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Fernab von eingefahrenen Gleisen

Fernab von eingefahrenen Gleisen

In der schönen Waldlandschaft der Eifel erfinden sich Künstler und Kunstfreunde neu. Seit vielen Jahren erhalten sie beim Symposion in Weißenseifen anregende Impulse für ihre Arbeit.

Weisenseifen. Schon von fern hört man das Klopfen des Hammers. Am Wegrand parken Autos mit Nummernschildern aus Hamburg, Berlin oder Krefeld. Hinten auf der Wiese stehen ein paar Zelte.
Für ein paar Sommerwochen herrscht rege Betriebsamkeit, wo sonst eher Ruhe angesagt ist. Dann wird der stille Wald von Weißenseifen oberhalb von Mürlenbach an der Kyll zum Treffpunkt von Kunstschaffenden, Kunstinteressierten und solchen, die in der Kunst so etwas wie eine zusätzliche Lebensoption suchen, um eingefahrene Gleise zu verlassen. Seit 1974 findet in der alten Künstlersiedlung von Weißenseifen jährlich das traditionelle Kunst-Symposion statt. Inzwischen veranstaltet der Förderkreis Symposion Weißenseifen das Treffen, das die Waldeinsamkeit oben in der Eifel zum "künstlerischen Lern- und Erlebnisort" macht.
Als Begegnungsort der Kunst hatte Albrecht Klauer-Simonis das Symposion gegründet. Sein Geist ist noch immer gegenwärtig. Wie düstere Wächter stehen die überlebensgroßen Steinfiguren des Bildhauers, Malers und Grafikers um den von Bäumen gesäumten Platz, auf dem die Teilnehmer des Symposions hämmern, meißeln, Ton formen oder zeichnen.
Über 100 Anmeldungen hat es diesmal gegeben, etliche davon aus Nordrhein-Westfalen. Die meisten Kursteilnehmer bleiben zwei Wochen. Und viele kommen wieder. "Unsere Veranstaltung ist inzwischen weithin bekannt", freut sich Christiane Hamann, Leiterin des Symposions. Mittlerweile habe sich sogar ein richtiges Netzwerk gebildet, durch das die Teilnehmer in Verbindung blieben. Mit neuen aktuellen Akzenten, aber doch im Geist ihres Mannes, will die Witwe von Klauer-Simonis das Symposion fortführen: dynamisch, spannend und ansteckend im kreativen Drang. Und natürlich als Crossover der Künste.
Neben Stein-und Holzbildhauerei sowie Tonplastik wird Grafik und Aquarellieren angeboten. Zudem gibt es eine Hör- und Klangwerkstatt. Ein Übriges tun der reizvolle Ort und seine einzigartige Atmosphäre. Die schätzt auch Christoph Steffen. Seit zehn Jahren kommt der Mathematiklehrer nach Weißenseifen. Eben ist er dabei, das schwergewichtige Nashorn auf die Seite zu legen, dessen Oberfläche er bearbeitet. Die steinerne Masse sei eine Herausforderung, sagt er begeistert. "Man kann sich mal richtig ausprobieren." Außerdem sei die körperliche Betätigung ein guter Ausgleich zur abstrakten mathematischen Welt.
Auch Miriam Houba, Dozentin für Aquarell und Zeichnen, fühlt sich inspiriert vom gemeinsamen Arbeiten: "Ich bin fasziniert, wie jeder Dozent neue Akzente setzt und Impulse gibt." Eine völlige Kehrtwende bedeutet Weißenseifen für Konstanze Blum. Die studierte Biologin, die früher in der Forschung arbeitete, ist inzwischen Künstlerin und Dozentin für Bildhauerei beim Symposion. Besondere Freude bereitet es ihr, die Teilnehmer zu eigenen Ansätzen zu bewegen, "mitzuhelfen, dass sie sich bewusst werden, was sie überhaupt wollen". Den Sinn des Symposions formuliert Christoph Steffen für sich so: "Ich will mehr Fülle im Leben haben." Das dürfte für alle gelten. er
An diesem Wochenende können Künstler und Werke im Wald von Weißenseifen besichtigt werden.