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Facettenreich, gefühlvoll

Facettenreich, gefühlvoll

Barocke Musik des barocken Meisters in einer barocken Pfarrkirche: Rundum stimmig hat sich das Konzert des Mosel Musikfestivals am Samstagabend in der Trierer Basilika St. Paulin präsentiert. Auf dem Programm standen sechs Orgelkonzerte von Georg Friedrich Händel - passend zum Händel-Jahr 2009, dem 250. Todesjahr.

Trier. (ves) Das ist der Zuschauer nicht mehr gewohnt: Er nimmt Platz, blickt nach vorne, wartet gespannt auf die Musiker und dann - dann erklingt die Musik hinter seinem Rücken. Auch beim Konzert des Mosel Musikfestivals am Samstagabend drehten sich einige der 180 Besucher in der Basilika St. Paulin in Trier bei den ersten Tönen zur Empore um. Dabei hatte Festival-Intendant Hermann Lewen vorher extra angekündigt: "Wir haben uns dafür entschieden, dass die Pfarrorgel genutzt wird, wie es früher auch der Fall war."

So wanderte der Blick des Zuhörers durch die reich geschmückte Barockkirche, während hinter ihm die barocken Orgelkonzerte Nummer 1 bis 6 von Georg Friedrich Händel ertönten. Josef Still, Domorganist der Hohen Domkirche Trier, und die Musiker des 1999 gegründeten Ensembles "Camerata Cusana" spielten unter der Leitung von Wolfgang Lichter Händels Orgelkonzerte opus 4. Der Klang von Orgel und Streichern verschmolz regelrecht miteinander und durch die Akustik in St. Paulin wirkte die Musik vor allem bei den lauteren Tutti-Stellen so, als käme sie von allen Seiten - nicht nur von hinten.

Zudem ermöglichte diese Konstellation die volle Konzen tration auf die Musik - ohne Ablenkung durch den Anblick der Musiker. Nur zur Pause war das Klatschen dann recht zögerlich, weil niemand den gesenkten Taktstock sehen konnte.

Wunderschön melodiös, facettenreich und gefühlvoll gestalteten die Musiker auf der Empore das anderthalbstündige Konzert. Ob die sanft gespielten getragenen Passagen oder die pointiert herausgearbeiteten, echoartigen Frage-Antwort-Stellen (besonders im zweiten Konzert) - Still und das Ensemble überzeugten vollends.

Als besonders gut stellte sich die Entscheidung heraus, das vierte Orgelkonzert Händels an sechster und letzter Stelle zu spielen. Hierdurch wurde am Ende noch einmal die Orgel in den Mittelpunkt gerückt. Als der letzte Akkord verklungen war, standen die rund 180 Zuhörer auf, drehten sich zur Empore um und applaudierten den Musikern begeistert zu.