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Fazil Say spielt in der Philharmonie Luxemburg

Der März in der Philharmonie : Vermittler zwischen den Kulturen

Das Philharmonie-Programm im März: Fazil Say mit seiner Komposition „Water“ und der „Leningrader Sinfonie“ von Schostakowitsch.

Sein Auftritt bei den Echternacher Festspielen  2012 hinterließ beim Publikum einen nachhaltigen Eindruck. Fazil Say, 1970 in der Türkei geboren, bewies in Bach-Busonis „Chromatischer Phantasie“, aber auch mit Mussorgskys „Bildern einer Ausstellung“, dass er sich auf kontrapunktische strenge und ausladende Virtuosität gleichermaßen versteht. Mittlerweile hat sich Fazil Say längst vom einseitigen Pianisten-Dasein emanzipiert, hat sich als Komponist profiliert und wurde dabei zum Vermittler zwischen der Kultur seiner türkischen Heimat und dem europäischen Kulturkreis. Das hat ihm die Freundschaft vieler Menschen eingebracht, denen Kultur mehr bedeutet als nur Repräsentation – und die Gegnerschaft all derer, denen Autorität wichtiger ist als Einvernehmen. Am 6.  März um 19 Uhr wird er seine Komposition „water“ von 2012 aufführen. Das Orchestre Philharmonique (OPL) wird dirigiert von Dmitry Liss. Unter dem Titel „water & fire“ hat das OPL die Aufführung in seine „Aventure+“-Reihe aufgenommen.  Die anschließend aufgeführte „Leningrader Sinfonie“ von Schostakowitsch ist dazu ein ungewöhnlicher, aber keineswegs verfehlter Kontrapunkt.

Kammermusik bis hin zum Kammerorchester ist ein weiterer Schwerpunkt im Philharmonie-Programm dieses Monats. Unter dem Reihentitel „Crossing Europe“ wird das Orchestre de Chambre die Musik Tschechiens vorstellen, und präsentiert dabei so prominente Komponisten wie Dvorak, Janacek und Martinu (1. März, 17 Uhr). Tags darauf spielt das „Concert Lorrain“ unter Stephan Schultz Bachs Instrumentalmusik (2. März, Konzert bereits ausverkauft). Nur einen Tag später hat das Mahler Chamber Orchestra unter Daniel Harding Beethovens „Große Fuge“ und Mozarts „Prager Sinfonie“ im Programm. Prominenter Gast ist Bariton Matthias Goerne mit Schubert-Liedern (3. März). Die „rising stars“ werden in diesem Monat repräsentiert durch den Klarinettisten Magnus Holmander und David Huang am Klavier (10. März). Zwei Tage danach erscheint das Scharoun-Ensemble der Berliner Philharmoniker im Kammermusiksaal und bringt neben Neuer Musik  Schuberts großes Oktett mit (12. März). Und das Chiaroscuro-Streichquartett besetzt mit Mozart und Beethoven die Königsklasse der Kammermusik (26. März). Schließlich ergänzen die Solistes Europeens  unter Christoph König Beethovens Violinkonzert und dessen Fünfte mit einer Konzert-Ouvertüre von Albert Dietrich, dem Schüler Schumanns und Freund von Johannes Brahms (16. März).

Die Präsenz großer Orchester von auswärts bleibt im März begrenzt. Mittelpunkt beim London Philharmonic Orchestra unter Robin Ticciati (13. März) ist Beethovens Tripelkonzert mit der prominenten Solistenbesetzung Anne-Sophie Mutter, Pablo Ferrández und Khatia Buniatishvili (Violine, Cello, Klavier). Zum Ausgleich steht das OPL als Hausorchester bereit. Zu Martin Scorseses Filmklassiker „Taxi Driver“ liefert es die klingende Ergänzung (10. März). Es ist instrumentale Basis bei der Aufführung von Faurés Requiem in Luxemburgs Kathedrale unter Altmeister Pierre Cao (21. März, 19 Uhr). Und nach Mahlers Fünfter unter Daniel Harding, wird jetzt das OPL bei Mahlers 3. Sinfonie von Chefdirigent Gustavo Gimeno geleitet. Und das OPL ist auch dabei, wenn Tenor Roland Villazón dem Philharmonie-Publikum mit Don Quichotte eine Figur der Weltliteratur vorstellt. Es spielt unter Alondra de la Parra Auszüge aus der Sinfonischen Dichtung „Don Quichotte“ von Richard Strauss (Roland raconte …, 19. März, 19 Uhr).

Trotz seiner bunten Vielfalt gibt das März-Programm auch Gelegenheit zur Besinnung. Bachs Matthäuspassion ist ein oratorisches Großwerk – gewiss. Aber in seiner Verbindung von Dramatik und religiöser Einkehr, von schlichter Schönheit und tiefer Trauer ist es auch eine Erinnerung an die christlichen Wurzeln der modernen Zivilisation. Philippe Herreweghe und sein Collegium vocale Gent werden ganz sicher dafür den rechten Tonfall finden (28. März).

·Beginn wenn nicht anders angegeben: 20 Uhr. Karten: (00352)2632 2632, www.philharmonie.lu