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Flamenco-Tänzerin Sabrina Le Guen begeistert das Publikum in der Tufa Trier

Flamenco-Tänzerin Sabrina Le Guen begeistert das Publikum in der Tufa Trier

Mit Standing ovations und minutenlangem Applaus feierte in der Trierer Tufa ein begeistertes Publikum die Flamenco-Performance "Semblanzas"(Einblicke) der spanischen Tänzerin Sabrina Le Guen und ihrer Kompanie.

Trier. Ein rotes Kleid umflammt die schmale Gestalt. Vorsichtig, fast zärtlich berühren ihre Füße den Boden, dann werden die Bewegungen schneller. Die knallenden Absätze hämmern unbarmherzig auf den Boden. Der Körper der Frau im roten Kleid beginnt sich zu drehen, nimmt in der Drehung an Fahrt auf und wirbelt wild herum, umflutet von einer Feuerwelle aus rotem Stoff.
Sabrina Le Guen tanzt die "Alegrias de Cadiz", einen Flamenco über die unterschiedlichen Arten der Freude. Die Spanierin gilt als eine der begabtesten Flamenco-Tänzerinnen dieser Zeit. Seit etwa einem Jahr lebt die studierte Philologin in Trier. Zum Flamenco kam sie auf Umwegen. Nach einer klassischen Tanzausbildung absolvierte sie in Madrid ein Studium in der Kunst des Flamenco-Tanzes. Inzwischen ist sie international unterwegs.
In die Trierer Tufa hat Le Guen ihre eigene Kompanie mitgebracht, den Pianisten Rafael Pradal, den Gitarristen Cristobal Corbel, den Perkussionisten Juan Manuel Cortes und die großartige Sängerin Sanlúcar de Barrameda. Gemeinsam mit ihnen gibt sie an diesem Abend einen Einblick in das vielfältige Wesen des Flamencos und seine arabisch-europäischen Wurzeln.Liebe und Leid der Gitanos


Was heute als ideelles Weltkulturerbe etabliert ist und längst zum Standard Angebot aller Touristikunternehmer gehört, entstand dereinst eher ärmlich in den Vorstädten, Hinterhöfen und Cafés cantes Andalusiens. In Musik und Bewegung erzählt der Flamenco vom Leben der spanischen Zigeuner ("gitanos"), ihren Freuden, Festen, ihrer Sehnsucht wie ihrer Trauer und natürlich von der Liebe. In der alten Tanzkultur spiegelt sich zudem die lange Geschichte ihrer Vertreibung und Verfolgung."Wahrheit wie mit der Faust"


Der Abend beginnt mit der "Martinete", jenem harten Tanz, den der Flamenco-Experte Gonzales Climent als "Aufschrei der Zigeuner" und eine "Wahrheit wie mit der Faust" bezeichnet hat. Es folgt eine schnelle "Farruca", ein traditioneller Männertanz, den auch Le Guen in Hosen tanzt.
Wie sehr sie im Tanz lebt, ihre Seele in der Bewegung offenlegt, wird in der wunderbaren "Solea" deutlich. Die Spanierin mit den ausdrucksvollen Zügen ist eine anrührende Darstellerin der Einsamkeit und ihrer Melancholie. Zum Höhepunkt des Abend geraten die "Alegrias". Le Guen erweist sich einmal mehr als eindrucksvolle Dramaturgin seelischer wie körperlicher Bewegung. Ausdrucksstark und voller emotionaler Energie entwickelt sie aus der Ruhe ihre tänzerischen Tornados. Zum Tanz und in ihren Soli bricht sich der Gesang von Sanlúcar de Barrameda Bahn, deren harte, klare und manchmal raue Stimme den uralten Schmerz der Zigeuner zum Himmel schreit.
Cristobal Corbels Gitarrenakkorde feuern die Tänzerin an, ebenso wie Corte's rhythmisches Trommeln. Ein eindrucksvoller Abend. Hilfreich für die begeisterten Zuhörer wären vielleicht ein paar zusätzliche Informationen im Programm zu den Tänzen gewesen.