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Fado-Festtag in der Philharmonie

Fado-Festtag in der Philharmonie

Ein Konzert von Mariza, der erfolgreichsten portugiesischen Sängerin, ist immer ein herausragendes Ereignis, vor allem für ihre zahlreichen Landsleute in Luxemburg.

Luxemburg Das Foyer der restlos ausverkauften Luxemburger Philharmonie summt und brummt wie ein Bienenstock. 1500 überwiegend portugiesisch-stämmige Besucher sind in freudiger Erwartung ihres Konzertes des Jahres, entsprechend schick ist ihre Garderobe und strahlend die Gesichter.

Nach 2008 und 2013 gibt sich Mariza, die Prinzessin des Fado - der melancholische Nationalgesang voller Herzschmerz - wieder einmal die Ehre, ihre Landsleute in der größten portugiesischen Enklave Europas zu beglücken. Groß und gertenschlank erscheint die 43-jährige in einer folkloristisch anmutenden, tief ausgeschnittenen Robe aus dem Dunkel auf der Bühne und singt das erste Lied a capella. Da schon flammen die Smartphones auf und die Ordner sind während des gesamten Konzertes damit beschäftigt, auf das eigentlich geltende Aufnahmeverbot hinzuweisen. Eine grobe Unhöflichkeit der Künstlerin und den versunken genießenden Zuschauern gegenüber.

Mariza lächelt das weg, unbeirrt singt sie im Schein der großartigen Lichtregie ihre gefühlvollen Lieder von Liebe und Verlust, von Sehnsucht und Leidenschaft. Sie selbst sieht sich nach der Gründung ihrer Familie in einer Phase des Neuanfangs, ihre unglaublich facettenreiche Stimme erscheint gereift, ihr Charisma und die enorme Bühnenpräsenz sind ungebrochen. Als Tochter eines portugiesischen Vaters und einer mosambikanischen Mutter ist sie in einem Fado-Lokal in Lissabon aufgewachsen, ihr Repertoire geht jedoch weit über die Klassiker des Genres hinaus. Mal sind brasilianische Samba-Einflüsse, mal jazzige Akkorde zu hören.

Was all dem aber innewohnt, ist der "Saudade", der Weltschmerz, der den Fado (meint Schicksal) prägt. Und Mariza ist eine Zauberin des Gesanges, in den leisesten Tönen, dem tiefsten Geraune, den strahlendsten Höhen rührt sie das Publikum zu Tränen und spendet dennoch Trost und Zuversicht. Zwischendurch versucht sie vergeblich auf Französisch zu moderieren, fällt immer wieder ins Portugiesische und erzählt - soweit sich das dem sprachunkundigen Teil des Publikums erschließt - von ihrem Leben und der Musik.
Ganz nah bei den Zuschauern ist sie auch, wenn sie diese zum mitsingen animiert, textsicher sind die meisten, an der Harmonie muss allerdings noch gearbeitet werden.

Das alles nimmt einen (sehr) großen Teil des über zweistündigen Abends ein, bevor sich Mariza bei den frenetisch und stehend erklatschten Zugaben wieder ganz dem Gesang hingibt: Begleitet von ihren drei formi dablen Gitarristen (Akustik, Portugiesische- und Bass-Gitarre, dazu gibt es ein etwas Bass-betontes Schlagzeug) und ohne Verstärkung füllt sie allein mit ihrer Stimme das große Auditorium, bevor sie mitten im Publikum und händeschüttelnd mit "Ó gente da minha Terra" den emotionalen und musikalischen Schluss- und Höhepunkt setzt. Zum Dahinschmelzen!