Film-Theater in Trier

Film-Theater in Trier

TRIER. (DiL) Oper, Ballett oder Konzerte vermutet man im Theater, aber keineswegs im Kino. Mit der Reihe "Klassik im Kino" soll sich das bundesweit in 30 Filmtheatern ändern. Das Trierer "Broadway" gehört zur kleinen, aber feinen Riege, die ein anspruchsvolles Angebot mit technischen Innovationen verbinden.

Der Anblick ist noch etwas ungewohnt, auch für Broadway-Chef Dirk Ziesenhenne. Die neue Film-Abspielmaschine rattert nicht, braucht keine Rollen und riecht nicht nach Zelluloid. Im kleinen, lärmigen Vorführraum stehen vor der Projektionsscheibe zum Kinosaal 3 nur ein Computer-Display und ein digitaler Abspielturm. "Schon ein komisches Gefühl", sagt der Kino-Mann. "Aber das ist wohl die Zukunft." Als eines von zwei Kinos in Rheinland-Pfalz nutzt das Broadway die digitalen Möglichkeiten, um das Repertoire zu erweitern, zum Beispiel um die Reihe "Klassik im Kino". Ein Berliner Unternehmen digitalisiert hochkarätige Opern- und Ballettverfilmungen und bringt sie bundesweit in 30 Kinos heraus. Ein Aufwand, der mit traditionellen Film-Kopien nicht zu finanzieren wäre. Auch die EU unterstützt das Projekt. So hat das experimentierfreudige Broadway im Januar eine Reihe von Mozart-Opern aufgeführt, jeweils in einer Matinee am späten Sonntagvormittag. Dirk Ziesenhenne war erstaunt über die Begeisterung der wenigen Fans, die sich angesichts der zurückhaltenden Werbung einfanden. Nun startet man durch, ab März jeweils am ersten Sonntag im Monat, um 11.30 Uhr. Das Ballett "Giselle" mit der legendären Carla Fracci macht am 5. März den Auftakt, gefolgt von den Bayreuther "Meistersingern" am 2. April, Karajans berühmter "Bohème" aus den 60er-Jahren (7. Mai) und Ponelles unvergesslichem "Rigoletto" mit Pavarotti und Gruberova (4. Juni). Im Juli ist dann "Ring"-Zeit: An vier Sonntagen in Folge wird der "Jahrhundert-Ring" zu sehen sein, den Pierre Boulez und Patrice Chereau Ende der 70er-Jahre in Bayreuth auf die Bühne brachten. Das Programm für die zweite Jahreshälfte steht noch nicht fest. Die Vorführung auf der Großleinwand hat uneingeschränkte Kino-Qualität, der Ton ist gründlich nachbearbeitet und auf ein Niveau gebracht worden, das sich auf der Heim-Anlage schwerlich herstellen lässt. Das Erlebnis ist durchaus imposant, zumal das Broadway bei längeren Aufführungen zwischendurch mit Kaffee und Pausensnacks aufwartet.Inszenierungen: Stargespickt und traditionell

Die Berliner Edition Salzgeber, die das Programm in Kooperation mit Premiere Classica und der Deutschen Grammophon zusammengestellt hat, setzt - nicht unclever - auf ein potenzielles Publikum, das eher nostalgischen Gefühlen nachhängt. Die ausgewählten Inszenierungen sind, vom Ring abgesehen, meist traditionalistisch und stargespickt. "Die Leute sind froh, auch mal wieder so was zu sehen", hat Ziesenhenne bemerkt. Das Zielpublikum ist breit gestreut, Ziesenhenne will Familien ansprechen. Deshalb läuft vorgeschaltet am Fastnachtssonntag, 26. Februar, um 11.30 Uhr der Konzertfilm "Peter und der Wolf", eingespielt vom Orchester der Deutschen Oper Berlin, mit Loriot als Erzähler. Als Zugabe wird Poulencs "Geschichte von Babar, dem kleinen Elefanten" gezeigt. Der Broadway-Chef setzt darauf, dass sich das neue Angebot herumspricht, ahnt aber auch, "dass wir ein bisschen Stehvermögen brauchen werden".