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Weltkulturerbe: Erster Teil der Volksfreund-Serie "Unser Weltkulturerbe" - Wie es dazu kommt, dass neun Trierer Baudenkmäler den begehrten Titel tragen

Weltkulturerbe : Erster Teil der Volksfreund-Serie "Unser Weltkulturerbe" - Wie es dazu kommt, dass neun Trierer Baudenkmäler den begehrten Titel tragen

Eigentlich sollte sich 1986 nur die Porta Nigra bei der Unesco um den begehrten Status "Weltkulturerbe" bewerben. Doch dann kam alles anders. Ein Zeitzeuge erinnert sich.

Das deutsche Weltkulturerbe ist nicht gerade gerecht verteilt. Köln hat nur den Dom. Messel nur 'ne Grube. Berlin genau eine Museumsinsel. Bayreuth bloß seine Oper. Trier jedoch trumpft mit Porta Nigra, Kaiserthermen, Barbarathermen, Konstantinbasilika, Römerbrücke, Amphitheater, Igeler Säule, Liebfrauenkirche und Dom auf. Dabei war das gar nicht geplant.

"Wir waren bescheiden und haben gesagt: Der wichtigste Römerbau in Deutschland ist die Porta Nigra. Mehr wollten wir gar nicht", sagt Hans Caspary. Der 1935 in Trier geborene Spross der Caspary-Bierbrauer-Dynastie ist Kunsthistoriker und war 1986 Delegierter der Bundesrepublik beim Weltkulturerbekomitee.

Auch andere Städte seien bescheiden gewesen, deshalb finden sich unter den 41 Weltkulturerbestätten Deutschlands zahlreiche Einzelbauten wie der Speyerer oder Aachener Dom. Erst später erhielten ganze deutsche Altstädte den begehrten Titel - darunter Lübeck, Bamberg und Weimar. Dass so viele Einzelbauten wie in Trier unter den Schutz der Weltgemeinschaft gestellt werden, bleibt in Deutschland jedoch ein Sonderfall.

Der Grund, warum es 1986 so weit kam, waren laut Caspary besonders schöne Bögen. Und zwar hatte Heinz Cüppers (1929-2005), der damalige Chef des Trierer Landesmuseums, die Kaiserthermen renovieren und die kaputten Bögen wiederaufbauen lassen. "Sie sind ein wunderschönes Fotomotiv", schwärmt Caspary. Besser hätten die Römer das auch nicht hingekriegt. Selbst die Ziegel wurden in speziellen Maßen für den Wiederaufbau gebrannt. Weil das alles so sehenswert war, fand Cüppers: Die Porta reicht nicht. Und so wanderten die Kaiserthermen mit auf die Antragsliste.

Aber was ist dann mit den Barbarathermen? Immerhin die zweitgrößten im gesamten römischen Reich? Und die Igeler Säule? So prächtig und gut erhalten wie kein anderes römisches Grabmal nördlich der Alpen? Die riesige Palastaula? Ein so toll erhaltenes Amphitheater? Wo gibt es schon so was?

So wuchs die Liste. Bistumskonservator Franz Ronig machte sich dafür stark, dass auch der Dom zum Weltkulturerbe wurde - die älteste Bischofskirche Deutschlands. Errichtet unter dem römischen Kaiser Konstantin, der den Christen die Religionsfreiheit schenkte. Aber den Dom, so dachte man laut Caspary, konnte man ja schlecht von der Liebfrauenkirche trennen. Zumal doch beide ihren Ursprung in einer frühchristlichen Doppelbasilika hatten. Also wanderte auch diese älteste gotische Kirche Deutschlands mit auf die Liste.

"Und plötzlich hatten wir statt eines Denkmals neun", erinnert sich Caspary. Im Nachhinein bedauert er, das Simeonstift (das ja untrennbar an der Porta Nigra hängt) nicht auch noch angemeldet zu haben. Denn ein Problem war die lange Liste für die Unesco nicht. Es gab keine Diskussionen (obwohl die Bögen der Kaiserthermen zwar schön, aber nicht authentisch waren). Anstandslos wurde 1986 sämtlichen neun Bauten der Weltkulturerbetitel verliehen.

