(Fotos) Die Großmeister des Metal: Iron Maiden spielen in der ausverkauften Rockhal vor 7000 Fans

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Reiterattacken auf donnernde Kanonen, die Furcht vor der Finsternis, das Vaterunser und die Zahl des Tieres - das sind die Fundamente eines starken Abends mit den großen Alten des Heavy Metal.

Foto: Jasmin Wagner
Foto: Jasmin Wagner

Wer laute Musik hört, der lernt was dabei. Im Krimkrieg (1853 bis 1856) schickte ein offenbar überforderter britischer Offizier seine Kavallerie in einen aussichtslosen Reiterangriff gegen eine Batterie russischer Kanonen. Der Poet Alfred Lord Tennyson machte daraus das Gedicht "The Charge of the Light Brigade", das im britischen Sprachraum so bekannt ist wie Schillers Glocke in Deutschland.

Zerrissene Fahne

In der Rockhal beginnt die Geschichtsstunde, als Sänger Bruce Dickinson die rote Kavalleriejacke überstreift und die vom Kugelhagel zerrissene Fahne schwenkt. Die Fans brüllen vor Begeisterung - jetzt kommt "The Trooper", seit den 80ern einer der beliebtesten Songs von Iron Maiden, basierend auf Tennysons Gedicht. Ein Song, in dem man das Donnern der Hufe und das Krachen der Kanonen zu hören glaubt, der Refrain ist ein einziger langer Kampfschrei und eine Klage gegen das sinnlose Opfern von Leben. Iron Maiden pur.

Die Furchen in den Gesichtern der Briten sind tiefer geworden. Sie alle haben die 60 fast erreicht oder bereits überschritten und tragen die körperlichen und mentalen Belastungen von mehr als drei Jahrzehnten an der Spitze der Nahrungskette.

Die Band hat den Heavy Metal seit den 80ern nicht nur geprägt - sie hat ihn mit definiert und erschaffen. Mit Songs wie "The Trooper". Getragen von den Gitarristen Dave Murray, Adrian Smith und Janick Gers, die zu den besten ihrer Generation gehören, von dem Bassisten Steve Harris, dessen Kraft niemals nachzulassen scheint, und von Sänger Bruce Dickinson, der eine schwere Krebserkrankung überwunden hat. Seiner hohen Stimme wegen nennen sie ihn "The Air Raid Siren". Die Luftangriffsirene.

Das aktuelle Album "The Book of Souls" kam 2015 raus, die anschließende Welttour ist beinahe vorbei. "Heute ist die vorletzte Show", verrät Dickinson dem Luxemburger Publikum am Dienstagabend. Die endgültig letzte läuft heute auf dem Metal-Festival im norddeutschen Wacken. Die enorme Spielfreude und vor allem die unglaubliche Kraft und Präzision der Briten lassen keine Erschöpfung erkennen. Vor allem Steve Harris stehen Wille und Entschlossenheit ins verzerrte Gesicht geschrieben.

Die Fans nehmen die neuen Songs "If Eternity should fail" und "The Book of Souls" mit Freude auf - und rasten erwartungsgemäß aus, als die Klassiker kommen. "Children of the Damned" ist eine Überraschung, den Song vom legendären Album "The Number of the Beast" hat die Band seit Jahren nicht mehr live gespielt. "Hallowed be Thy Name", die zweite Zeile des Vaterunser, erzählt die Geschichte eines zum Tode Verurteilten, der in seinen letzten Minuten Trost im Glauben findet. Schon der erste Riff lässt die Rockhal beben. "Fear of the Dark" ist die Nummer zum Mitsingen. Dickinsons langer Schrei in "The Number of the Beast", dem Song über die Zahl des Tieres in der Offenbarung des Johannes, ist dann am Schluss noch einmal ein gewaltiger Adrenalinstoß.

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