Flamenco und Sinfonie in einem

Flamenco und Sinfonie in einem

Das Weltmusik-Konzert der Trie-rer Symphoniker im Zusammenspiel mit dem Flamenco von Juan Carmona hat 700 Zuschauern einen ungewöhnlich beeindruckenden Abend im Theater beschert.

Trier. "Das war ein perfektes Zusammenspiel zwischen großem Orchester und der Combo, wie ich es so noch nie erlebt habe", sagt ein Besucher nach dem Konzert. Ihn und die anderen Zuschauer beeindruckte das dritte Konzert aus der Reihe Weltmusik im Theater Trier unter der Überschrift "Sinfonia Flamenca" nachhaltig. Und was die Trierer Philharmoniker unter dem temperamentvollen Dirigat ihres Generalmusikdirektors Victor Puhl im Zusammenspiel mit Juan Carmona und seinem Ensemble boten, verdiente tatsächlich das Attribut Spitzenklasse.
Das Orchester spielt locker und dennoch beseelt, dazu absolut fehlerfrei, die Suite Espanola von Isaac Albéniz: Sevilla, Granada, Asturia, Castilla heißen die Stationen der sinfonischen Reise, sie wechseln sich mit der Flamenco-Combo ab. Carmona, einer der profiliertesten Gitarristen der modernen Flamenco-Musik, beeindruckt vor ausverkauftem Haus mit seinen eigenen Kompositionen rund um die Themen Liebe und Leid.
Ernst ist der Grundton des Flamencos, intensiv und anrührend das Spiel des Spaniers und seines internationalen Ensembles: Juan und Paco Carmona meisterlich an der Gitarre; Sergio Martinez ringt den Percussions einen Rhythmus ab, der die Köpfe im Publikum nicken lässt; Domingo Patricio spielt die Querflöte singend und klagend - das ist eindrucksvoll. Didier de Aquila zupft den Bass in perfekter, zurückhaltender Abstimmung mit den großen Kontrabässen des Orchesters. Herausragend in der Wirkung sind jedoch ein Sänger und ein Tänzer: Rafael de Utrera interpretiert mit hoher stimmlicher Präsenz die Stücke von Carmona. Das mag fremdartig klingen, ist jedoch anrührend. Alle Nuancen, von sinnlich bis klagend, erschließen sich unmittelbar, ohne selbst ein Wort Spanisch zu können. Nino de los Reyes tanzt dazu virtuos und eindrucksvoll.
Präzision, Athletik, Tempo, alles passt perfekt, dazu kommt der Gestus des wahrhaft stolzen Spaniers. "Michael Flatley und seine irische Step-Truppe würden vor Neid erblassen", sagt eine sichtlich bewegte Dame nachher, "die spielen, singen und tanzen sich die Seele aus dem Leib". Victor Puhl und seine Sinfoniker halten sich derweil angenehm zurück, haben aber keine Mühe, den Tempi und dem rasenden Spiel der Gäste zu folgen. dt

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