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Experimente ja - Provokation nein

Experimente ja - Provokation nein

Der Trierer Generalmusikdirektor Victor Puhl im Gespräch über das erste Sinfoniekonzert der neuen Theatersaison. Seiner letzten in Trier.

Trier Mit dem 1. Sinfoniekonzert am kommenden Donnerstag (7. September) beginnt für Victor Puhl das letzte Jahr als Trierer Generalmusikdirektor. Mit dem Trierischen Volksfreund sprach er über das Konzertprogramm, den Solisten Alexander Paley und über sein Verhältnis zum PublikumHerr Puhl, Sie starten in die neue Konzertsaison mit Dvoraks Neunter, Rachmaninow und Beethoven. Das ist ungefähr das konventionellste Programm, das man sich vorstellen kann. Soll die Spielzeit so weitergehen?Puhl: Nein, sie soll selbstverständlich so nicht weitergehen. Dvoraks Neunte rangiert ja eher am Rand des Konzertrepertoires. Sie ist bekannt und sehr populär, das ist gewiss so. Ich finde allerdings, es ist eine große, romantische Sinfonie - genau passend zum Saisoneinstieg. Das lässt aber nicht den Schluss zu, dass es konventionell bleiben wird. Wir haben in der neuen Spielzeit ja auch andere Programme: mit Wagner, Prokofjew und vor allem die 15. Sinfonie von Schostakowitsch, die mir sehr wichtig ist. Auch das 7. Konzert mit dem Akkordeon-Spieler und -Komponisten Richard Galliano ist ja nicht gerade konventionell.Sie haben für das Rachmaninow-Klavierkonzert wieder Alexander Paley engagiert. Der war beim Grieg-Klavierkonzert vergangenen April nicht ganz unumstritten ...Puhl: ... Paley ist ein Ausdrucksmusiker. Ich habe mit ihm gearbeitet und weiß, dass er im russischen Repertoire sehr stark ist. Der Mann ist zwar auch immer mal gut für eine Überraschung, aber genau das macht ihn so besonders. Ich habe großes Vertrauen in sein pianistisches Können und seine Fähigkeit, Gefühle darzustellen. Da bin ich ganz zuversichtlich.2017/2018 ist Ihre letzte Spielzeit als Trierer Generalmusikdirektor. Da haben Sie eigentlich nicht mehr viel zu verlieren. Trotzdem kann ich im Konzertprogramm keine echten Experimente entdecken. Scheuen Sie den Konflikt mit dem konservativen Publikum?Puhl: Also, es war nie mein Stil, Konflikte mit dem Publikum zu provozieren. Gerade deshalb haben wir so viele treue Konzertbesucher. Aber wir betreten trotzdem Neuland. So etwas wie das "Parsifal"-Programm im 4. Sinfoniekonzert hat es in Trier lange nicht gegeben. Ich freue mich darauf, denn ich hatte bisher noch nicht die Möglichkeit, das Werk zu dirigieren. Aber Konflikte mit dem Publikum - nein, sicher nicht!Das heißt, Sie sind als Publikumsliebling gekommen und gehen als Publikumsliebling?Puhl: Ich bin nicht als Publikumsliebling gekommen. Ganz im Gegenteil. Wie bei jedem Führungswechsel gab es auch damals viele Konzertbesucher, die keinen Wechsel am Pult wollten. Das ist doch auch gut so. Wenn jetzt viele traurig sind, hab ich wohl alles richtig gemacht.Das Interview führte Martin Möller.1. Sinfoniekonzert, Donnerstag, 7. September, 20 Uhr, im Trierer Theater. Werke von Beethoven, Rachmaninow und Dvorak. Alexander Paley, Klavier. Dirigent: Generalmusikdirektor Victor Puhl. Karten gibt es telefonisch unter 0651/ 718 1818. Interview Victor Puhl