Nicht nur, weil Unesco-Delegierte bei der 2000-Jahr-Feier 1984 begeistert von Trier gewesen sein sollen, sondern weil Trier die Unesco-Kriterien erfüllt. Gibt es hier ein "Meisterwerk der menschlichen Schöpferkraft"? Einzigartige Zeugnisse einer untergegangenen Kultur? Hervorragende Beispiele für Gebäude, "die Abschnitte der Menschheitsgeschichte versinnbildlichen"? Ist Triers Geschichte mit Ereignissen "von außergewöhnlicher universeller Bedeutung verknüpft"? Die Unesco beantwortete diese Fragen mit: Ja, ja, ja, ja.

Trier, 16 v. Chr. als "Augusta Treverorum" gegründet, sei die älteste Stadt Deutschlands. Durch die Dichte und bauliche Qualität der erhaltenen Denkmäler "liefert Trier ein außergewöhnliches Zeugnis der vierhundertjährigen römischen Epoche", heißt es auf den Seiten der deutschen Unesco-Kommission. Die Porta Nigra sei ein einzigartiges Werk der römischen Architektur des 2. Jahrhunderts.

Trier sei zudem das "Beispiel einer großen römischen Hauptstadt nach der Reichsteilung: Die Reste des kaiserlichen Palastes mit der Aula Palatina und den Kaiserthermen beeindrucken durch ihre riesenhaften Ausmaße". Darüber hinaus ist die Römerstadt "direkt und materiell mit einem der wichtigsten Ereignisse der Menschheitsgeschichte verbunden": mit dem Feldzug Konstantins gegen Maxentius im Jahre 312, dessen Folge die Anerkennung des Christentums als Staatsreligion des Römischen Reiches durch das Edikt von Mailand 313 war.

Seit 1986 trägt Trier seinen Titel. Millionen Gäste aus aller Welt haben die Römerbauten, Dom und Liebfrauenkirche seitdem besichtigt. 2016 feiert die Stadt 30 Jahre Weltkulturerbe, und so ungerecht dieses in Deutschland auch verteilt sein mag - auch in Köln mit seinem einen Dom gibt es was zu feiern. Denn 1996, zehn Jahre nach Trier, erhielt auch dieser den Schutz der Weltgemeinschaft.

Wussten Sie, dass schon die Römer Graffiti in der Porta Nigra hinterließen? Volksfreund-Reporter haben die alten Bauwerke aus neuen Blickwinkeln betrachtet. Was dabei herausgekommen ist, lesen Sie ab heute zweimal wöchentlich im Trierischen Volksfreund und auf volksfreund.de. Alles bisherigen Beiträge im Dossier "Unser Weltkulturerbe" .Mehr zum Thema

Fotostrecke: Das sind die Baudenkmäler des Unesco-Weltkulturerbes Trier

Erster Teil der Serie: Wie es dazu kommt, dass neun Trierer Baudenkmäler den begehrten Titel tragen

Hintergrund: Unesco-Welterbestätten und Codex Egberti

Das Wahrzeichen Triers: Die Porta Nigra ist nicht nur das liebste Bauwerk der Trierer, sie ist auch das am besten erhaltene römische Stadttor nördlich der Alpen. Erbaut wurde es im Jahr 180 n. Chr. aus 7200 Steinquadern, die zunächst nicht schwarz waren. Die Farbe, die dem Tor schließlich seinen Namen verliehen hat, entstand erst durch die Verwitterung. Im Mittelalter wurde das Stadttor zur Doppelkirche umgebaut. Heute dient es Touristen als Info-Zentrum zur römischen Stadt. Mos/TV-Fotos (9): Roland Morgen Foto: roland morgen (rm.) ("TV-Upload morgen"
Foto: (g_pol3 )

Hintergrund: Festwoche in Trier ab dem 28. November