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Flagge zeigen für neue Stücke

Flagge zeigen für neue Stücke

Mit einem groß angelegten Theater-Festival im Mai 2008 sollen zeitgenössische Autoren zum ersten Mal in Trier ein breites Forum erhalten. Für das außergewöhnliche Projekt haben sich Universität, Fachhochschule und Theater zusammengetan.

Trier. Was andernorts längst gängige Praxis ist, soll nun auch an der Mosel etabliert werden: Ein Festival, in dem gebündelt Arbeiten zeitgenössischer, meist junger Autoren vorgestellt werden. Szenische Lesungen bei einer "Autoren-Odyssee" in der Stadt, hochkarätige Gastspiele, ambitionierte Eigenproduktionen und eine wissenschaftliche Tagung rücken Trier fünf Tage in den Mittelpunkt der Theater-Welt. "Maximierung Mensch" heißt das Programm, das dem einheimischen Publikum einen Einblick in aktuelle Tendenzen des Theaters verschafft. "Der Mensch in Extremsituationen, das ist, was wir zeigen wollen", sagt Chefdramaturg Peter Oppermann. Man wolle "Schwellenängste vor zeitgenössischen Texten abbauen". Intendant Gerhard Weber stößt ins gleiche Horn: "Wir zeigen Flagge für die neue deutschsprachige Dramatik".Dabei wollen Theater, Uni und FH "raus aus dem Glaskasten". Deshalb gibt es gleich zum Auftakt am 27. Mai die "Odyssee". Ausschnitte aus neuen Stücken werden in kleinen Szenen an Orten mitten in der Stadt gespielt. Geschäfte, Betriebe, Kneipen, Parkhäuser: Alle Spielstätten sind möglich. "Wir warten nur darauf, dass sich Interessenten melden", betont Gerhard Weber. Gleich drei hochkarätige, in ganz Theater-Deutschland diskutierte Produktionen anderer Häuser geben ihre Visitenkarte im Theater ab. Aus Hannover kommt Anja Hillings "Schwarzes Tier Traurigkeit" (28. Mai), das Theater Freiburg schickt Elfriede Jelineks "Ulrike Maria Stuart" (29. Mai), das Schauspiel Dortmund stellt "Kam ein Mann zur Welt" von Martin Heckmanns zur Diskussion (31. Mai). Parallel treffen sich prominente Theatermacher und -wissenschaftler am 30. und 31. Mai zu einer öffentlichen "wissenschaftlichen Konferenz" der Uni im Theater-Foyer, um "Ökonominierungsprozesse im postdramatischen Gegenwartstheater" zu untersuchen. Die FH ist maßgeblich beteiligt an der Produktion des Stückes "Festung Europa" des Belgiers Tom Lanoye, das mit dem Bahn-Ausbesserungswerk der Öffentlichkeit einen außergewöhnlichen Spielort zugänglich macht. Zum "Festival-Treffpunkt" soll das "Forum" in der Hindenburgstraße werden. Dass Theater und Wissenschaft derart intensiv und innovativkooperieren, hat das Mainzer Bildungsministerium offenbar beeindruckt: Es macht stolze 100 000 Euro Fördermittel locker.