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Es lebe der Gegensatz

Es lebe der Gegensatz

Viel Neues vom in Würde gealterten Lamm: Das englische Elektro/Pop/Trip Hop-Duo Lamb hat im Luxemburger "Atelier" sein vor wenigen Wochen erschienenes sechstes Album präsentiert.

Luxemburg. "Wer von euch war schon mal bei einem Lamb-Konzert? Bitte die Hand heben!", fragt Andy Barlow und sieht viele, viele Hände vor sich. Das britische Duo ist quasi Stammgast im Den Atelier. 1996 brachten Produzent und Keyboarder Barlow und Lamb-Sängerin Lou Rhodes das erste Album heraus, Trip Hop war das Ding der Stunde. Langsam, intensiv, elektronisch, von Rhodes mit bittersüßer Melancholie veredelt. Viele im Publikum werden Lamb damals kennengelernt haben. Noch in den Neunzigern. Oder spätestens rund um den Jahrtausendwechsel. Damals war "Gabriel" einer der schönsten Popsongs des Universums, ihn konnte auch keine Fernsehwerbung für einen profanen Minivan an die Wand brettern. Und wenn ihn Lou Rhodes heute anstimmt, I can fly..., dann kommt die Gänsehaut zurück. Der Wagen von damals mag inzwischen schrottreif sein, aber der Song glänzt wie neu.
Dass das Publikum im zur Hälfte gefüllten Atelier eher nach geschmackvollerer Ü30-Party aussieht, dafür kann die Band wenig: Spannend wäre sie auch für die Jüngeren: Die durchaus komplexen Beats und die Synthie-Sägen von Barlow, der auf der Bühne immer noch gern den Club-Animateur gibt. Und die warme Stimme der eher introvertierten Rhodes - der Clash der Gegensätze hat sich noch nicht abgenutzt. Es geht Barlow, Rhodes und Livemusiker Jon Thorne am Bass und Kontrabass auch nicht um routinierte Pflichterfüllung. Gleich sechs der ersten acht Songs sind vom neuen Album "Backspace Unwind", das erst vor vier Wochen erschienen ist.
Dass die neuen Stücke wie "We Fall in Love" oder "As Satellites go by" live funktionieren (und ziemlich gut ankommen), spricht für die Zukunft von Lamb. Auch wenn die zweite Hälfte der knapp 90-minütigen Show mitsamt den Zu-gaben "What Sound", "Gorecki" und dem Elektro-Monster "Trans Fatty Acid" noch stärkeren Eindruck hinterlässt.
"Wer kommt zum nächsten Lamb-Konzert in Luxemburg?" Das fragt Barlow nicht. Aber er hätte auch nach dieser Frage viele, viele Hände gesehen.