Erleuchtende Momentaufnahmen: Steve McCurrys Fotoserie zum Buddhismus in der Völklinger Hütte

Erleuchtende Momentaufnahmen: Steve McCurrys Fotoserie zum Buddhismus in der Völklinger Hütte

Die Völklinger Hütte zeigt in einer Ausstellung Arbeiten des US-amerikanischen Fotografen Steve McCurry zum Buddhismus. Bis 6. November sind 40 großformatige Bilder zu sehen, die der Fotograf bei zahlreichen Asienreisen von 1985 bis 2013 aufgenommen hat. Die Ausstellung ist Teil einer umfassenden Veranstaltungsreihe zum Thema Buddha 2016.

Völklingen. Man redet fast nur noch über den Islam - da ist es wohltuend, dass das Weltkulturerbe Völklinger Hütte dieses Jahr den Buddhismus mit zwei großen Ausstellungen als Schwerpunktthema setzt: Los geht es mit Arbeiten eines der ganz Großen in der internationalen Reportage-Fotografie. Steve McCurry, Fotograf der Bildagentur Magnum, zeigt in der Möllerhalle Fotografien in beeindruckenden Großformaten zum Thema Buddhismus. Sie sind zwischen 1985 und 2013 auf seinen zahlreichen Reisen nach China, Thailand, Myanmar, Tibet und Kambodscha entstanden.

Berühmt wurde der Amerikaner McCurry (Jahrgang 1950) mit seinem Portrait des afghanischen Mädchens Sharbat Gula aus dem Jahr 1985, das mit seinen unfassbar grünen Augen zu einer Ikone der Fotografie aufgestiegen ist. 2003 war das Foto im Rahmen der "Magnum"-Ausstellung über die berühmte Fotoagentur im Weltkulturerbe zu sehen.
Nun ist McCurry zurückgekehrt, weil ihn, wie Generaldirektor Meinrad Maria Grewenig erläuterte, der Ausstellungsort Möllerhalle mit seinen riesigen Silos und rostig verfärbten Wänden fasziniert habe. In der Tat - die Farben der asiatisch-buddhistischen Welt mit ihren Tempeln, Klöstern und Mönchen in orangenen Kutten harmonieren prächtig mit der rostig-roten Patina des Industriedenkmals.
Eigens und erstmals für diese Ausstellung hat McCurry seine Fotografien auf riesige Leinwände aufbringen lassen (2,80 auf 1,80 Meter). Und so sind es nicht nur die Motive, in erster Linie Menschen, aber auch die Landschaften Asiens, die den Betrachter faszinieren. Vielmehr wird man durch die schiere Dimension der Fotografien in die Bildwelten förmlich hineingezogen. Vor McCurrys Fotografie junger buddhistischer Mönche in Myanmar beim Fußballspielen möchte man den Ball am liebsten selbst zurückkicken. Die gezeigten Menschen in den Portraits blicken so eindringlich, so authentisch in ihrer jeweiligen Umgebung, dass man sich in deren für uns so fremde, exotische Welt versetzt fühlt.

Meister der Bildkomposition

Die schiere Größe der gezeigten Fotos verstärken deren Wirkung, keine Frage. Doch auch in kleinerem Format wären sie überzeugend. Denn McCurry ist ein Meister der Bildkomposition - und der Geduld, einem der Pfeiler des Buddhismus. Denn er inszeniert seine Aufnahmen nicht. Er nimmt sich Zeit, bleibt so lange, bis sich der richtige Moment, die perfekte Konstellation, das beste Licht ergeben haben. Es ist gewissermaßen eine buddhistische, weil entschleunigte Herangehensweise ans Fotografieren. Sie verleiht seinen Arbeiten ihre ungeheure Authentizität und intensive Wirkung.
Jedes Foto erzählt mehrere Geschichten. Gerade in den Portraits gelingt es dem Fotografen, große Intimität zwischen dem abgelichteten Menschen und dem Betrachter herzustellen. McCurry zeigt junge Mönche, Nomadenkinder, Pilger, Paare. Werden sie einzeln portraitiert, blicken sie meist direkt und intensiv in die Kamera. In den Reportage-Fotos vermischen sich Alltag und Spiritualität, Spaß und Disziplin, moderne Welt und uralte Überlieferung. McCurry zeigt auch einen Buddhismus, der sich gegen die Schnelllebigkeit der modernen Welt behauptet: Eine goldene Buddha-Statue steht auf einer Kiste am Straßenrand in Bangkok, dahinter rast ein Taxi vorbei. Der Buddha aber hat die Ruhe weg. Andererseits hat sich die Konsumgesellschaft längst im buddhistisch-asketischen Asien festgesetzt: Auch Mönche lieben Coca-Cola. red
Die Schau läuft bis 6. November. Sie ist täglich geöffnet von 10 bis 19 Uhr. Ab 25. Juni bis 19. Februar 2017 werden 220 Meisterwerke buddhistischer Kunst aus 2000 Jahren in der Gasgebläsehalle zu sehen sein.

Mehr von Volksfreund