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Ernst plus Ernst gleich Spaß

Ernst plus Ernst gleich Spaß

TRIER. (bl) Sie haben den gleichen Namen und liegen auf einer Wellenlänge. Thomas Ernst, Torwart des 1. FC Kaiserslautern, und Thomas Ernst, Literatur-Wissenschaftler, nähern sich am 10. Mai in der Tufa Trier dem weiten Feld der Fußball-Literatur.

Play-Station statt Prosa: Es gibt einige junge Fußball-Profis, die sich ihre Freizeit beim Computer-Spielen vertreiben. Albert Camus oder Agatha Christie bleiben links liegen. Thomas Ernst, Torwart des 1. FC Kaiserslautern und mit 37 Jahren älterer Vertreter seines Fachs, spielt zwar auch gerne gegen seinen Schachcomputer, doch Bücher sind ihm genauso wichtig. Zur Zeit liest er einen Geschichts-Band von Guido Knopp.Erfolgreiches Experiment lebt wieder auf

Am Dienstag, 10. Mai, widmet er sich mit seinem Namensvetter Thomas Ernst, Literaturwissenschaftler aus Trier, in der Tuchfabrik der Welt der Fußball-Literatur. "Wir waren die Nummer 2" lautet der Titel des Fußball-Lese-Abends. Damit lässt das Duo ein erfolgreiches Experiment aus dem Jahr 1999 wieder aufleben. Ernst, der Wissenschaftler, lernte damals Ernst, den Fußballer im Tor des VfL Bochum, bei der Suche nach interessanten Lesungs-Partnern für das KulturCafé der Ruhr-Universität kennen. Der Bundesliga-Torwart und der ebenfalls zwischen den Pfosten agierende Freizeit-Fußballer präsentierten Texte zum Thema "Fußball - Gott ist rund" und kamen damit bei Publikum und Kultur-Kritik an. Inzwischen spielt Profi Ernst beim FCK. Und sein Namensvetter, der bis zum Sommer an der Uni Trier seine Dissertation ("Subversive Konzepte in der Gegenwarts-Literatur") fertig haben möchte, kickt beim SV Wasserliesch/Oberbillig wegen Schulterproblemen im Mittelfeld. Beim Freundschaftsspiel des FCK in Trier am 28. Juli 2004 trafen sie sich und verabredeten eine Neuauflage ihres Lese-Projekts. Ernst und Ernst präsentieren in der Tufa Fußball-Geschichten und -Anekdoten. Neben eigenen Texten und Gesprächen über die Wett-Lust von Sportlern, das Thema Doping und das Verhältnis von Fußball und Sexualität gibt es Literatur-Empfehlungen. Vorgestellt werden die Anekdoten-Sammlung von Eckhard Henscheid und Ror Wolf, Glossen von Christoph Biermann, Jürgen Roth und Gerd Dembowski oder Auszüge der Fußball-Literatur, etwa aus Ronald Rengs Buch "Der Traumhüter", das die kuriose Karriere des Torwarts Lars Leese erzählt.Geschichten aus dem Leben eines Torwarts

"Wir präsentieren Geschichten aus dem Leben eines Torwarts, Zitate, Passagen aus Büchern, Sachen zum Schmunzeln", sagt Fußball-Profi Ernst. Es sei unglaublich, wie viel Literatur es über Fußball gibt. "Wir hätten genug Programm, um zwei Abende zu füllen." Den Besucher dürfte in der Tufa einiges erwarten. Die geplante Spielzeit in Trier beträgt zwei Mal eine Stunde mit 15 Minuten Pause - Verlängerung sehr wahrscheinlich. Autor Thomas Ernst, der nicht weit vom Moselstadion entfernt wohnt, versucht die Fülle an Material damit zu erklären, dass die Literatur nicht (mehr) im Elfenbeinturm verhaftet bleibt. "Sie versucht, sich trivialeren Themen, etwa dem Fußball, zu öffnen." Die Lesung ist am Dienstag, 10. Mai, in der Tufa. Karten unter Tel. 0651/7182412 und an der Abendkasse.