1. Region
  2. Kultur

Familienzwist löst Moselfehde aus - König Heinrich II. und seine Frau Kunigunde stellen sich gegen die Moselgrafen

Geschichte : Familienzwist löst Moselfehde aus

König Heinrich II. gründet 1008 das Bistum Bamberg – finanziert mit Hilfe von Kunigundes Mitgift. Das ruft ihre Geschwister an der Mosel auf den Plan. Der Streit endet in der Moselfehde und damit, dass Saarburg zur Residenz ausgebaut wird.

Es gibt Geschichtsdaten, die kennt in der Region fast jedes Kind. Die Gründung der Stadt Saarburg im Jahr 964 gehört dazu. Ihr Gründer ist Graf Siegfried I. von Luxemburg.

Urkundlich erwähnt wird Graf Siegfried, der im Jahr 963 auch den Grundstein für die Stadt Luxemburg gesetzt hat, laut Karl Ferdinand Werner, Direktor des Deutschen Historischen Instituts Paris von 1968 bis 1989, erstmals in einer Urkunde aus dem Jahr 950 als Laienabt des Klosters Echternach. Historische Quellen führen ihn ab 980 als Graf im Moselgau. 984 wurde er bei den Kämpfen um das Erbe von Kaiser Otto II. vom westfränkischen König Lothar gefangen genommen. Er konnte aber zwei Jahre später aus der Gefangenschaft fliehen. Letztmals urkundlich erwähnt wird Graf Siegfried am 26. Oktober 997.

Seine Mutter war Kunigunde, eine Tochter von Ermentrud, die in mittelalterlichen Quellen als Tochter des westfränkischen Königs Ludwig II. (der Stammler, 846 – 879) aus zweiter Ehe geführt wird. Über Graf Siegfrieds Vater wird spekuliert, möglicherweise war es der lothringische Graf Wigerich (870 – circa 922). Er gilt als Stammvater der Ardenner Grafen, auch bekannt als Luxemburger Grafen. Diese Informationen sind wichtig, um die Familie Siegfrieds im historischen Kontext einzuordnen. Die Luxemburger Grafen zählten zu den „Großen“ des Reiches und sie konnten ihre Abstammung dank Mutter Kunigunde auf die Karolinger zurückführen.

Siegfried I. von Luxemburg hat mit seiner Frau Hadwig elf Kinder. Regional bedeutsam sind Heinrich (gestorben 1026), Friedrich (965 – 1019), Dietrich (gestorben 1047) und Adalbero (gestorben 1037) sowie Kunigunde (circa 980 – 1033). Kunigunde heiratet im Alter von 15 Jahren Heinrich IV., damals Herzog der Bayern, ab 1002 als Heinrich II. König des Ostfrankenreiches und von 1014 bis zu seinem Tod am 13. Juli 1024 römisch-deutscher Kaiser.

Nach Graf Siegfrieds Tod tritt Heinrich dessen Erbe als Graf von Luxemburg an. Sein Schwager belehnt ihn 1004 mit dem Herzogtum Baiern. Friedrich wird Vogt von St. Maximin und Graf des Moselgaus. Dietrich ist Bischof von Metz und legt den Grundstein für den Bau der Kathedrale. Adalbero ist Propst von St. Paulin und bewirbt sich zwei Mal auf das Amt des Erzbischofs von Trier.

Um das Jahr 1008 kommt es zum Bruch zwischen König Heinrich II. und seinen Schwägern. Das Witwengeld, das Heinrich II. bei seiner Heirat an Kunigunde zahlte, floss in die Gründung des Bistums Bamberg, so dass die Brüder beim Tod des Königs wieder ihre Schwester hätten versorgen müssen. Dazu kommt, dass sich Heinrich II. gegen die Ernennung von Adalbero zum Erzbischof von Trier ausspricht. Stattdessen ernennt er mit Zustimmung des Papstes den Bischof von Mainz, Megingaud, zum Bischof von Trier. In Trier setzt der Monarch auf militärische Dominanz, um die „göttliche“ Ordnung in der Bischofsstadt herzustellen. Aber die mehrmonatige Belagerung der Basilika, in der sich Adalbero verschanzt hat, bleibt ohne Erfolg.

Dietrich führt den Aufstand der Luxemburger von Metz aus gegen den Herrscher an. König Heinrich II. belagert mehrere Jahre lang die Stadt in Lothringen vergeblich. Der Herrscher des ostfränkischen Reiches setzt seinen Schwager Heinrich als Herzog von Baiern ab und Friedrich wird von den königlichen Rittern gefangen genommen. Dank diplomatischer Bemühungen des Kölner Erzbischofs Heribert kann der Streit beigelegt werden. Friedrich kommt frei, Heinricht wird erneut als Herzog von Baiern eingesetzt und Dietrich darf weiter das Bistum Metz regieren.

Einzig Adalbero will nicht einlenken. Auch sein zweiter Versuch, Erzbischof von Trier zu werden, scheitert. 1015 ernennt König Heinrich II. Leopold von Österreich, genannt Poppo, zum Erzbischof. Poppo zerstört die von Adalbero gehaltenen Festungen in Trier-Heiligkreuz und Schiff (das spätere Monclair an der Saar). Als der Trierer Erzbischof im Jahr 1028 nach Jerusalem wallfahrtet, kommt die Stunde der Rache. Adalbero verheert mit Hilfe seines Neffen, dem Grafen Giselbert von Luxemburg (der zweitgeborene Sohn von Graf Friedrich), weite Teile des Erzbistums Trier. Das ist der Höhepunkt der in der regionalen Geschichtsschreibung sogenannten Moselfehde.

Nach Adalberos Tod im Jahr 1037 fallen Teile der Grafschaft Luxemburg in den Besitz des Erzstifts Trier. Dazu scheint auch die Saarburg gehört zu haben. Nikolaus Ritzler überliefert dazu in seinem Buch zur „Geschichte der Burg und Stadt Saarburg“ von 1912 folgende Inschrift: „Diese Burg ist von Herrn A(da)lbero, Probst zu St. Paulin erbaut, von ihm der Kirche zu Trier übergeben und dann lange Zeit verlassen und vernachlässigt, vom Erzbischof Bruno (Erzbischof von Trier von 1102 – 1124) wieder erneuert worden.“

Logo_Faszination_Mittelalter Foto: TV/Hartmann, Simon

Den kirchlichen Burgherren der Saarburg sei diese Geschichtsfälschung verziehen. Nachdem die Befestigung in die Hände der Kurfürsten fällt, entwickelt sie sich zu einer beliebten Alters- und Sommerresidenz der Trierer Kurfürsten. Boemund II., Kurfürst von 1354 bis 1362, lebte bis zu seinem Tod im Jahr 1367 auf der Saarburg. Von seinem Nachfolger auf dem Trierer Bischofsstuhl Kuno von Falkenstein erhielt er laut Ritzler jährlich „600 Malter Hafer, 400 Malter Korn und Weizen, 30 fette Schweine und dazu 20 Faß Wein vom Rhein und 30 von der Mosel“. Auch andere Kurfürsten ließen es sich in Saarburg gutgehen.