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"Es geht nur über das Beispiel"

"Es geht nur über das Beispiel"

Ausdauer und Mut haben Carlo und Nicole Sente-Ligbado jede Menge, wenn es um die Erhaltung historischer Bausubstanz geht. Jetzt ist das Ehepaar mit Wohnsitz in Luxemburg und Wolsfeld bei Bitburg mit der begehrten Silbernen Halbkugel des Deutschen Preises für Denkmalschutz ausgezeichnet worden.

Wolsfeld. Ein eisiger Wind fegt über die Dorfstraße. Nur wenige Leute sind an diesem strahlenden, aber kalten Wintertag in Wolsfeld (Eifelkreis Bitburg-Prüm) draußen. Eine schmale Seitenstraße zweigt von der Durchgangsstraße ab zum Schloss. Der schmucke Bau ist keiner von jenen Feudalbauten, die auf Abstand gehen und mit herrschaftlicher Geste auf sich aufmerksam machen.
Geradezu demokratisch fügt sich die schlichte weiße Fassade mit dem runden Türmchen in den alten Ortskern ein. Ein gepflasterter Hof ist dem Bau, dessen Fassade aus dem 16. Jahrhundert stammt, vorgelagert. Drinnen bellt ein Hund. Dann öffnet sich die Tür, und Hausherr Carlo Sente-Ligbado tritt heraus, um seinen Gast zu begrüßen. Gleich links neben dem Eingang tut sich die alte Schlossküche auf, mit großem offenen Kamin und handfestem Mobiliar.
Viele glauben: "Alt gleich arm"

Auf Schloss Wolsfeld sind die Sente-Ligbados zu Hause. TV-Foto: Archiv/Sybille Schönhofen Foto: (e_bit )


Im kleinen Salon gegenüber lässt sich angenehm zwischen schönen alten Möbeln über Denkmalschutz sprechen. Der ist schließlich Anlass des Besuchs. Carlo Sente-Ligbado und seine Frau Nicole sind nämlich nicht nur leidenschaftliche Liebhaber alter Gemäuer, sondern inzwischen auch regelrechte Profis, wenn es um die Restaurierung historischer Bausubstanz geht. Ihr anhaltendes Engagement hat jetzt das Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz mit der begehrten Silbernen Halbkugel des Deutschen Preises für Denkmalschutz ausgezeichnet.
Das Komitee und seine Jury würdigten besonders den sensiblen Umgang der engagierten Denkmalbesitzer mit dem historischen Gemäuer sowie ihren Mut und ihre Ausdauer. Die sind fraglos eindrucksvoll. Seit über drei Jahrzehnten ist das Luxemburger Ehepaar unermüdlich unterwegs, um alte Bausubstanz zu retten. Die Liebe dazu währt allerdings schon viel länger. "Bereits mein Vater restaurierte alte Gebäude" erzählt Carlo Sente-Ligbado.
Etwa ein Dutzend abgeschlossener Restaurierungsprojekte vom Schloss bis zum Bauernhaus kann das Ehepaar inzwischen vorweisen, die meisten davon in der Eifel. Auf deren reiche historische Bausubstanz hatten es Freunde aus Dudeldorf seinerzeit aufmerksam gemacht. Bis heute sind die Sente-Ligbados sicher: "Es gibt kaum irgendwo so viel erhaltene alte Bauten wie in der Eifel." Allerdings sei der Umgang damit vielfach höchst unsensibel. Den beiden Wahl-Wolsfeldern geht es um mehr als vom Verfall bedrohten Baubestand. "Wir wollen an der Erhaltung einer funktionierenden Dorfstruktur mitarbeiten", erklärt Carlo Sente-Ligbado, der sich auch ehrenamtlich in der Gemeinde engagiert. "Die Leute sollen stolz sein auf ihr gebautes Erbe." Das sei allerdings eine schwierige Aufgabe.
Noch immer gelte vielerorts die Gleichung "alt gleich arm". Was im Fall der Luxemburger erst mal zu Missverständnissen führte. "Am Anfang haben sich die Leute über unsere Aktivitäten gefreut, weil sie dachten, endlich kommt jemand, um den alten Kasten abzureißen." Eher argwöhnisch habe die Dorfgemeinschaft die ersten Restaurierungsmaßnahmen verfolgt. Inzwischen seien alle begeistert, was man aus so einem alten Bau machen könne.
"Es geht eben nur über das Beispiel", bestätigt Nicole Sente-Ligbado. Ihr Engagement, das sie zu notorischen Grenzgängern gemacht hat, verstehen die Hausherrin im Schloss und ihr Mann nicht zuletzt als kulturellen Brückenschlag wie Auseinandersetzung mit der eigenen Identität. "Wir haben durch unsere Arbeit enorm viel über den grenzüberschreitenden Kulturraum Eifel-Luxemburg gelernt und unsere gemeinsame Geschichte", berichtet Carlo Sente-Ligbado. Auch weiterhin will er mit seiner Frau daran arbeiten, das gebaute kulturelle Erbe zukunftsfähig zu machen. Soll heißen: die historische Substanz zu erhalten, indem sie behutsam aktuellen Bedürfnissen wie moderner Haustechnik und angemessener Belichtung angepasst wird.
Voll des Lobes sind Carlo und Nicole Sente-Ligbado dabei über die Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz. Absolut kooperativ sei der. "Man hat Rechte, aber man muss sich natürlich auch an Auflagen halten."