Festliche Kammermusik voller Energie und Ideenreichtum

Trier · Mit dem Dover Quartet hatte sich die Kammermusikalische Vereinigung Trier einen neuen Stern am Himmel der Streichquartette ins Haus geholt. Das Publikum im vollbesetzten Saal des Kurfürstlichen Palais erlebte einen Abend voller Glanz und Frische.

Trier. Wenn es am schönsten ist, soll man bekanntlich gehen. Im Kurfürstlichen Palais musste man aufbrechen, weil das Konzert zu Ende war. Dabei hätte man am liebsten mit den Zuhörern nicht nur "Bravo" gerufen, sondern "Da Capo" (noch mal von vorn) - am besten gleich mit Beethoven.
Mit dem musikalischen Olympier beendete das Dover Quartet seinen Trierer Auftritt. Als Zugabe spielten die jungen Musiker aus Amerika das Finale seines Streichquartetts Nr. 3 op. 59. Und da wurde schlagartig klar, warum die vier Mitzwanziger in der gleichermaßen musikliebenden wie anspruchsvollen amerikanischen Musikszene derzeit das angesagteste junge Streichquartett sind.
Es erübrigt sich, von technischer Qualität zu reden. Derartige Hochleistung ist auch anderswo zu finden. Was die vier Streicher so mitreißend macht, sind ihr musikalischer Ideenreichtum, ihre Dynamik, ihr Gefühl für Klang, ihre Energie, sogar ihre Widerspenstigkeit. Streitbar, spannend und leidenschaftlich erklang ihre Beethoven-Zugabe, dabei mit feinstem Gefühl für Melodienlinien.
Zur Hochform lief Joel Link, der erste Geiger, mit seinem wunderbar eleganten und vielfarbigen Geigenton auf. Nicht, dass vorher nichts gewesen wäre. Mit Joseph Haydns geistreichem Streichquartett G-Dur op. 76 Nr. 1, dem ersten der Erdödy Quartette, standen von Anfang an Ideenreichtum und Aufbruch auf dem Programm. Forsch eröffneten die Musiker das Spiel. Einen selbstwussten, ungeheuer einfallsreichen Haydn präsentierte das Ensemble. Ein "Best Ager" der Wiener Klassik, der mit seinen 65 Jahren reif und erfahren im Kontrapunkt wie der Satztechnik war und doch jederzeit bereit, dem bewährten Regelwerk ein Schnippchen zu schlagen. Kein Wunder, dass Joel Links Geige da schon mal davonspurtete.
Herrlich hörbar machte das Quartett die engen Zusammenhänge zwischen Haydn, Beethoven und Mozart. Wunderschön: der zweite Satz mit seinem feierlichen Ernst, der sich in musikalisches Rasen verkehrt, und der berührende Dialog zwischen Geige und Cello.
Düsternis und Glanz


Noch einmal fassten zum Ende das witzige Menuett und das Finale in Musik zusammen, was nicht nur Haydns Welt- und Lebenserfahrung ausgemacht haben dürfte: die Düsternis und den Glanz des Tages sowie die feine ironische Brechung beim Blick darauf.
Das weite Land der Erinnerung, dessen Stille dennoch voller verwirrender, zuweilen gespenstischer Stimmen ist, erschlossen die Musiker in feinster Lautmalerei in Kaija Saariahos Werk für Streicher "Terra Memoria", das die Finnin zum 80.Geburtstag der Schauspielerin Betty Freeman schrieb.
Zum Schluss: Anton Dvoráks Streichquartett C-Dur op. 61. Trotz großen Engagements blieb die lange Komposition gerade im zweiten Satz spannungsarm. Zudem litt die Balance unter Links dominierender Geige. Sehr schön: Milena Pajaro-van de Stadts geschmeidige Bratsche und Camden Shaws wandlungsfähiges Cello. er

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