Film Ab - die Kinokolumne: "To Rome with Love”

Jahrzehntelang trauten sich Woody Allens Neurotiker, egal ob sie Isaac Davis ("Manhattan") oder Mickey Sachs ("Hannah und ihre Schwestern") hießen, nicht aus ihrem geliebten New York heraus. Taten sie es in Person eines Alvy Singer ganz am Ende von "Der Stadtneurotiker" doch einmal, endete der Ausflug gleich im Chaos.

 Unruheständler: Woody Allen als Opernregisseur Jerry in seinem jüngsten Streich. Foto: Tobis Film

Unruheständler: Woody Allen als Opernregisseur Jerry in seinem jüngsten Streich. Foto: Tobis Film

Seit 2005 zeichnet sich eine Wende ab. Lediglich einer seiner letzten acht Filme spielte in der Metropole am Hudson. Nach Stationen in London, Barcelona und Paris ist Woody Allen in seiner jüngsten Regiearbeit nun in der Ewigen Stadt angekommen. Lose an Giovanni Boccaccios "Dekameron" angelehnt, erzählt "To Rome with Love" in vier alternierenden Episoden die Träume und (Liebes-)Irrungen und Wirrungen seiner Protagonisten. Da ist der Durchschnittsbürger Leopoldo (Roberto Benigni), der mit den Banalitäten seines Alltags über Nacht zum gefragten Medienstar wird. Da ist der Architekturstudent Jack (Jesse Eisenberg), dessen Beziehung durch den Besuch einer Freundin (Ellen Page) auf der Kippe steht. Da verliert sich das junge Ehepaar Antonio (Alessandro Tiberi) und Milly (Alessandra Mastronardi) in den Straßen Roms aus den Augen, verstrickt sich in amouröse Abenteuer, um am Ende wieder zusammenzufinden. Und da ist Jerry (Woody Allen), ein Opernregisseur, der sich mit seinem Ruhestand nicht abfinden will und im Bestatter Giancarlo (Fabio Armiliato) den kommenden Stern am Opernhimmel sieht. Dumm nur, dass Giancarlo nur unter der Dusche singt. Mit einer lange vermissten Leichtigkeit setzt Allen seinen Reigen in Szene. Bereits zu Beginn tanzt die Kamera im Kreis. So hätte sich der Zuschauer Allens misslungene "Sommernachts-Sexkomödie" vor 30 Jahren gewünscht. Allens Witz macht auch dieses Mal nicht vor Autoritäten halt. Mit viel Ironie nimmt der Regisseur und Drehbuchautor Pseudointellektuelle, Gläubige und Atheisten, ehrbare Geschäftsleute, den Kulturbetrieb und die Massenmedien auf die Schippe. Einzig mit der Liebe bleibt der 76-Jährige versöhnlich - auch wenn oder gerade weil sie bei ihm mit einem Augenzwinkern stets die gängige Moral unterläuft. Falk Straub Der Film läuft bislang nur im Broadway in Trier. Diese und weitere TV-Kolumnen finden Sie im Internet auf volksfreund.de/kolumne

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