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Feine Fäden, grobe Muster

Feine Fäden, grobe Muster

Neue Musik führt im sinfonischen Musikbetrieb meist ein Schattendasein. Umso bemerkenswerter, dass gerade Hasan Ucarsus avantgardistische Komposition "Aksak" in den Mittelpunkt des 7. Trierer Sinfoniekonzerts rückte.

Trier. Der Komponist musste auf die Bühne gedrängt werden und verbeugte sich da steif und schmallippig, vielleicht in Erwartung heftiger Buh-Chöre. Stattdessen bedachten die etwa 550 Besucher, die zum 7. Sinfoniekonzert ins Trierer Theater gekommen waren, Hasan Ucarsu und sein Stück "Aksak" mit entschiedener Zustimmung. Und das, obwohl "Aksak" mit seinen ausgeprägten Stimmenreibungen, dem reichen Schlagwerk und den komplexen Rhythmen auch Klischees von der hässlichen Moderne bedienen könnte.
Qualität setzt sich durch


Offenbar hatte sich Qualität durchgesetzt. Vitale Rhythmik, vorsichtig anklingende Folklore und eine Klanggebung, die Deutlichkeit und Farbenreichtum verbindet - solche Vorzüge kommen an. Zumal Gastdirigent Orhan Salliel und die Trierer Philharmoniker nichts Ungenaues durchgehen ließen. Spezial-Effekte wie die Flatterzunge der Hörner oder die Verwendung des Streicherbogens als Schlaginstrument befanden sich in den besten Händen.
Nicht überall war dem 7. Sinfoniekonzert das Glück solch treffsicherer Interpretation beschieden. Dass Mussorgskys "Nacht auf dem Kahlen Berge" der Gefahr unkonturierter Lautstärke nicht ganz entging, mag mit der Komposition zu tun haben. Anders stand es mit dem Violinkonzert von Jean Sibelius. Solistin Byol Kang setzte mit einem schmalen, faszinierend leichten Ton an, aber das Orchester reagierte auf die feinen Fäden, die Kang ausspann, mit dem groben Strickmuster eines satten Allerweltsklangs.
Zart und innig


Die "col legno"-Partien, in denen die Streicher mit dem Bogenholz spielen, blieben undeutlich, den Klangmischungen aus tief liegenden Holzbläsern und Hörnern fehlte die Charakteristik und das Tutti fiel dick aus und übertönte die Solistin. Dabei zielte die junge Geigerin nicht auf neutrale Virtuosität. Bei ihr klang das Einsame, Abgewandte, ja Abweisende im Stil von Sibelius mit. Die große Kadenz im Kopfsatz spielte sie tadellos, aber ohne virtuoses Auftrumpfen, dabei zart und innig. Wie schön, von dieser Geigerin als Zugabe Bach zu hören!
Vielleicht hielten sich Orhan Salliel und die Trierer Philharmoniker bei Beethovens "Pastorale" allzu oft im gesunden, aber auch durchschnittlichen Mezzoforte auf. Es war ein Beethoven ohne ausgeprägte Höhepunkte - allerdings auch frei von Verzeichnungen und Fehlern.
Und nachdem das Gewitter im vierten Satz problemlos überstanden war, traf man den Tonfall des Finales mit seiner fließenden, gelegentlich hymnischen Idyllik genau. So mündete das 7. Sinfoniekonzert in allgemeine Harmonie.