Europäische Kunstakademie in Trier sucht neue Geschäftsführung

Neue Geschäftsführung gesucht : Europäische Kunstakademie – Eine neue Ära naht

Eine der großen Trierer Kultur-Institutionen sucht eine neue Geschäftsführung und plant größere Veränderungen. Dozenten sorgen sich deswegen.

Die Flex kreischt und Funken sprühen, während ein bärtiger Mann Metallringe bearbeitet, die er später zu einem Mobile zusammenbauen will. Rings um ihn bürsten, hämmern, kneifen und schleifen Menschen mit Schutzbrillen im Innenhof des ehemaligen Trierer Schlachthauses Metall, dass es kracht. Und auch sonst rumort es in der Europäischen Kunstakademie (EKA). Nicht nur, weil das Kursprogramm derzeit in vollem Gange ist – es wird gemalt, getöpfert, fotografiert, oder die Kunst des Siebdrucks erlernt.

Es rumort auch, weil so mancher der Dozenten sich Sorgen um die Zukunft macht, seit vor wenigen Tagen eine Stellenanzeige erschien. Gesucht wird eine neue Akademie-Geschäftsführung für zunächst fünf Jahre – also eine Nachfolge für die langjährige Leiterin Gabriele Lohberg, die im Januar 2020 in Ruhestand geht.

Aus der Anzeige geht auch hervor, dass der 42 Jahre alten Institution Veränderungen bevorstehen. „Künftig soll die Kunsthalle der Akademie als  Ort der Gegenwartskunst entwickelt werden“, ist in der Anzeige zu lesen. Die Bereiche Bildung und Kunstausstellung sollen durch eigene Kuratoren verantwortet werden. Wolfgang Rüppel, der an der EKA seit 1995 Siebdruck und Malerei unterrichtet, fürchtet, die Kunsthalle könne „zur Eventbude“ werden. Auch sorgt er sich, dass die Qualität der Ausbildung heruntergefahren werden könnte, „wenn es nur noch um volle Kurse geht“. Die Akademie habe europaweit Renommee. Man könne seinen Ruf nur einmal versauen. Auch Malerei-Dozent Mick Starke ist beunruhigt. Er fragt sich, warum man es nicht der neuen Leitung überlässt, neue Konzepte zu entwerfen und bemängelt fehlende Informationen.

Der TV hat bei Triers Kulturdezernent Thomas Schmitt nachgehört, was Sache ist. Denn dieser ist statt des Oberbürgermeisters seit kurzem neuer Vorsitzender des Vereins „Europäische Akademie für Bildende Kunst e.V.“  Und: Tatsächlich soll sich einiges ändern. So will Schmitt die Akademie stärker ins Stadtleben einbinden – und für die Trierer öffnen, von denen viele wohl noch nie in dem ehemaligen Schlachthaus waren, das – wenn man erst mal drin ist – so unerwartet idyllisch am Moselufer liegt. Die Räume, „die die Stadt ja bezahlt“, will Schmitt nutzen, um ein neues (heimisches) Publikum und mehr Besucher anzulocken. Die meisten der Bildenden Künstler, die die Akademie aktuell besuchen, kommen nicht aus der Region, sondern aus ganz Europa.

Drei wesentliche Änderungen wird es geben. Erstens: Die  700 Quadratmeter große Kunsthalle soll künftig intensiver als Ausstellungsraum für Gegenwartskunst dienen. Auch größere Veranstaltungen als bisher sind dort nach Umbauarbeiten möglich. Picasso werde man nicht zeigen können, aber „wir brauchen in Trier einen festen Ort für aktuelle Kunst“, sagt Schmitt. Mehrere Schauen im Jahr soll es geben. So ähnlich wie das Saarbrücker Kulturzentrum am Europabahnhof oder das Saarländische Künstlerhaus stellt Schmitt sich das Resultat vor. Bisher sind in der Kunsthalle neben regionalen Künstlern vor allem Werke von Dozenten der Akademie zu sehen.

Zweitens: Der Verein will die beiden Trierer Jugendkunstschulen, die bisher bei EKA und Tufa angesiedelt sind, zusammenführen  – „und zwar unter dem Dach der Kunstakademie“, sagt Schmitt. Dort sei einfach alles vorhanden: Drucker, Brennöfen, Ateliers. Eine Idee, die auch die Tufa für sinnvoll hält. Die Kinder- und Jugendarbeit soll an der Kunstakademie dann auch ausgebaut werden – womöglich müsse man dafür das Erwachsenenprogramm ein Stück zurückschrauben, sagt der Vereinsvorsitzende.

Drittens: Es soll künftig zwei Kuratoren geben: je einen für Bildung und Ausstellungen. Einen dieser Bereiche muss die neue Geschäftsführung selbst in die Hand nehmen.

Während Tufa-Vorstand Klaus Reeh ein städtisches Gesamtkonzept zum Umgang Triers mit der Bildenden Kunst vermisst – da fehle der Mut zu einer ganz neuen Organisationsstruktur – äußert sich Gabriele Lohberg, die die Akademie in den vergangenen 23 Jahren zu dem gemacht hat, was sie heute ist, nicht kritisch zu den Plänen. Im Gegenteil. Die Idee, die Jugendkunstschulen in der EKA zu vereinen, findet sie sehr gut. Und sie sagt: „Wenn man es fertig kriegt, mehr Trierer hier hinzulocken, das wäre super!“ Allerdings wisse sie nicht, ob man das mit Trierer Künstlern schaffe. Da müsse man Picasso ausstellen.

Wie auch immer sich die Kunsthalle entwickelt – Lohberg freut sich, nach 23 Jahren, in denen sie mit Herzblut und an vielen Wochenenden gearbeitet hat, „die Verantwortung in gute Hände geben zu können“. Das Kursprogramm für 2020 ist gedruckt. Trotz anstehender Veränderungen ist damit abzusehen, dass auch im kommenden Sommer Funken sprühen, während in der Akademie neue Kunstwerke wachsen.

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