Festival vor "Quantensprung"

Festival vor "Quantensprung"

PRÜM/BITBURG. Das Eifel Literatur Festival 2006 soll nach den Worten seines Initiators Josef Zierden noch größer werden als seine Vorgänger. Als Top-Autoren stehen bereits jetzt Daniel Kehlmann und Frank Schätzing unter Vertrag.

Wenn Josef Zierden betont, das Eifel Literatur Festival werde 2006 erstmals "eifelweit" über die Bühne gehen, muss eine ergänzende Nachricht unmittelbar bevorstehen. Und wenn Bitburg-Prüms Landrat und Eifel-Dachmarken-Guru Roger Graef, mit dem Zierden vor zwei Jahren wegen einer popeligen Saalmiete noch gewaltig aneinandergeraten war, fast gleichzeitig aber hinter vorgehaltener Hand von einer Fortsetzung der Zusammenarbeit spricht, muss ein sensationeller Kompromiss auf dem Tisch liegen. Vor wenigen Monaten wäre man für eine solche Meldung wegen unseriöser Recherche jedenfalls noch geteert und gefedert worden. Derweil halten sich Graef und Zierden, die nach zunächst zähen Verhandlungen nun doch ein neues Kapitel ihrer literarischen Zweckehe aufschlagen möchten, mit Details zurück. Dass sie niemals einen gemeinsamen Liebesroman schreiben werden, scheint indes sicher; trotzdem darf munter spekuliert werden, was zwischen Wahlkampf I und Wahlkampf II ebenso plötzlich wie unerwartet für harmonische Inhaltsschwere und übereinstimmendes Versmaß sorgte. Demnach scheint sicher, dass Graef die "Abteilung Kultur" ebenso unter dem Label der Dachmarke Eifel positionieren möchte wie Wirtschaft, Wurst und Wandern. Dem Vernehmen nach soll die Sparte "Kultur" nicht nur das Eifel Literatur Festival beinhalten, sondern ebenso die Mozart-Festwochen und den Tatort Eifel. Während sich Roger Graef, der weiter unermüdlich an seinem Eifel-Lebenswerk strickt, noch gänzlich bedeckt hält, gibt sich auch Josef Zierden fast bis zur Halskrause zugeknöpft, spricht aber dennoch von einem "Quantensprung". Die ersten Meter dazu ermöglichte, so viel ist sicher, die frühere SPD-Bundestagsabgeordnete Elke Leonhard, die im Zuge des Kultursommers Rheinland-Pfalz 30 000 Euro bei den Kollegen in Mainz locker machte. Dass der Transport dieser Nachricht kurz vor der Bundestagswahl dem Bitburger CDU-Landrat nicht wirklich ins Konzept passte, hat sich inzwischen herumgesprochen. Gleichwohl soll es inzwischen weitere und zwar ausgesprochen potente Sponsoren sowie einen Deal geben, wonach das Literatur-Büro Eifel zum eingetragenen Verein avanciert ist und als Träger des Eifel Literatur Festivals dient. Vorsitzender des Vereins ist - völlig überraschend - Josef Zierden. Kehlmann und Schätzing kommen

Festival-Erfinder Zierden sieht die Sache derweil ohnehin pragmatisch: "Ich stehe für politische Neutralität. Ich kann mit Leonhard reden, ohne rot zu werden, und mit Graef, ohne schwarz zu sein." Im Übrigen sieht Zierden die Abläufe mit diplomatischem Charme: "Gut, dass man die politischen Ströme bündeln kann", betont der Festival-Chef, der lieber über das Programm 2006 spricht. Zwar gibt er sich auch hier ungewohnt einsilbig, gleichwohl kündigt er mit Daniel Kehlmann ("Die Vermessung der Welt") und Frank Schätzing ("Der Schwarm") zwei absolute Kracher an. Mit im Festival-Boot befinden wird sich auch in diesem Jahr Elke Heidenreich, die am 5. Mai in Prüm lesen wird. Mehr wird nicht verraten, nur so viel, dass Spitzenautoren aus Frankreich, Österreich, Schweden und den Niederlanden mit von der Partie sein werden ebenso wie Auslandskorrespondenten und Schauspielerinnen. Einige von ihnen werden auch in den Kreisen Bernkastel-Wittlich und Daun ihre Aufwartung machen, außerdem im nordrhein-westfälischen Teil des robusten Landstrichs - eifelweit eben.

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