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Literatur
Feminismus in Zeiten von #MeToo

Meg Wolitzer, Das weibliche Prinzip, DuMont-Verlag, 496 Seiten, 24 Euro.
Meg Wolitzer, Das weibliche Prinzip, DuMont-Verlag, 496 Seiten, 24 Euro.
Der Zeitpunkt stimmt: Die amerikanische Autorin Meg Wolitzer hätte mit ihrem neuen Buch „Das weibliche Prinzip“  aktueller nicht sein können.  Mitten in der laufenden #MeToo-Debatte erscheint ihr Roman, bei dem es auch um männliche Dominanz und sexuelle Übergriffe geht.
Stefanie Glandien

Und ja, es ist ein Roman, auch wenn der Titel sich zunächst nach einem Sachbuch anhört. Erzählt wird die Geschichte der schüchternen Studentin Greer Kadetsky. Sie wird auf einer Party von einem jungen Mann belästigt und begrapscht. Perplex über den dreisten Übergriff, weiß sie zunächst nicht, wie sie reagieren soll und ärgert sich später darüber, dass auch ihre Beschwerde bei der Universität keine schweren Folgen für den Täter hat.

Da lernt sie bei einer Veranstaltung die Feministin Faith Frank kennen. Die charismatische 63-jährige gilt seit Jahrzehnten als Schlüsselfigur der Frauenbewegung und spricht am College vor den Studenten – für Greer eine Offenbarung. Die junge Frau sucht den Sinn in ihrem Leben und möchte im Kampf für die Gleichberechtigung der Frauen eine Rolle spielen. Nach der Uni nimmt sie Kontakt zu Faith Frank auf und erhält das Angebot, bei ihrer Stiftung zu arbeiten. Zusammen mit einem Team organisiert Greer feministische Vorträge für Frauen. Zudem sollen regelmäßige spezielle Notfallprojekte angekurbelt werden, um Frauen in Krisensituationen zu helfen. Klingt toll, doch die Stiftung arbeitet nicht so unabhängig, wie es zunächst erscheint. Geldgeber ist der  Milliardär Emmet Shrader. Schnell entsteht in der Öffentlichkeit das Vorurteil, die Stiftung stehe für „Sandwichhäppchen-Feminismus“.

Ernüchtert muss Greer feststellen, dass selbst eine Ikone wie Faith Frank ihre Schwächen hat. Dass auch eine Stiftung Geld verdienen muss, und die hochgesteckten Ziele der Frauen nicht unbedingt kompatibel sind mit den Absichten des Geldgebers. Hinzu kommt, dass auch Greer nicht immer uneigennützig gehandelt hat. So unterschlägt sie das Bewerbungsschreiben ihrer besten Freundin, weil sie Faith Frank nicht mit ihr teilen möchte.

Als wahrer Feminist erweist sich schließlich ihr langjähriger Freund Cory. Der verzichtet nach seinem erfolgreichen Studium an der Elite-Uni auf seine Karriere und kümmert sich nach dem tragischen Tod seines Bruders ausschließlich um seine kranke Mutter.

Meg Wolitzer hat viele Themen in ihrem Roman untergebracht. Natürlich spielt  – das verrät schon der Titel – der Feminismus eine große Rolle. Aber sie sieht Frauen nicht unbedingt nur in der Rolle der Opfer. Auch Frauen können typisch männlich agieren und zeigen sich nicht immer solidarisch mit ihren Geschlechtsgenossinnen. Es macht Spaß, zu beobachten, wie aus der schüchternen Greer eine Persönlichkeit wird und sie ihren Weg findet. Meg Wolitzer ist eine gute Beobachterin und kann sehr einfühlsam und interessant  schreiben. Schwerpunktmäßig geht es um die Gleichberechtigung der Frauen, aber auch um Freundschaft, Liebe und Aufrichtigkeit. Das Ende des Buchs ist versöhnlich.

Stefanie Glandien