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Erlebniswelt in Geometrie gefasst

Von Brian Johnsons Gedichten hat sich Burghard Müller-Dannhausen beim Malen inspirieren lassen. In der Ausstellung kann der Betrachter testen, ob er beim Lesen das Gleiche fühlt. TV-Foto: Eva-Maria Reuther
Von Brian Johnsons Gedichten hat sich Burghard Müller-Dannhausen beim Malen inspirieren lassen. In der Ausstellung kann der Betrachter testen, ob er beim Lesen das Gleiche fühlt. TV-Foto: Eva-Maria Reuther
Trier. Wie Erinnerung und Seelenleben beim Lesen von Gedichten zu bunten geometrischen Formen werden, zeigt die aktuelle Ausstellung der Gesellschaft für Bildende Kunst. Eine Idee, die zum Teil recht formalistisch geraten ist.

Trier. Dass Farben Einfluss auf unsere Gefühle und Befindlichkeiten haben, weiß die Farbpsychologie seit langem. Ein gelber Raum etwa belebt, wohingegen ein blauer eher beruhigt. Umgekehrt sind Farben mit Symbolen und Bedeutungen belegt. Schwarz steht für Trauer, rot für Liebe oder Leidenschaftlichkeit.
Burghard Müller-Dannhausen macht sich solche Beziehungen zunutze. Seine Eindrücke und Erinnerungen fasst der in Koblenz lebende Maler in Farbe und abstrakte Formen. Auch Müller-Dannhausen scheint auf die syn ergetische Kraft der Kunst zu vertrauen. Soll heißen, auf die sich gegenseitig verstärkende Kraft von Kunstwerken. Seine im Palais Walderdorff ausgestellten Bilder sind unter dem Einfluss von Gedichten des Amerikaners Brian Johnson entstanden. Allerdings illustriert Müller-Dannhausen sie nicht. Das Lesen der Lyrik habe den Schaffensprozess gleichsam beflügelt, die Inspiration belebt, berichtet der Maler.
Entstanden sind in der Kooperation aus Lyrik und bildkünstlerischem Tun dynamische, vielfarbige Streifenbilder zwischen deren Rechtecke sich dreieckige Keile drängen. Weiße Streifen durchbrechen und belichten die mal gebrochenen, mal leuchtenden Farben. Bisweilen tauchen im unteren Rand der Bilder quer verlaufende Muster auf.
Müller-Dannhausens abstrakte Geometrie legt jede Menge Assoziationen nahe. Die feine Malart weist den Künstler als Minimalisten aus. Größten Wert legt der Koblenzer darauf, dass er kein Konkreter Künstler oder Konstruktivist ist, dessen Geometrie sich selbst genügt. Müller-Dannhausens Farben und Formen sind hingegen die abstrakte Verdichtung und Verkürzung seiner geistigen und seelischen Erlebniswelt.
Bilder holen ihre Betrachter immer dort ab, wo sie gerade stehen. Im Palais Walderdorff können Besucher an der Gegenüberstellung eines Gedichtes von Johnson und eines Gemäldes von Müller-Dannhausen ausprobieren, ob die eigenen Empfindungen denen des Malers entsprechen. Ansonsten erwarten Kunstfreunde farbenfrohe, mal mehr, mal weniger interessante Farbkompositionen, die in ihrer malerischen Perfektion allerdings auch ein wenig steril wirken. er
Die Ausstellung ist noch bis 3. August zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag, Donnerstag, Freitag, 11 bis 13 und 14 bis 17 Uhr, Mittwoch, Samstag und an Feiertagen 11 bis 13 Uhr, Telefon: 0651/ 46824491, www.gb-kunst.de