Film ab - Die Kinokolumne: "Asterix im Land der Götter"

Film ab - Die Kinokolumne: "Asterix im Land der Götter"

René Goscinnys großes Talent war es, seinen Comics einen gesellschaftskritischen Unterton zu verleihen, der die Bilderwelten nicht nur für Kinder amüsant machte. Das wohl bekannteste Beispiel ist "Asterix", den Goscinny gemeinsam mit Zeichner Albert Uderzo schuf.

Nach seinem frühen Tod 1977 wurde Goscinnys Humor in den nunmehr von Uderzo allein verantworteten Geschichten schmerzlich vermisst. Mit "Asterix im Land der Götter" kommt jetzt ein Animationsfilm in die Kinos, der dem Geist des Originals sehr nahekommt. Julius Cäsar hat einen Plan. Nachdem es ihm nicht gelungen ist, das sture Gallierdorf militärisch zu besiegen, will er sie nun korrumpieren. Römische Lebensart soll den Willen der unbeugsamen Gallier doch noch brechen. Mittels seines Architekten Quadratus lässt der Imperator eine Luxuswohnanlage für vergnügungssüchtige Hauptstädter direkt vor den Toren des kleinen Dorfes errichten, das Asterix, Obelix und Idefix ihr Zuhause nennen. Erfahrenen Lesern kommt die Geschichte bekannt vor. In Deutschland erschien der Comic, der im Original "Le domaine des dieux" heißt, 1974 unter dem Titel "Die Trabantenstadt". Drehbuchautor und Ko-Regisseur Alexandre Astier bleibt nah an der Vorlage, erweitert diese aber um zwei Handlungsstränge, um auf die nötige Filmlänge zu kommen. Für Fans der klassischen Zeichnungen ist das 3-D zunächst etwas gewöhnungsbedürftig. Nach einer Weile entwickeln die Figuren in ihrer neu gewonnenen Plastizität und mit den daraus entstehenden Knubbelnasen jedoch ihren ganz eigenen Charme. Auch bei den Wildschweinjagden im gallischen Wald kommt der 3-D-Effekt positiv zum Tragen. Subtext gibt es genug, wie schon in der Vorlage: Goscinny nahm einmal mehr die Gewerkschaften und das Großbürgertum auf die Schippe. "Asterix im Land der Götter" passt diese Themen behutsam der Gegenwart an und erweitert sie um die Angst vor Überfremdung und Gentrifizierung. Dekadente Touristen bekommen darin ebenso amüsant ihr Fett weg wie die chauvinistischen Hinterwäldler um Asterix & Co. Falk Straub

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