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(Fotostrecke/Diashow) Journalisten aus aller Welt huldigen dem Kaiser: Presserummel um die Nero-Ausstellung in Trier

(Fotostrecke/Diashow) Journalisten aus aller Welt huldigen dem Kaiser: Presserummel um die Nero-Ausstellung in Trier

So einen Presserummel hat Trier noch nicht erlebt: Mehr als 80 Journalisten sind am Donnerstag in die Römerstadt gekommen, um einen ersten Blick in die Nero-Ausstellung zu werfen. Ihre Berichte könnten Trier zum Besuchermagneten machen. Denn die Schau ist grandios.

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Nero hätte an diesem Presserummel seine helle Freude gehabt. Nicht nur, weil es bei alledem um ihn selbst geht und er es liebte, im Mittelpunkt zu stehen. Sondern auch, weil die Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz sich in den Kopf gesetzt hat, der Presse - darunter Zeit, Spiegel und Welt - bei einer Reise nicht nur die reiche Geschichte des Landes näherzubringen, sondern auch die kulinarischen Köstlichkeiten der Region. Keine Station, an der es kein Moselweinchen gäbe. Selbst Nero-Törtchen werden gereicht. Doch was machen die Journalisten? Klagen, dass sie zu lange im Gourmet-Restaurant sitzen. Wegen der Ausstellungen seien sie doch gekommen!1700 Gruppen angemeldet

Und so bleiben die Törtchen im Kreuzgang des Trierer Simeonstifts liegen, während die Redakteure die knapp bemessene Zeit nutzen, um einen ersten Eindruck von der Schau zu bekommen. Ein ähnliches Schauspiel wiederholt sich einen Tag später im Landesmuseum.

"Das Medieninteresse ist schon fast beängstigend", sagt Marcus Reuter, Direktor des Landesmuseums und Erfinder der Nero-Ausstellung, die in den Kulturteilen der deutschen Presselandschaft schon seit Wochen Thema ist. Und: Sie wird es bleiben. Denn mehr als 80 internationale Journalisten strömen zwei Tage, bevor die erste Nero-Schau Mitteleuropas öffnet, zur Pressekonferenz. Schon vor den vielen Berichten, die diese Konferenz zur Folge haben wird, haben mehr als 1700 Gruppen Führungen gebucht. "Das übertrifft unsere kühnsten Hoffnungen", sagt der Museumsdirektor. Auch die Trie rer Touristiker dürften zufrieden sein.

"Einen solchen Zuspruch habe ich bei einer Ausstellung noch nie erlebt", betont Thomas Metz von der Generaldirektion. Gemeinsam mit der Stadt verfolge man das Ziel, Trier als Zentrum der Antike zu vermarkten. Das ist dem Land auch was wert: 2,3 Millionen investiert es in die 1000 Quadratmeter große Ausstellung im Landesmuseum, die sich mit allen Facetten der historischen Persönlichkeit auseinandersetzt."Wenn nicht hier, wo dann?"

Der Presserummel spricht dafür, dass die Rechnung für Trier aufgehen könnte. Kleines Beispiel: In einer 26-minütigen (!) Radioreportage über Trier und die Ausstellung lässt Deutschlandradio Kultur einen amerikanischen Touristen minutenlang von dem fantastischen Römererbe schwärmen, davon, wie lebendig die blutige Geschichte des Amphitheaters beim Besuch wird und wie einzigartig die Porta Nigra oder der römische Goldschatz des Landesmuseums sind. Dass Nero nie in Trier war, stört offenbar keinen. "Wo, wenn nicht hier in Trier, sollte solch eine Ausstellung stattfinden?", fragt der Trierer Kulturdezernent Thomas Egger, dessen Stadt rund eine Million Euro für die Ausstellung in die Hand genommen hat, die sich im Stadtmuseum Simeonstift mit Lust und Verbrechen, mit dem Mythos Nero befasst.

