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Flötenfeuerwerk mit Überraschungen

Flötenfeuerwerk mit Überraschungen

Wer der Meinung ist, die Blockflöte sei ein Kinderinstrument von geringem künstlerischen Wert, wurde im Kloster Machern nachdrücklich eines Besseren belehrt. Das Quartett "Flautando" präsentierte Flötenmusik auf höchstem Niveau.

Bernkastel-Wehlen. (gkl) Gleich zwei Konzerte veranstaltete das Mosel Musikfestival mit dem Blockflötenquartett "Flautando Köln". Vormittags das Kinderkonzert "Julius, der Flötenspieler" und zur "normalen" Konzertzeit gab es ein Feuerwerk der Flötenkunst im Festsaal von Kloster Machern. Zweimal waren Katharina Hess, Susanne Hochscheid, Kerstin de Witt und Ursula Thelen problemlos in der Lage, ihr Publikum zu Begeisterungsstürmen hinzureißen. Zweimal verstanden sie es auf unnachahmliche Weise aufzuzeigen, dass die Blockflöte weit mehr ist als ein Kinderinstrument, das man so schnell wie möglich hinter sich lassen sollte. Die Matinee war zwar auf das jüngere Publikum zugeschnitten aber auch für die Erwachsenen sehr lehrreich. Anders herum sah man am Nachmittag etliche begeisterte Kindergesichter, als sich das Quartett dem Barock und der Moderne widmete. "Flautando Köln" hat in der Fachwelt einen ausgesprochen guten Ruf, und in Machern wurden die Musikerinnen dem auch in vollem Umfang gerecht. Die dynamische Bandbreite, mit der sie William Byrds "Sermone Blando" oder John Playfords "The Bonny Broom" interpretierten, war atemberaubend. Intonationsreinheit, wie sie perfekter nicht mehr sein kann, wurde großgeschrieben und konnte nur noch verblüffen. "Flautando" nutzte auch etwa mit Antonio Vivaldis Concerto d-Moll und dem minimalistischen "Fade-Control" von Fulvio Cladini die Gelegenheit, die verschiedenen klanglichen Gesichter ihrer Instrumente zu zeigen. Wem das alles noch nicht reichte, für den hatte das Ensemble noch eine Überraschung parat. Bei den fünf Canzones vom spanischen Hof glänzte Thelen mit einer traumhaft schönen Stimme, deren Facettenreichtum dem der Flöten in nichts nachstand. Es war nicht verwunderlich, dass die Musikerinnen erst nach einigen Zugaben von der Bühne entlassen wurden.