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Film-Kritik "The Lost City": Lohnt sich ein Kinobesuch?

Film-Kritik : "The Lost City" - Abenteuer mit Gesichtsmasken im Dschungel, Hirn im Mund und Brad Pitt als heimlichem Star

Große Vorfreude: Endlich erwartet uns ein Abenteuer à la Indiana Jones. Dazu spielen Sandra Bullock, Channing Tatum, Daniel Radcliffe und Brad Pitt mit. Die Vorschau verspricht Geheimnisse, Witz, Spannung und Romantik. Ob sich ein Kinobesuch lohnt? Hier ist die Filmkritik.

Die Outfits, das Setting (hier ein Wasserfall, da ein sattgrüner Dschungel), die vielen Schlangen; nicht zuletzt natürlich auch der Film-Titel von „The Lost City“: All das erinnert an eine der erfolgreichsten Actionfilmreihen überhaupt: Indiana Jones. Der Knaller dabei, der Film ist gespickt mit Stars wie Sandra Bullock (Ocean's 8), Channing Tatum (Magic Mike), Daniel Radcliffe (Harry Potter) und Brad Pitt (Inglourious Basterds). Was für eine Kombi, kann eigentlich nichts schiefgehen oder?

„The Lost City“: Schmachtroman-Autorin wird von schrägem Millionär entführt

Bullock spielt die Autorin Loretta Sage, die schnulzige aber erfolgreiche Abenteuerromane schreibt. Held ihrer Geschichten ist das attraktive Model Alan (Channing Tatum) – der auch im echten Leben sein Dasein der Verkörperung der Hauptfigur Dash gewidmet hat. Macht Euch auf seinen Auftritt mit blonder Wallemähne gefasst. Ob das einfach nur schlimm oder urkomisch ist, dürft Ihr selbst entscheiden. Leider haben wir uns im Verlauf des Films öfter gefragt, warum der Charakter des durchaus sympathischen, beherzten Alan so dümmlich und übertrieben angelegt ist.

Loretta jedenfalls scheint nach dem Tod ihres Mannes, der Archäologe war, nicht nur etwas schwermütig, sondern auch unkreativ zu sein. Bis plötzlich die Grenzen zwischen Erfundenem und Realität immer mehr verschwimmen. Das ist der Auftritt von Bösewicht und Milliardär Abigail Fairfax alias Daniel Radcliffe. Als Loretta nämlich unterwegs ist, um ihr neues Schmacht-Buch mit Alan zu promoten (ein absolutes Desaster), wird sie von dem schrägen Milliardär entführt, den sie zum Schatz der verlorenen Stadt aus ihrem letzten Buch führen soll. Radcliffe mimt den egomanen Fairfax im Rahmen der Rolle durchaus überzeugend. Gefühlt durfte er den Bösewicht nicht richtig ausspielen. Deshalb fällt das Urteil für ihn so aus: Ganz nett.

Meditationslehrer und Elitesoldat: Brad Pitt ist das Highlight im Film

Bis hierhin haben sich also bereits die Genres Komödie, Entführungskrimi und Abenteuerfilm gekreuzt. Wer sich jetzt fragt, was noch fehlt? Natürlich die Liebe. Und die will Loretta in Form von Alan zu Hilfe kommen, der die Entführung beobachtet hat. Alan will unter Beweis stellen, dass er auch im realen Leben ein Held sein kann, ist er doch heimlich in die Autorin verschossen. Hilfe holt er sich von seinem Meditationslehrer (!) und erfahrenen Elitesoldaten (!) Jack Trainer (Brad Pitt). Achtung, Spoiler: Pitt springt in die Handlung, so schnell, wie er sie wieder verlässt. Der großartige und einzig wirklich witzige Charakter hallt noch lange nach, denn Trainer ist definitiv das Highlight des Streifens. Völlig unerwartet. Urkomisch. Verdammt cool und ganz schön muskelbepackt.

Das ziemlich ungleiche Paar Loretta-Alan findet sich jedenfalls schnell in einem ziemlich real anmutenden Dschungel wieder, in dem die eine oder andere Herausforderung auf sie wartet. Bullock brilliert im wahrsten Sinne des Wortes im pink-lila Glitzer-Catsuit. In Stöckelstiefeln erklimmt sie steile Felsen, während Tatum Gesichtsmasken in seinem Survival-Rucksack dabei hat und allergisch gegen Wasser ist. Achtung, Spoiler: Wir bekommen Tatum nackt zu sehen („Blutegel-Szene“), Bullock erblickt die Vorderansicht sogar in Nahaufnahme.

 Sandra Bullock als Loretta Sage und Channing Tatum als Alan in einer Szene des Films "The lost City - Das Geheimnis der verlorenen Stadt"
Sandra Bullock als Loretta Sage und Channing Tatum als Alan in einer Szene des Films "The lost City - Das Geheimnis der verlorenen Stadt" Foto: dpa/Kimberley French

Wirklich fesselnd und schön gemacht sind die Abenteuer-Schatzsuche-Szenen, in denen fantastische Wasserfälle, feuerspeiende Vulkane und mystische Felshieroglyphen zu sehen sind. Doch vieles ist austauschbar. Dem Abenteuer fehlt die Einzigartigkeit. Der Funke kann einfach nicht so ganz überspringen.

Inszeniert wurde das beinah zweistündige Spektakel von den Brüdern Aaron Nee und Adam Nee («Band of Robbers»). Die Story stammt aus der Feder von Seth Gordon («Kill the Boss»).

Für Sommer 2023 übrigens ist die Lancierung eines fünften «Indiana Jones»-Films geplant. Natürlich mit: Harrison Ford. Wir fordern einen eigenen Film für Brad Pitt als Jack Trainer. Das hätte Potential zum Blockbuster.

Starbesetzung: Sandra Bullock, Channing Tatum, Daniel Radcliffe und Brad Pitt

Fazit: Abenteuer, Liebesfilm, Komödie, Entführungskrimi - ja, was denn nun? Lost City hätte die Entscheidung für eine Mischung aus höchstens zwei Genres gutgetan. So ist das leider nichts Halbes und nichts Ganzes. Natürlich geht Humor in der Übersetzung verloren. Doch die Überzeichnung der Figuren, besonders Alan, sorgte bei uns jedenfalls öfter für Unverständnis. Ganz nett, aber in wenigen Tagen vergessen, ist deshalb das Urteil über den Streifen mit absoluter Starbesetzung. Das Ende des Films spricht auch nicht für eine Fortsetzung, und das ist okay so.

Psssst!: Bleibt unbedingt beim Abspann noch sitzen und rennt nicht gleich aus dem Kino. Da kommt noch eine kleine Überraschung. …Denn auch mit weniger Hirn geht das Leben weiter ;-)