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Erstaufführung: Theater Trier zeigt Monteverdi-Oper „Die Krönung der Poppea“

Oper : Kampf, Intrige und Zärtlichkeit

Erstaufführung in Trier: Das Theater bringt Claudio Monteverdis Oper „L‘incoronazione di Poppea“ auf die Bühne.

Es klingt fast paradox. Da kämpft das Trierer Theater gegen die Folgen der Corona-Pandemie. Aber gerade in dieser schwierigen Situation entdeckt und realisiert das Haus am Trierer Augustinerhof eine Oper von außergewöhnlichem Rang. Claudio Monteverdis „L’incoronazione di Poppea“ um die Krönung einer „Dama nobilissima“ zur römischen Kaiserin gehört zu den ganz großen Werken des ­Musiktheaters. Die Oper steht auf einer Ebene mit „Don Giovanni“, mit „Figaro“, „Tristan“ oder „Wozzeck“. Genau 377 Jahre nach ihrer ersten Aufführung 1643 in Venedig hat die „Incoronazione“ endlich auch Trier  erreicht.

Mitte April, als sich über dem Theater die Pandemie abzeichnete, erkannte Operndirektor Jean Claude Berutti, dass sich diese Oper auch in Trier und auch unter Corona-Bedingungen aufführen lässt. Und ist seitdem überzeugt: „Das Werk passt auf unser Ensemble.“ Seitdem planen Berutti und Triers Generalmusikdirektor Jochem Hochstenbach eine Produktion diese Oper. Und das ausdrücklich für Corona-Zeiten.

Die „Incoronazione“ ist ein Meisterwerk psychologischer Sensibilität und philosophischer Reflexionskraft. Über die Entstehung und den Komponisten besteht nicht in allen Details letzte Gewissheit, und stellenweise bleibt unentschieden, was Originalkomposition ist und was nur Ergänzung und Zusatz. Aber diese Einsicht gibt den Interpreten Handlungsfreiheit, löst sie von einem allzu strengen Handlungs- und Klanggerüst, gibt Freiheiten für Improvisation oder sogar kompositorische Zutaten. Ohnehin war fast alles an diesem Werk damals neu – neu für die Dramaturgie, neu für Sängerinnen und Sänger, neu für die Instrumentalisten. Bis heute steckt ein enormes Innovations-Potenzial in dieser Oper. Es muss nur entdeckt und auf die Bühne gebracht werden.

Monteverdis „Incoronazione“ ist die erste Oper für eine Öffentlichkeit, für ein zahlendes Publikum. Der Komponist und sein Textdichter Busenello begaben sich mit ihr in eine Situation, die bestimmt ist vom Publikum mit dessen persönlichen Vorlieben und Abneigungen. Statt sich wie zuvor mythologisch im Götterhimmel aufzuhalten, sind die handelnden Personen nun ganz überwiegend Menschen mit einer weit gespannten, mal zärtlichen, mal kämpferischen Gefühlswelt.

Liebe und Kampf hatte Monteverdi schon in seinem 8. Madrigalbuch von 1638 ausdrücklich zum künstlerischen Thema gemacht. In der Oper setzt er nun um, was er in seinen Madrigalen vorformulierte. Poppea, die Favoritin von Kaiser Nero, kämpft in einem Intrigenspiel sondergleichen um einen Thron an der Seite von Kaiser Nero und setzt sich durch – gegen die Kaiserin Ottavia, gegen ihren Ehemann Ottone, gegen die Hofdame Drusilla, gegen den Philosophen Seneca, sogar gegen ihre Amme und Beraterin Arnalta. Am Ende steht das vielleicht zerbrechliche und doch vorerst ungetrübte Glück  mit Nero: „O mia vita, o mi tesoro“ – „O mein Leben, o mein Schatz“.  Alle  Intrigen sind vergessen bei diesem Ausbruch von Sinnlichkeit. Moralische Bedenken spielen keine Rolle mehr. „Es ist eine amoralische Oper“, sagt Jean-Claude Beruttti und fügt hinzu: „Wie bei Shakespeare“.

Die Mittel, die Monteverdi einsetzt und  die Triers Theater für diese Oper aufwendet, bleiben  bescheiden. Das Orchester aus wechselnden Mitgliedern der Trierer Philharmoniker beschränkt sich unter Generalmusikdirektor (GMD) Jochem Hochstenbach auf maximal 15 Personen. Chöre sind rein solistisch besetzt. Und  bei den Solisten stehe nicht Kraft und Klangfülle im Mittelpunkt, sondern Differenzierungen, feinste Gefühls-Nuancen und größte sängerische Beweglichkeit. Guillemette Laurens, international angesehene  Barocksängerin und Gründungsmitglied von William Christies „Les Arts Florissants“, hat das Trierer Ensemble stilistisch geschult. Und Hochstenbach hat mit den Orchestermusikern intensiv an dem für sie weitgehend fremden Stil gearbeitet. Für die Aufführung sind der einleitende Prolog und ein eher marginales Duett (Drusilla/Valetto) gestrichen worden. In dieser Version  benötigt die Oper etwa 100 Minuten.

Alle Voraussetzungen für eine erfolgreiche Vorstellungsreihe sind also da. Vorläufig geplant sind 15 Vorstellungen. Bei anhaltendem Publikumsinteresse könnten es noch mehr werden. Für jede von ihnen stehen im Theater zwischen 120 und 180 Plätze zur Verfügung. Bleibt die Erwartung, dass die Trierer Musikfreunde diese außergewöhnliche Produktion auch annehmen.

Claudio Monteverdi, „Die Krönung der Poppea“, musikalische Leitung Jochem Hochstenbach, Inszenierung Jean-Claude Berutti, Bühnenbild Rudy Saounghi, Kostüme Jeannie Kratochwil, Chorleitung Martin Folz, Dramaturgie Malte Kühn. In den Hauptrollen Réka Kristóf (Poppea), Blaise Rantoanina (Nerone), Carl Rumstadt (Ottone), Janja Vuletic (Ottavia), Einat Aronstein Drusilla), Karsten Schröter (Seneca). Es spielt das Philharmonische Orchester Trier.
Premiere ist am Samstag, 19. September. Weitere Aufführungen am 20. September sowie am 4., 8., 9., 25., 27. und 28. Oktober.
Karten gibt es online auf www.theater-trier.de, unter der Mailadresse theaterkasse@trier.de sowie unter Telefon 0651/ 718-1818.