Erste Reihe - die Musikkolumne von Andreas Feichtner im Mai

ERSTE REIHE - DIE MUSIKKOLUMNE VON ANDREAS FEICHTNER : Der Soundtrack der alten Studi-WG

Helden der 90er, die aber heute noch absolut frisch klingen: Warum die österreichischen Produzenten Kruder & Dorfmeister nichts an Charme verloren haben und was man sich im Mai in der Region anschauen sollte.

Vielleicht gibt es den Trend längst – und er ist einfach nicht bei mir und in Trier angekommen. Dass man stundenlang im Club tanzen kann, beschallt von wirklich berühmten DJs. Und man trotzdem um kurz nach 0 Uhr schon fast wieder im Bett liegt, wenn „normale“ Clubs gerade mal öffnen. Weil der eigene Biorhythmus oder der Babysitter keine spätnächtlichen Eskapaden zulassen. Klingt nach Kinderdisco für Mittelalte, und vielleicht ist es das auch. Aber das funktioniert hervorragend, wie man am Dienstagabend beim ausverkauften dreistündigen DJ-Set von Kruder & Dorfmeister im Luxemburger „Atelier“ sehen konnte. Vermutlich haben Richard Dorfmeister und Peter Kruder – die größten Namen der österreichischen DJ- und Produzenten-Szene und selbst jenseits der 50 – nach all den Jahrzehnten genug von der Nachtarbeit. Um kurz nach halb neun beginnt ihr Set. Erst mal ziemlich gemächlich. Down-tempo, Trip-Hop, chillig. Zwischendurch werden auch mal The Doors oder Pink Floyd geremixt.

So haben sich Kruder & Dorfmeister vor einem Vierteljahrhundert mit „G-Stoned“ in die Playlists unzähliger Studenten-WGs zwischen Trier, Wien und Berlin gespielt. In den 90ern sind sie zu absoluten Stars der Szene geworden. Sie haben Madonna oder Depeche Mode geremixt und erlaubten sich auch mal, Anfragen von U2 abzulehnen.

Eigentlich ist der typische Kruder&Dorfmeister-Sound etwas zu langsam für heutige Club-Gewohnheiten, wo man fast ausschließlich zwischen 120 und 130 BPM unterwegs ist (mit Ausnahmen, versteht sich). An dem Tempo orientieren sich Kruder & Dorfmeister aber inzwischen auch zunehmend – schließlich ist das Publikum, mehrheitlich Ü35, vor allem zum Tanzen gekommen. Dass das ein sehr gelungener Abend ist, liegt auch am guten Sound und den Visuals von Lichterloh.

Ein Album, das in den 90ern eher weniger Studi-WG-tauglich war, ist „Selling England by the Pound“ (1973) von Genesis. Noch mit Peter Gabriel am Mikro, auch wenn Schlagzeuger Phil Collins zum ersten Mal bei einem Song den Leadgesang übernommen hatte. Der Stadionrock kam erst später – als Gabriel weg war und etwas später auch Gitarrist Steve Hackett. Bei Letzterem hat man das Gefühl, dass er nie die Würdigung erhalten hat, die er eigentlich verdient. Dabei ist Hackett einer der innovativsten Rock-Gitarristen. Zu erleben ist er am 26. Mai in der Rockhal Esch, wo er mit seiner Band unter anderem das komplette „Selling ...“-Album spielen wird.

An Indie-Folk-Rock herrschte in den vergangenen Jahren wirklich kein Mangel – und nicht jedem bekümmerten Bartträger muss man wirklich lauschen. Bei Mumford & Sons ist das anders, da lohnt sich das schon. Die britische Band um Songwriter Marcus Mumford tritt am 8. Mai in der Rockhal Esch auf.

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