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"Es ist künstlerisch tödlich, sich zu wiederholen"

Wittlich. Daniel Kehlmann ist Autor des Weltbestsellers "Die Vermessung der Welt", auch seine anderen Bücher sorgten für Aufsehen. Am Freitag, 6. Juni, kommt er mit seinem neuen Roman "F" zum Eifel-Literatur-Festival nach Wittlich. Wir stellen den Autor im Kurzporträt vor.

Wittlich. Daniel Kehlmann wurde 1975 als Sohn des Regisseurs Michael Kehlmann und der Schauspielerin Dagmar Mettler in München geboren und lebt heute in Berlin und Wien. Sein Großvater war der expressionistische Autor Eduard Kehlmann aus Wien. In dieser Stadt machte Kehlmann sein Abitur.Eifel-Literatur-festival 2014


Anschließend studierte er Philosophie und Literaturwissenschaft. 1997 erschien sein erster Roman "Beerholms Vorstellungen", ein Jahr später bekam er mit dem Förderpreis des Kulturkreises der Deutschen Wirtschaft den ersten von bislang elf renommierten Auszeichnungen verliehen, darunter den Kleist- und Thomas-Mann-Preis.
Parallel zu einer Karriere als Dozent für Poetik und Weltliteratur an nationalen und internationalen Hochschulen veröffentlichte er nun fast jährlich weitere Romane, Erzählungen, Novellen und Essays, zum Beispiel "Unter der Sonne", "Mahlers Zeit", "Der fernste Ort" und "Ich und Kaminski". Mit dieser Geschichte um einen Kunsthistoriker, der seine Karriere durch das Schreiben einer Künstlerbiografie aufpolieren will, gelang Kehlmann 2003 der internationale Durchbruch.
Zwei Jahre später landete er mit "Die Vermessung der Welt" einen noch größeren Erfolg. Die New York Times führte ihn an zweiter Stelle der weltweit meistverkauften Bücher des Jahres 2006. Es folgten unter anderem "Ruhm" und der neue Roman "F". Darin tauchen mit der Künstlerfigur Iwan und ihrem Schicksal motivische Anklänge zu "Ich und Kaminski" auf.
Unsere Mitarbeiterin Anke Emmerling hat mit Daniel Kehlmann gesprochen:
Welche Kernfrage hat Sie bei der Themenfindung für "F" bewegt?
Daniel Kehlmann: Die gleiche Frage wie bei all meinen Büchern: Wie kann ich eine gute Geschichte in origineller Weise erzählen? Und: Wie kann ich diese konkreten Figuren zum Leben erwecken?
Mit "Die Vermessung der Welt" haben Sie riesigen Erfolg gehabt. Sie hätten theoretisch nachlegen und weitere historische Figuren lebendig werden lassen können. Stattdessen haben Sie, wie zuletzt in "F", eigene Figuren erfunden und in ein Konstrukt mit aktuellen Fragen gebettet. Warum?
Kehlmann: Weil es künstlerisch tödlich ist, sich zu wiederholen, beziehungsweise seine eigene, gut funktionierende Masche zu perfektionieren. Man muss versuchen, neue Dinge zu tun und sich weiterzuentwickeln. Darin liegt ein Risiko, aber gerade dieses Risiko macht Spaß.
Die plastischste Figur in "F" ist Iwan. Fast scheint es, als äußere sich dort die Seelenverwandtschaft von Autor und Maler. Steht Ihnen diese Figur nahe?
Kehlmann: Das ist richtig, er steht mir in vielfacher Hinsicht am nächsten. Ich wollte ihn auch zu einem wirklich anständigen und liebenswürdigen Menschen machen. Er ist zwar ein Betrüger, aber er schädigt niemanden. Und ja, er ist ein echter Künstler, kein gescheiterter, wie oft zu lesen war. Er ist nicht berühmt, und seine Bilder tragen nicht seinen Namen, aber ist er deswegen gleich gescheitert? Ich mag Iwan sehr und sein schlimmes Schicksal hat mich wirklich erschüttert. ae
volksfreund.de/
eifelliteraturfestival2014Extra

Daniel Kehlmann liest als Gast des Eifel-Literaturfestivals am Freitag, 6. Juni, um 20 Uhr im Eventum Wittlich. Karten gibt es im TV-Service-Center in Trier, unter der TV-Tickethotline 0651/7199-996 sowie auf volksfreund.de/tickets Informationen über das Festival unter www.eifel-literatur-festival.de ae