerne gestellt, wenn es um die Finanzierung des Hauses geht, die die hoch verschuldete Stadt Trier ohne Hilfe der umliegenden Landkreise stemmen muss. Die Studie zeigt nun, dass nur 46,2 Prozent der Besucher aus Trier selbst stammen, der Rest aus dem Umland. Auch von Ober- und Mittelmosel, aus dem Hunsrück, dem Gutland oder der Vulkaneifel reisen zahlreiche Gäste an. Nur aus dem äußersten Norden der Region findet kaum einer den Weg ins Trierer Theater. Bloß 30 der 1360 Befragten kamen aus anderen Bundesländern, die meisten aus dem nahen Saarland.

Was bei den Trierern auffällt: Aus Trier-Nord, Ruwer, Ehrang, Pfalzel, Quint und Biewer kommen deutlich weniger Menschen ins Theater als aus anderen Stadtteilen.

Wer sind die Besucher?

Wenn man die Antwort sehr stark zuspitzt: Ältere Frauen mit mittleren Einkommen aus kleinen Haushalten. Oder präziser: Fast zwei Drittel der Befragten waren Frauen, ein Drittel Männer. Der größte Teil von ihnen älter als 49 Jahre. Junge Menschen, die vor 1990 geboren wurden, gehen der Studie zufolge kaum ins Theater. Allerdings wurden die Fragebögen auch nicht während der extrem gut besuchten Kindervorstellungen ausgeteilt. Wenn man bedenkt, dass zuletzt rund 20 000 Kinder die Weihnachtsmärchen sahen, sieht die Statistik schon wieder ganz anders aus.

Was das liebe Geld angeht, verfügen die meisten über ein mittleres Haushaltseinkommen zwischen 1001 und 4000 Euro netto. So „zeigt sich, dass das Theater keine Freizeitbeschäftigung für eine gehobene Schicht ist, sondern für jedermann“, heißt es in der Uni-Studie.

Wie reisen die Leute an und gibt’s da was zu meckern?

Die allermeisten (fast 80 Prozent) nehmen das Auto, zehn Prozent kommen zu Fuß und nur 5,5 Prozent mit Bus oder Zug. Ein Drittel der Besucher findet, dass das Haus nicht optimal ausgeschildert ist. Logischerweise handelt es sich dabei überwiegend nicht um Trierer, sondern um Morbacher, Saarburger, Bitburger oder Birresborner. Die meisten (64 Prozent) würden am liebsten direkt vor der Theatertüre parken. Dort gibt es für 622 Theater-Besucher allerdings nur 200 Parkplätze  – und so drehen viele Extrarunden, bis sie entweder Glück haben oder dann doch ins Viehmarkt-Parkhaus fahren, wo fast 20 Prozent der Theatergäste ihr Auto abstellen. Da überrascht es wenig, dass 70 Prozent der Besucher sich mehr Parkplätze wünschen.

Warum gehen sie ins Theater?

Die meisten wollen Unterhaltung, haben ein hohes kulturelles Interesse oder treffen sich dort mit Freunden und Familie. Rund 2,5 Prozent kommen, weil der neue Intendant ihr Interesse am Theater wieder geweckt hat.

Woran denken Menschen, wenn sie ans Theater denken?

Die Antworten spiegeln auch die bewegte jüngste Geschichte des Hauses wider. Die meisten denken erst mal an Unterhaltung, an Kultur, Musik, Tanz oder  Schauspiel, an Spaß oder schöne Abende. Sehr vielen spukt aber auch das Thema „Sanierung“ im Kopf herum. Dass auch die Schlagwörter „Sibelius“,  „finanzielle Probleme“ und „Aufschwung“, von Dutzenden genannt wurden, zeigt, dass die Theater-Krise zwar unvergessen ist, jedoch als überwunden betrachtet wird.

Wie kommt das Programm an?

Prima. 19 Prozent der Befragten waren explizit wegen des Programms da. Davon bescheinigt fast die Hälfte dem Spielplan, vielfältig zu sein. 21 Prozent kommen wegen der Qualität der Vorstellungen. „Dadurch drückt sich eine hohe Zufriedenheit mit den drei Sparten sowie der darin enthaltenen Vielseitigkeit aus“, resümiert die Studie. Aussagen, die Intendant Manfred Langner freuen und seinen Kurs bestätigen.

Die grundlegende Ausrichtung des Hauses entspricht den Wissenschaftlern zufolge bereits den Wünschen zahlreicher Besucher, allerdings gibt es auch ein paar Gegenbeispiele. So zeige sich der Wunsch nach politischen Themen, jedoch werde die aktuelle Ausrichtung eher als unpolitisch gesehen. Oder es wird der Wunsch nach Unterhaltung ausgedrückt, die Zuschauer empfinden das Programm aktuell aber eher als bildend.

Wo informiert man sich?

Internet, Spielzeitheft und die Zeitung sind die drei wichtigsten Informationsquellen für Theaterbesucher. Auch das Urteil von Freunden und Theaterkritiken sind für viele maßgebend, ob sie sich eine Produktion ansehen. 60 Prozent kaufen ihr Ticket immer noch ganz klassisch an der Theaterkasse, knapp 28 Prozent online.

Sind die Preise okay?

Ja. Nur zehn Prozent der Befragten sind mit den Ticketpreisen nicht zufrieden. Auch die Preise für Speisen, Getränke und Garderobe werden von den allermeisten als gut oder sehr gut bewertet.

Was sind die größten Kritikpunkte?

Die meiste Kritik hat damit zu tun, dass das Haus so sanierungsbedürftig ist. Das „muffige Erscheinungsbild“ oder der „marode Zustand“  kommen nicht gut an. Andere beklagen den Geruch und wünschen  eine bessere Belüftung.

Fast die Hälfte aller Befragten findet, dass es im Foyer zu wenige Sitzplätze gibt. Frauen wünschen sich mehr Toiletten. Und vor allem kritisieren viele die fehlende Beinfreiheit („Zumutung für größere Menschen“), dicht gefolgt von der Forderung nach bequemeren Sitzen. Sie setzen große Hoffnung in die Sanierung – was Kulturdezernent Thomas Schmitt Bauchschmerzen bereitet.

Der Raum wird schließlich nicht größer. Schon für Fluchtwege könnten Sitzplätze entfallen. Eine Verbreiterung des Reihenabstands ist bisher offenbar nicht geplant. „Es werde schöner und komfortabler – aber weitläufiger?“, sagt Schmitt. Gut möglich also, dass bei manchen die größte mit der Sanierung verbundene Hoffnung enttäuscht wird.