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Film Ab - Die Kinokolumne: "The best Offer"

 Vom Betrüger zum Betrogenen: Der Kunstauktionator Virgil Oldman (Geoffrey Rush) Foto: Warner Bros.
Vom Betrüger zum Betrogenen: Der Kunstauktionator Virgil Oldman (Geoffrey Rush) Foto: Warner Bros.
Film Ab. Giuseppe Tornatore trägt eine schwere Bürde - die Bürde des frühen Erfolgs. Nach ersten Gehversuchen im Fernsehen lieferte der Italiener bereits mit seinem zweiten Spielfilm sein Opus magnum ab, an dem sich jedes folgende Werk zwangsläufig messen lassen muss. Falk Straub

Als Tornatore 1990 für "Cinema Paradiso" einen Oscar erhält, steht er kurz vor seinem 33. Geburtstag. Bereits ein Jahr zuvor gewann der Film in Cannes den Großen Preis der Jury. Seither hat der Regisseur und Drehbuchautor mit internationalen Stars wie Gérard Depardieu, Roman Polanski, Monica Bellucci oder Tim Roth gedreht, an die Klasse seiner einfühlsamen Betrachtung des italienischen Kinos reicht jedoch kein weiterer Streifen heran - nostalgisch, melancholisch und schön anzuschauen sind sie jedoch alle. Diesen Elementen bleibt der Tornatore auch in seinem jüngsten Film treu. "The Best Offer" erzählt die Geschichte des erfolgreichen, äußerst neurotischen Kunstauktionators Virgil Oldman (Geoffrey Rush), der mit Hilfe eines Strohmanns (Donald Sutherland) als wertlose Gemälde getarnte, in Wahrheit jedoch sündhaft teure Frauenporträts zu einem Spottpreis ersteigert. Als Virgil die Kunstsammlung der mysteriösen Erbin Claire (Sylvia Hoeks) an den Mann bringen soll, wird der gewiefte Betrüger schließlich selbst zum Betrogenen. Den recht simpel gestrickten Plot mit seinem vorhersehbaren Ende verpackt Tornatore in Hochglanzaufnahmen durchkomponierter Einstellungen in ansehnlichen Sets. Als Schleife obendrauf schmückt er das Ganze mit der Musik von Altmeister Ennio Morricone. "The Best Offer" ist ein Thriller über das Erzählen mit der Kamera, über das Offenbaren und Verbergen, über Voyeurismus und Exhibitionismus - letztendlich über Tornatores Verhältnis zum Zuschauer selbst. Dabei zeigt uns der Italiener zwar nichts Neues, bietet mit einem grandios aufgelegten Hauptdarsteller jedoch zwei Stunden abwechslungsreiche Unterhaltung. Falk Straub Der Film läuft im Kino Broadway in Trier.