Facetten der Liebe: Stimmkünstlerin Hilde Kappes begeistert ihr Publikum

Facetten der Liebe: Stimmkünstlerin Hilde Kappes begeistert ihr Publikum

Das Publikum in der Mosellandhalle in Bernkastel-Kues ist vom ersten Moment an entzückt. Stimmkünstlerin Hilde Kappes muss den Besuchern ihrer One-Woman-Show "Du sollst nicht begehren" noch zwei Zugaben spielen, so begeistert sind sie.

Adam und Eva: Früher kann man bei einer Geschichte wahrlich nicht anfangen. Doch so ungewöhnlich wie die in Bernkastel-Kues geborene Hilde Kappes hat wohl selten jemand die Schöpfungsgeschichte erzählt. Da stellt sie mit Hilfe der Technik ein vielstimmiges Musikstück zusammen, das sie alleine spielt, mit Klängen, die sie in unterschiedlichsten Tonlagen und Rhythmen mit Hilfe von Plastikflaschen erzeugt und zu dessen Musik sie in einer Fantasiesprache singt und tanzt. Immer wieder verschwinden Beats, doch in rasantem Tempo erzeugt Kappes neue Töne, die den Klangteppich immer dichter weben.Mosel Musikfestival

Bis Kappes in der Mosellandhalle vor 150 Zuschauern, viele von ihnen haben mit ihr gemeinsam die Schule besucht, die Geschichte aus dem Garten Eden endlich zum Missverständnis erklärt ("Da fing das Durcheinander an) und sich in ihrem weiteren Programm über die verschiedenen Aspekte des immer aktuellen Themas Liebe auslässt. Auf der Bühne erweist sie sich als Künstlerin, die in allem, was sie zeigt, nach Perfektion strebt.

Da ist die Sängerin, die mal slawisch, mal japanisch, in Fantasiesprache oder mit Wiener Schmäh ihre Texte anstimmt. Dabei erweist sich ihre Stimme als äußerst virtuos. Die Wechsel zwischen feinem Gesang und derben Ausbrüchen gelingen mühelos.

Gleichzeitig ist sie die Pianistin, die sich selbst mit viel Feingefühl und nuancenreich auf dem Flügel begleitet. Jede Pause, jede noch so kleine Betonung sitzt. Das gilt auch dann, wenn sie mit Plastikflaschen auf das Mikrofon und ihren eigenen Kopf schlägt oder mit Hilfe eines Abflussrohrs orientalische Klänge anstimmt. Passend dazu ist Kappes' Mimik in ihren vielen Facetten. Da stimmt jeder Augenaufschlag, jedes Verziehen des Mundes, jede Pose ihres Körpers.
Zugleich erweist sie sich als Meisterin des feinen Wortspiels und des Humors, wenn sie sinniert, ob sie "a Madel, a Bua oder a Zwitter" ist. Neben den vielen Lieben wie der unerfüllten Liebe, der heftigen Liebe und der falschen Liebe gibt es allerdings auch ernste Töne, wenn sie über die Vaterlandsliebe singt - ein Stück, das sie den Großvätern widmet. Alle Stücke präsentiert sie mit einer Intensität, die atemberaubend ist. Hilde Kappes hat sich als grandiose Musikerin und Kabarettistin gezeigt, die in kein Schema einzuordnen ist. cst