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UNTERM STRICH – DIE KULTURWOCHE
Es war einmal in Amerika

US-Schauspielerin Barbra Streisand spielte 1972 in dem Film „Is’ was, Doc?“ mit.
US-Schauspielerin Barbra Streisand spielte 1972 in dem Film „Is’ was, Doc?“ mit. FOTO: dpa / Nancy Kaszerman
In Peter Bogdanovichs abgedrehter Screwball-Komödie „Is was, Doc?“ von 1972 mit Barbra Streisand und Ryan O’Neal geht es neben einer chaotischen Liebesbeziehung zwischen den beiden um einen Musikologenkongress mit lauter nerdigen Typen, einem Koffer voller Eruptivgesteine (weitere Erläuterungen würden an dieser Stelle den Rahmen sprengen), einem Koffer voller geheimer Regierungspapiere und einem weiteren Koffer voller Schmuck.

Dass die Koffer alle gleich aussehen, vereinfacht die Sache für zwei Gangster nicht gerade, die es auf die Juwelen abgesehen haben. Um in dessen Besitz zu gelangen, soll einer der tumben Ganoven die reiche Dame becircen und ablenken, was freilich weit über seine intellektuellen Fähigkeiten geht. Deshalb fragt er seinen Partner: „Kann ich sie nicht einfach abknallen?“ Solche geradlinigen Lösungen sind im richtigen Leben nicht immer empfehlenswert, können sie doch zu unvorhergesehenen Konsequenzen führen. Aber immerhin hat der – und jetzt machen wir einen Zeitsprung von 46 Jahren – USAbartige Prollpräsident vorgestern eins, um es mit den prägnanten Worten der SPD-Vorsitzenden zu umschreiben, „in die Fresse“ gekriegt. Und das ist sicherlich eine gute Nachricht, die im November, was positive Neuigkeiten angeht, nicht mehr übertroffen werden kann – obwohl noch 21 normalerweise nebelverhangene Tage dieses Monats vor uns liegen.

Bleiben wir in Amerika, wo endlich wieder ein Licht am Ende des (hoffentlich nur noch) zwei Jahre zu durchfahrenden Tunnels leuchtet. „Es war einmal in Amerika“ heißt nicht nur ein Film (und in einigen Jahren vielleicht eine Geschichtschronik, die diese Horrorjahre für die Nachwelt festhält), sondern auch eine umfangreiche Ausstellung im Kölner Wallraf-Richartz-Museum. Das widmet sich vom 23. November bis zum 24. März der US-amerikanischen Kunst zwischen 1650 und 1950. Die Schau reicht von Werken aus der Kolonialzeit bis zu den Meistern des amerikanischen Realismus. Mehr als 130 Leihgaben aus Sammlungen und Museen der USA und Europa sind in Köln zu sehen, darunter Werke von Edward Hopper, George Bellows, Georgia O‘Keeffe, Mark Rothko und Barnett Newman. Viele davon sind „deutsche Erstaufführungen“: Die meisten Werke wurden hierzulande noch nie gezeigt.

⇥Rainer Nolden