Kultur Fracking oder future? Das neue Stück am Theater Trier

Trier · Aktueller kann ein Theaterstück kaum sein. Während Nordstream2, die Haltung zu Russland und die Ukraine die Nachrichten beherrschen, bringt das Trierer Theater „fracking for future“ auf die Bühne. Je nach politischer Lage könnte es noch umgeschrieben werden.

 Weltweit warnen Menschen vor den Folgen des Fracking. Hier lässt ein Mitglied der Umweltgruppe „Extinction Rebellion“ in Irland blauen Rauch aufsteigen, um gegen das Fehlen einer Anti-Fracking-Gesetzgebung in Irland zu protestieren.

Weltweit warnen Menschen vor den Folgen des Fracking. Hier lässt ein Mitglied der Umweltgruppe „Extinction Rebellion“ in Irland blauen Rauch aufsteigen, um gegen das Fehlen einer Anti-Fracking-Gesetzgebung in Irland zu protestieren.

Foto: picture alliance/dpa/PA Wire/Niall Carson und Bid 2 Christoph Soeder, jeweils dpa

Im Trierischen ist „frecken“ ein Begriff. Man hat die Freck (Erkältung), ärgert sich freckt (sehr wütend) oder macht etwas kaputt  – dann ist es gefreckt. Fürs hiesige Theater-Publikum hätte der britische Autor Alistair Beaton, einer der führenden Polit-Satiriker seines Landes, sein Stück „fracked!“ also gar nicht umbenennen müssen, um verstanden zu werden. Aber wo er schon einmal dabei war, das 2016 in England uraufgeführte Werk für deutsche Verhältnisse zu adaptieren, hat er auch dem Titel eine zeitgemäß-provokante Überarbeitung verpasst: „Fracking for Future“.

In Deutschland war das Schauspiel bisher nur als Übersetzung des Originals zu sehen. Doch für den Trierer Theater-Intendanten Manfred Langner, seinen künftigen Co-Intendanten Lajos Wenzel (ab Sommer 2023) und Dramaturgin Lara Fritz  war es wichtig, das Stück über den Klimawandel und die hochumstrittene Methode der Erdgasgewinnung mittels Fracking in Deutschland zu verorten, wo die Gesetzeslage völlig anders ist als in Großbritannien. „Nach dem Brexit haben die angefangen zu fracken wie die Verrückten“, sagt Wenzel. In Deutschland ist das noch verboten, hier läuft noch die Diskussion. Und so schrieb Beaton das Stück nach Wünschen aus dem Trierer Theater um. Nächsten Samstag, 19. Februar, geht die Uraufführung dieser Version über die Bühne im Großen Haus.

Das Stück nimmt die Bürger einer deutschen Kleinstadt in den Fokus, wo größere Schiefergasvorkommen vermutet werden. Ein Energie-Konzern will den Rohstoff durch Fracking fördern, zumindest probeweise, und mithilfe einer PR-Agentur deren BewohnerInnen vom Segen der neuen Methode überzeugen. Dabei presst man mit hohem Druck und unkalkulierbaren Risiken Gas aus der Erde. Doch die PR läuft nicht wie gewünscht, die Gemeinde gerät in Aufruhr – das Fracking steht gegen Klimawandel und die Zukunft. Andererseits macht Fracking frei vom russischen Gas und Nordstream2.

„Wir sind damit natürlich in einer Fiktion“, sagt Wenzel „aber in einem so greifbar nahen Szenario.“ Je nach politischer Entwicklung müsse die Inszenierung sogar tagesaktuell weiter verändert werden, so der Regisseur. „Das Stück erzählt uns so viel über Politik, über Lobbyismus, über PR“, darüber, wo wirklich die Entscheidungen gefällt werden. „Da ist das Stück sehr böse, sehr zynisch, sehr sarkastisch, sehr direkt, sehr witzig.“

Neben den Schauspielern aus dem Ensemble stehen auch einige Mitglieder des Jugendchors mit auf der Bühne. „Wir wollten unbedingt junge Leute dabei haben“, erklärt Wenzel. Schließlich werde deren Zukunft verhandelt. Es seien die Jugendlichen, die „ein veritables Interesse“ daran hätten, „dass diese Welt in 30 Jahren noch besteht.“

Premiere ist am Samstag, 19. Februar, 19.30 Uhr im Großen Haus. Weitere Termine: 8., 16., und 25. März, 30. April und 6. Mai, jeweils um 19.30 Uhr.

Karten sind online auf www.theater-trier.de erhältlich, an der Theaterkasse, via E-Mail an theaterkasse@trier.de sowie unter Telefon 0651/7181818.