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Fest und flauschig: Olli Schulz wettert gegen Absage von Konzert in Trier

Im Podcast „Fest & flauschig“ : Olli Schulz wettert gegen Porta-hoch-3-Absage – „Es ist wirklich das Hinterletzte“

Die Absage des Trierer Musikfestivals stößt bei vielen Menschen auf Unverständnis. Auch Olli Schulz, der eigentlich ein Konzert hätte geben sollen, ist stinksauer. In seinem Podcast findet er klare Worte.

Es war ein Schock für Veranstalter und Zuschauer: Das Musikfestival Porta hoch drei wurde vergangenen Freitag abgesagt - trotz verschärftem Hygienekonzept und sinkenden Inzidenzzahlen. Einer der Künstler, der Mitte Juni hätten auftreten sollen, war Olli Schulz. Dem Singer-Songwriter und Moderator schmeckt die Absage ganz und gar nicht. Er wettert im Gemeinschafts-Podcast „Fest und Flauschig“ mit Satiriker Jan Böhmermann gegen die Entscheidung.

Die Absage

Die Aussichten waren gut, doch dann kam die 22. Corona-Bekämpfungsverordnung des Landes Rheinland-Pfalz und das eigentlich geplante Trierer Musikfestival Porta Hoch 3 wurde kurzfristig abgesagt. Vom 16. bis 20. Juni sollten verschiedene Künstler vor der Porta Nigra auftreten: Am 16. Juni Campino von den Toten Hosen, am 17. Olli Schulz, am 18. die Folk-Rockband Versengold und am 19. Unterhaltungskünstler Helge Schneider. Alle Konzerte sind für 500 Zuschauer ausgelegt (und zum Teil auch schon ausverkauft), doch laut der Verordnung sind nur 250 Menschen bei Freiluftveranstaltungen zulässig. Das Picknick-Konzert des Philharmonischen Orchesters Trier, das für den 20. Juni vorgesehen war, soll trotzdem stattfinden. Die genaue Umsetzung werde in den nächsten Wochen entschieden, erklärte TTM-Geschäftsführer Norbert Käthler.

Olli Schulz – Ein Mann mit vielen Talenten

Olli Schulz ist als Musiker, Schauspieler und Moderator unterwegs. Vielen Zuschauern ist er als Sidekick des Pro Sieben-Duos Joko und Klaas in deren Show „Circus Halligalli“ bekannt. Außerdem ist er Sänger und Gitarrist der Indie-Rock-Gruppe „Olli Schulz und der Hund Marie“. Im Jahr 2018 übernahm der Hamburger mit Künstler und Youtuber Fynn Kliemann das Haus von Gunter Gabriel, das zu einem kleinen Studio für Künstler umgebaut wurde. Auf Netflix erschien dazu im März 2021 die vierteilige Dokureihe „Das Hausboot“.

Der Podcast

Seit April 2016 moderiert Olli Schulz den Podcast „Fest und Flauschig“ mit Jan Böhmermann. Die Folgen gibt es jeden Sonntag ab 00.01 Uhr auf Spotify. Im Fokus steht der Dialog zwischen den beiden, kommentiert wird das aktuelle gesellschaftliche oder politische Geschehen. Einige Folgen beginnen mit einem individuellen Intro, so wie auch die aktuelle „Gefüllter Karpfen (Die schwierige Sendung)“ vom 6. Juni – dort wird auf holländisch gesungen. In Deutschland belegt der Podcast Platz 3 der Podcast-Charts.

Die Kritik

Der Podcast beginnt zunächst friedlich mit Smalltalk, bis Jan Böhmermann seinen Kollegen fragt, wie es ihm geht. „Bin wirklich schlecht gelaunt“, antwortet Schulz und spielt damit auf das abgesagte Musikfestival an. „Ich mach‘s kurz: Wir haben versucht die letzten anderthalb Jahre das Volk mit uns durch diese Pandemie zu schleifen, mit positiver Energie. Heute brechen aber bei mir alle Dämme: Mein Konzert am 17. Juni in Trier, ein Konzert, das für 500 Leute angesetzt wurde, ist abgesagt worden.“

Die Schuld sieht der Musiker bei der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer. „Der Bürgermeister hat es nicht abgesagt, sondern es war die gute alte Ministerpräsidentin Malu Dreyer, die ein Veto eingelegt hat. 250 Leute wären in Ordnung, aber 500, das wäre wirklich zu viel.“ Aus dem „Corona-Kommunikationsstab der Landesregierung  heißt es dazu: „Es gibt keine Einzelfallentscheidung der Ministerpräsidentin, sondern nur die allgemeinen Vorgaben der Landesverordnung, die überall in RLP Geltung beanspruchen.“

Böhmermann sucht im Anschluss nach einer Erklärung, die Olli Schulz abwinkt. „Verschon’ mich jetzt mit einem dummen Spruch hier. Ich bin genervt davon. Es ist wirklich das Hinterletzte. Man darf sich als Kulturschaffender jetzt nicht zu sehr aufregen. Die ganze Zeit wackelt und wedelt man mit den Armen, dass man irgendein…es ist Sommer, mein Gott, wirklich alles Mögliche ist machbar, diese Scheiß-Biergärten, jeder W... kann im Biergarten wieder seine Weißwurst essen, aber 500 Leute dürfen nicht auf einer Wiese sitzen und ein Konzert sehen, mein Gott.“

Dass das Open-Air-Konzert auf dem Vorplatz der Porta Nigra stattgefunden hätte, scheint dem Musiker allerdings nicht ganz klar zu sein, denn er führt weiter aus: „Ich hab mir sogar so ein scheiß Headset zugelegt, weil meine Idee ist, ich stehe da oben nicht auf der Bühne, wenn alle auf Picknick-Decken sitzen, ich laufe durch das Volk. So ein kleines Mikro, dann kann ich schön rumlaufen und die Leute begrüßen und Sachen von den Picknick-Körben klauen, aber es ist mir nicht vergönnt.“

Die Regelung, dass am Nürburgring vergangenes Wochenende 10 000 Menschen dem 24-Stunden-Rennnen zuschauen durften, konnte Schulz überhaupt nicht nachvollziehen. „Helge Schneider ist betroffen, viele Künstler sind betroffen, gleichzeitig läuft aber für 10.000 Leute dieses beschissene, Leck-mich-am-Arsch-Rennen irgendwo am Nürburgring. Und Bayern München darf auch wieder 14.000 Leute ins Stadion lassen.“ Zwar gönne er jedem seinen Volkssport, doch ein kleines Konzert abzusagen, wenn Veranstaltungen woanders in der Größenordnung möglich sind, das „ergibt einfach keinen Sinn“. Was Schulz jedoch nicht bedenkt: Modellprojekte (so wie der Nürburgring) sind Ausnahmen von dieser Regelung, um zu testen, ob und wie solche Veranstaltungen derzeit funktionieren können.

Für den 47-Jährigen wäre es das nächste Konzert gewesen. „Das zieht mich einfach jetzt gerade wirklich runter. Ich hab mich da sehr drauf gefreut, nach dem ersten Streaming-Konzert, was ich hatte, mit der Band wieder ein paar Konzerte zu spielen.“

Auch sein Kollege Helge Schneider lässt die Absage nicht kalt. In einem kurzen Musikvideo auf Facebook witzelt er: „Ich fühle mich persönlich angegriffen und werde Rheinland-Pfalz nie mehr betreten.“