Film ab - Die Kinokolumne "Shaun das Schaf"

Tagein, tagaus dasselbe. Wenn der Hahn kräht, geht\'s ab auf die Weide.

Ist die weiße Haarpracht lang genug, legt der Bauer die Schere an. Routiniert, aber auch irgendwie langweilig. Kein Wunder, dass das Schaf Shaun von mehr Abwechslung träumt. Gemeinsam mit seiner Herde beschließt es, sich eine Auszeit zu gönnen. Doch Shauns Plan geht gehörig daneben. Und so landet der Bauer anstatt im Wohnwagen auf dem Hof versehentlich in der großen Stadt. Durch einen Schlag auf den Kopf verliert er sein Gedächtnis und heuert in einem Friseursalon an. Mit dem Scheren kennt sich der Bauer ja aus. Unverhofft kommen die Schafe und Hund Bitzer so doch noch zu ihrer Auszeit, um bei einem Ausflug in die große Stadt ihren Besitzer zu retten. Dieser Paarhufer ist ein alter Hase im Filmgeschäft. Bereits vor 20 Jahren gab Shaun sein Debüt. 1995 war die Knetfigur an der Seite von Wallace und Gromit in Nick Parks animiertem Kurzfilm "Unter Schafen" zu sehen. Park erhielt dafür einen Oscar, Shaun musste weitere zwölf Jahre auf seinen Durchbruch warten. Seit 2007 hat das kleine Knetschaf eine eigene Fernsehserie, die in 170 Ländern ausgestrahlt wird. Jetzt folgte der Sprung auf die große Leinwand. Wie schon in den kurzen Fernsehepisoden fällt auch in der abendfüllenden Kinoversion kein einziges Wort - zumindest kein verständliches. Von den Menschen ist nur Gegrummel zu vernehmen. Das funktioniert dennoch wunderbar, da sich die Regisseure Mark Burton und Richard Starzak einer Bildsprache bedienen, die simpel, aber genial mit Gestik und Mimik, mit visuellen Analogien und Anspielungen arbeitet. Etwa, wenn die Schafe über einen Weidezaun springen, um den Bauern müde zu machen: Schäfchenzählen in Echtzeit. "Shaun das Schaf - Der Film" ist nicht nur universell verständlich, sondern ein liebevoll ausgeklügelter Spaß, der in seinem Slapstick an die Stummfilme von Charlie Chaplin bis Buster Keaton erinnert. Falk Straub Der Film läuft ab heute in Trier, Daun und Bitburg.