Fall im All

Wenn aus einer Bierlaune ein Dauerbrenner wird: Das Vollplaybacktheater lockte mit seiner Interpretation des Hörspiels "Die drei Fragezeichen und die bedrohte Ranch" über 700 Zuschauer in die ausverkaufte Trierer Europahalle.

Trier. "Das Gehirn ist ein Irrweg", klagte Gottfried Benn einmal. Zur besseren Orientierung mag man mittlerweile auf GPS vertrauen, die eigenen Koordinaten im Universum liefert im Zweifelsfall das Handy. Aber der Kopf bleibt ein Rätsel: Warum, um Himmels Willen, erinnert man sich an all die Fragmente und Satz-Fetzen, die gerade in der Europahalle vom Vollplaybacktheater (VPT) durch den Wolf gedreht werden? Kann man die Festplatte nicht neu formatieren? Zumindest die argsten Erinnerungen der 80er auslöschen?

Das Ensemble aus Wuppertal nimmt sich seit zwölf Jahren Jugend-Hörspiele vor, am liebsten alte Folgen von den "Drei Fragezeichen", die dann pantomimisch umgesetzt werden. Das heißt: Der Ton kommt von der Kassette (oder eben heute aus dem Computer). Gestik, Mimik und die wildesten Assoziationen liefern die sechs Schauspieler. Das Ganze kommt dabei im bewusst trashigen Comic-Stil daher, alles ist überzeichnet: Bühnenbild, Kostüme und Humor sind knatschbunt und plakativ in jeder Hinsicht.

Das hört sich nach Retro-Charme mit kurzer Halbwertszeit an. So ist es aber nicht: Nach früheren Stationen in der BBS-Aula, im Forum und der Tufa füllte das VPT nun die deutlich größere Europahalle - ein großer Teil des Publikums erlebte dabei die Kindheit oder Jugend in den 80ern: Die Erinnerung verbindet.

Das neue Programm, das sich am Hörspiel "Die drei Fragezeichen und die bedrohte Ranch" orientiert, bietet dabei mit seinen Exzentrikern, Ufo-Gläubigen, Menschenfeinden und Betrügern viel Platz zum Austoben: So diskutieren die drei Detektive Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews bisweilen mit der Besatzung des Raumschiffs Enterprise. Ein Außerirdischer vom "Omega" verwandelt sich dann auch mal in Justus Jonas.

Das Zitate-Raten wird dabei zum Sport: Die Querverweise reichen von "Matrix" und Chaplins "Der große Diktator" über Star Wars bis hin zu John Sinclair. Und wer die drei Fragezeichen im Rückblick auf eher überschaubarem literarischen Niveau ansiedelt, sollte sich als Gegengift mal TKKG spritzen: Wie grottig und klischee-betrunken damals bei der zweiten großen Jugend-Serie gewerkelt wurde, machen die Wuppertaler bei einem kurzen Exkurs deutlich.

Das ist über gut anderthalb Stunden unterhaltsam, oft sehr lustig und wird vom Publikum auch mit langem Applaus honoriert. Das beste Programm der vergangenen Jahre war es allerdings nicht: Dafür setzt das VPT auf zu viele Selbstzitate. Einige Musik-Einlagen sind zudem eher überflüssig.