Feinsinnige Schau führt durch Dunkelheit zum Licht

Feinsinnige Schau führt durch Dunkelheit zum Licht

Eine stille, aber außerordentlich reizvolle Ausstellung zeigt derzeit die Galerie Palais Walderdorff. Dort sind Tuscharbeiten von Esther Naused zu sehen.

Trier. Um Licht als Gestalt wahrzunehmen, bedarf es des Dunkels. Darauf gründet nicht nur die klassische Schwarz-Weiß-Fotografie. Die wechselseitige Abhängigkeit von Licht und Dunkel dient zudem seit ewigen Zeiten Kunst und Philosophie als Bild. Von einem dunklen Tor, durch das hindurch man zum Licht tritt, spricht der Dichter Hugo von Hofmansthal. Das richtige Verhältnis von Hell und Dunkel schafft in der Malerei seit der Renaissance Raum und Ausdruck und das Zwischenreich des Dämmers.
All das geht einem durch den Kopf, wenn man sich in die schwarz-weißen Tuscharbeiten auf Papier von Esther Naused vertieft. Die 1960 in Hamburg geborne Künstlerin ist, wie ihre Biografie mitteilt, Weltmeisterin im japanischen Bogenschießen - also jemand, dessen Blick sich auf Ziele richtet und der sich auf Spannung versteht. Auch Esther Nauseds kleine Formate in der Galerie Palais Walderdorff haben etwas von jener zum Bogenschießen notwendigen konzentrierten Fokussierung. Die breiten, von der Wand abgehobenen weißen Passepartouts lenken den Blick unmittelbar und zielgenau mitten in die fein gemalten Tuscharbeiten und ihre geheimnisvollen Bildräume.
Auch Esther Naused schafft durch das Zusammenspiel von Licht und Dunkel eine neue Wirklichkeit. Ihre Bildräume sind Nachträume, durch die das Licht in Streifen fällt, sich in Böden oder Wasserflächen spiegelt, als Punktraster wie ein erleuchtetes Fenstermeer anmutet und mit seiner durchscheinenden Helligkeit Raum und Form gestaltet. Ein andermal erscheint das Licht wie der sprichwörtliche Streifen am Horizont. Der Eindruck bleibt dennoch zwiespältig. Man weiß nicht so genau: Schafft das Licht nun Raumgestalt oder ist das Dunkel nur da, um das Licht in seiner schillernden Gestalt sichtbar zu machen?
Esther Nauseds Hell-Dunkel-Räume sind äußerst feinsinnige Arbeiten. Bilder, die viele Fragen aufwerfen und nach Versenkung, sogar nach Meditation verlangen. Der Blick von außen wird dann im besten Fall zur Innenschau und zur Standortbestimmung des Betrachters. Man sollte sich Zeit nehmen für diese schöne Bilderschau, die ein Video ergänzt. er
Die Ausstellung ist bis 23. März zu sehen. Öffnungszeiten: dienstags, donnerstags und freitags 11 bis 13 und 14 bis 17 Uhr, mittwochs, samstags und an Feiertagen 11 bis 13 Uhr. Kontakt: Telefon 0651/46824491, www.gb-kunst.de