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Erstaunlich jung geblieben

Erstaunlich jung geblieben

Insgeheim war es eine Veranstaltung zum Achtzigsten von Klaus Fischbach, auch wenn der ehemalige Trierer Domkapellmeister seinen Ehrentag mit keinem Wort erwähnte. Trotzdem: Das Sommerkonzert mit dem Madrigalchor Klaus Fischbach im Trierer AMG war außergewöhnlich.

Trier. Familiär? Nein, das passt nicht auf die Stimmung, die sich beim Auftritt des Madrigalchors Klaus Fischbach im Angela-Merici-Gymnasium verbreitete. Es ist eine Mischung aus Freundschaft und Erwartungsspannung unter den rund 250 Besuchern, verbunden vielleicht mit etwas Sehnsucht nach traditioneller Chorkultur. Große Teile des Programms - und übrigens auch die Bezeichnung "Madrigalchor" - spiegeln diese Tradition, die Verwurzelung in der Singbewegung der 1920er Jahre und deren Ausläufern nach dem Zweiten Weltkrieg. Aber Tradition heißt, eine Flamme am Brennen halten. Klaus Fischbach setzt mit seinem Chor neue Akzente, probiert neue Klangkombinationen aus, öffnet ein Fenster für die Popmusik.Ein Klangideal umgesetzt

Dass der Madrigalchor seinen Namen trägt, ist kein Akt künstlerischer Selbstgefälligkeit. Klaus Fischbach hat mit den Sängerinnen und Sängern sein Chorideal umgesetzt - ein warm leuchtender Klang, sichere Intonation, dazu eine ungewöhnlich große Lautstärke-Bandbreite. Vielleicht sind diese Vorzüge heute nicht mehr ganz so deutlich wie vor zwanzig Jahren; im ersten Teil des Konzerts schlichen sich zudem minimale Intonationsprobleme ein, und vielleicht dirigierte Klaus Fischbach in Stücken wie Monteverdis "Primavera"-Madrigal über textbezogene Gegensätze allzu energisch hinweg. Aber die fantastische Kultur dieses Chors ist über die Jahrzehnte hinweg dieselbe geblieben - eine ganz außerordentliche Verbindung aus Dezenz und Präsenz. Nichts klingt schrill, forciert, angestrengt, überlaut. Und doch steht dieser Chor akustisch und musikalisch ganz vorne an der Rampe.Davon profitiert die straff, transparent und doch organisch gesungene Alte Musik. Aber auch das romantische Herbstlied von Nils Wilhelm Gade und vier Brahms-Zigeunerlieder mit der einfühlsamen Klavierbegleitung von Ivette Kiefer sind bei Fischbach und seinem Chor in besten Händen. Da verbreiten sie Romantik ohne Tränenseligkeit und eine Leichtigkeit, in der sich Melancholie versteckt.Beim letzten Stück vor der Pause, dem "Verlorenen Horn", hatten sie sich vollends freigesungen. Ein Stück nach dem Finalrondo aus Mozarts Hornkonzert KV 495 mit dem Text von Chormitglied Elisabeth Hoffmann. Was für eine herrliche Komödie um begrenzte Talente und missgünstige Nachbarn!Italienischer Salat mit TondressingNach der Pause reihten sich die Glanzstücke aneinander. Schuberts "Ständchen" mit dem Frauenchor, dem markanten Bariton Heinz Recktenwald und erneut Ivette Kiefer am Klavier: welch ein herrlich leichthändiger, zart-melancholischer Dialog zwischen Chor und Solisten! "O, clap in your hands" - welch eine spannend unkonventionelle Besetzung mit Blockflöte (Adelheid Recktenwald), Frauenchor und rhythmisch klatschenden Männern!Und dann der Komponist Klaus Fischbach. Ob das Volkslied "Treue Liebe", die Vertonung von Psalm 23 als Erstaufführung in Hochdeutsch (nach der Aufführung in Trierer Platt) oder eine Vertonung nach Psalm 139 - immer wieder beeindruckt die fein ausgehörte Harmonik, beeindruckt die sorgfältige Führung der Stimmen. Es ist eine Musik, die nicht auffallen und nicht überreden will, sondern den aufmerksamen Hörer freundlich einlädt und dann reich beschenkt.Klaus Fischbachs Arrangement zum poppigen "Sei eine Note in Gottes Melodie" war dann wie ein Signal. Im amerikanischen Volkslied "Shenandoah", im Loblied auf die kurzen Leute (Tenorsolo: Thomas Reichert), in Richard Genées "Insalata italiana" stießen der Dirigent und sein Chor zu neuen Ufern vor - Musik, modern, gefühlsintensiv, impulsstark - einfach mitreißend. Der ehemalige Domkapellmeister und sein Chor sind erstaunlich jung geblieben.Mehr Informationen zu Chören in der Region im Internet unter <%LINK auto="true" href="http://www.tvoice.de" class="more" text="www.tvoice.de"%>