Feuertaufe mit Figaro

Feuertaufe mit Figaro

Wenn sich am Samstag zum Saisonstart des Trierer Musiktheaters der Vorhang für die "Hochzeit des Figaro" öffnet, darf sich das Trierer Publikum auf zwei neue Gesichter im Ensemble freuen. Alexander Trauth und Francis Bouyer singen das Gegenspieler-Paar Figaro und Graf Almaviva.

Trier. Mag es mit der Sanierung des Trierer Theater-Gebäudes auch nur mühsam vorangehen: im Ensemble läuft die Runderneuerung auf vollen Touren. Gleich zwei neue, junge Baritone haben Intendant Gerhard Weber und GMD Victor Puhl an die Mosel geholt - und ihnen sofort die Schlüsselrollen in der Saisoneröffnungs-Premiere anvertraut.

Die Biografien der beiden Neuen könnten kaum unterschiedlicher sein. Francis Bouyer kommt aus Frankreich und hat bislang im diplomatischen Dienst seines Heimatlandes gearbeitet. Von der Botschaft in Washington über die Karibik bis zur EU-Kommission nach Brüssel führte ihn seine Beamtenlaufbahn. Jetzt, mit 34, wagt er den Sprung ans Theater, um seinen Lebenstraum vom Sänger-Beruf zu verwirklichen.

Das bekanntermaßen schmale Salär für Theater-Künstler konnte ihn nicht abschrecken. Geld könne ja wohl "nicht das sein, was im Leben am wichtigsten ist". Zudem, so verrät er in exzellentem, klangvollen Deutsch, habe er im Staatsdienst "ein bisschen was beiseite gelegt" und in Trier lebe man "jedenfalls billiger als in Paris".

Auch auf der Bühne wirkt Bouyer, jedenfalls auf den ersten Blick, wie ein geborener Diplomat. Elegant, mit perfekter Haltungsnote und einem Hauch jener Eigenschaft, die man hierzulande bewundernd "nonchalant" nennt. Schon sein kleiner Auftritt als Graf beim Theaterfest ließ den weiblichen Teil des Publikums spürbar etwas genauer hinschauen - und da wussten die Zuschauerinnen nicht mal, dass er ledig ist.

Bouyer kontrastiert ideal mit dem Figaro von Alexander Trauth. Ein "Hoppla-jetzt-komm-ich"-Typ, wuchtig, mit umwerfendem Selbstbewusstsein und dem einnehmenden Charme eines Naturburschen. Und fast scheint es, als stimmten Rolle und Darsteller durchaus ein Stück weit überein.

Trauth stammt aus Brandenburg, klingt in der Sprachfärbung sympathisch-berlinerisch, und man muss ihm im Gespräch die Informationen nicht aus der Nase ziehen. Gesangs-Studium in Weimar, Berlin, Mainz, Engagements in Heidelberg und Radebeul, jede Menge Rollen-Erfahrung von "Hoffmanns Erzählungen" über "Freischütz" bis zur "Götterdämmerung" - ganz schön viel für einen 35-Jährigen. Als "typisch preußisch" stuft Trauth seine Eigenschaften ein: "Selbstvertrauen, Disziplin, Durchsetzungsvermögen". Die Region zwischen Saar und Mosel ist ihm nicht fremd, stammt doch seine Frau aus dem Saarland. Aber die spielt derzeit am anderen Ende der Republik, in Cottbus, im Orchester. Künstlerschicksal.

Dass es gerade die beiden Paraderollen im "Figaro" sind, mit denen sie sich ihrem neuen Publikum präsentieren, freut Trauth und Bouyer gleichermaßen. Und dass die Inszenierung von Benedikt Borrmann optisch sehr konventionell daherkommt, macht auch mal Spaß, wenn man sonst eher Oper in aktueller oder zeitloser Straßenkleidung spielt.

Man habe mit dem Regisseur, der zum ersten Mal in Trier inszeniert, über die Anlage der Rollen "am Anfang viel diskutiert", erzählt Bouyer. Das Konzept, weniger auf das Herausarbeiten gesellschaftlicher Konflikte als auf die Liebesbeziehungen zu setzen, habe die Sänger überzeugt.

Jetzt sind noch ein paar Tage Hochspannung bei den Schlussproben angesagt. Und am Samstag wird das Trierer Publikum dann bei der Premiere live miterleben können, was man sich in den nächsten Jahren von den beiden Trier-Debütanten noch erwarten darf.

"Le Nozze di Figaro" von Wolfgang Amadeus Mozart, Aufführung in Italienisch mit deutschen Übertiteln. Premiere am 26. September, nächste Vorstellungen am 29. September, 2., 4., 11.,17., 31. Oktober. Dirigent: Victor Puhl, Regie: Benedikt Borrmann, Bühnenbild: Anna Kirschstein, Kostüme: Carola Vollath. In weiteren Hauptrollen: Estelle Kruger (Gräfin), Evelyn Czesla (Susanna), Eva Maria Günschmann (Cherubino).

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