Die katholische Kirche hat 550 000 Euro in die Ausstellung im Museum am Dom investiert. "Das war eine Steilvorlage", sagt Weihbischof Jörg Michael Peters. Denn wer würde sich besser anbieten, um die weltweite Christenverfolgung in den Mittelpunkt zu rücken als Nero - der Erste und der Schrecklichste, der Christen systematisch ermorden ließ.
Den ersten Feuertest hat die Ausstellung bereits bestanden. Zwei Tage bevor die drei Museen am Samstag öffnen, hatten die Journalisten Gelegenheit, sich umzuschauen. Ihr erstes Urteil fällt, nach allem, was in den Museumsgängen zu hören ist, positiv bis euphorisch aus. Denn die Ausstellung hält, was ihre Macher versprachen (siehe Extra). Auch Kulturstaatssekretär Walter Schumacher ist angetan. Rheinland-Pfälzer seien bescheidene Menschen, aber er wolle seinen Stolz nun nicht verleugnen. "Das ist die bedeutendste historische Ausstellung, die es in Deutschland dieses Jahr gibt."

Es ist die erste große Nero-Ausstellung in Mitteleuropa: Rund 700 Exponate aus mehr als 15 Ländern sind vom Samstag an bis zum 16. Oktober bei einer großen Sonderschau über den römischen Kaiser in Trier zu sehen: im Rheinischen Landesmuseum, im Museum am Dom und im Stadtmuseum Simeonstift. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr. Für angemeldete Gruppen täglich (auch montags) 9 bis 18 Uhr. Jeden Montag finden offene Führungen für Einzelbesucher in den drei Museen statt. Das Kombiticket für Erwachsene kostet 18 Euro. Weitere Infos unter www.nero-ausstellung.de und volksfreund.de/neroExtra

(Fotostrecke/Diashow) Journalisten aus aller Welt huldigen dem Kaiser: Presserummel um die Nero-Ausstellung in Trier
Foto: Friedemann Vetter (ClickMe)

Ein erster Rundgang durch die Ausstellung zeigt: Die Nero-Schau hält, was ihre Macher seit Monaten versprechen. Für alle, die Archäologie oder Sex und Crime spannend finden, lohnt sich auch eine weite Anreise. Denn erstens bietet die Ausstellung wissenschaftlich fundierte, aber leicht verständliche, gut lesbare und spannendeInformationen über den umstrittenen römischen Kaiser, der in all seinen Facetten beleuchtet wird, ohne den Besucher mit zu viel Text zu überfordern. Zweitens: Zu sehen sind herausragende Exponate, die aus den bedeutendsten Museen Europas nach Trier gebracht wurden. Darunter eine Kinderstatue Neros aus dem Louvre mit einem Versicherungswert von neun Millionen Euro oder ein aus Bergkristall geschliffenes Trinkgefäß, für das Nero eine Million Sesterzen (eine Viertelmillion Euro) zahlte. Drittens: Die Ausstellungen sind in ihrem Raumaufbau nicht nur logisch gegliedert, sondern auch fantastisch in Szene gesetzt. So transportiert jeder Raum des Landesmuseums eine andere, zum Thema passende Stimmung. Dabei helfen Lichtinstallationen, Vogelgezwitscher, Wasserorgelmusik oder Wand- und Deckenmalereien, die die Besucher in den sagenumwobenen Palast des Tyrannen versetzen. Das Stadtmuseum überrascht mit leuchtenden Plakaten, pinkfarbenem Latex und grandiosen Gemälden. Im Museum am Dom rufen neben zahlreichen Exponaten riesige Wandbilder die Schrecken von Neros Herrschaft in Erinnerung. Kurz: Es ist kurzweilig, auf den Spuren des Kaisers zu wandeln, der Tyrann und Mörder war, aber auch Künstler, Liebhaber,Volksheld und eine der spannendsten Persönlichkeiten der Geschichte. Mos