Frank Feitler zu den Antikenfestspielen - Umdenken, neu denken

Trier · Trier organisiert zu Recht Antikenfestspiele. In keiner anderen deutschen Stadt ist das römische Kultur-Erbe so präsent.

Aber die Bilanz dessen, was bisher angeboten wurde, lässt nur eine Schlussfolgerung zu: Umdenken, neu denken. Die Qualität des Dargebotenen stimmte eher selten. Die Resonanz reichte kaum über Trier hinaus. Das Luxemburger Publikum beispielsweise mit seinen vielen "EU-Nomaden" hat das Festival nicht erreicht.

Die bisherige Leitung hat das Kunstverständnis des Publikums unterschätzt. Es gab zu viel Bluff, zu viel Kleisterei. Es wurde zu viel versprochen und zu wenig gehalten. Es fehlte an Ernsthaftigkeit, seriöser Vorbereitung und beharrlicher Arbeit.

Meine Erfahrung hat mich eins gelehrt: Als oberste Maxime gilt es, höchste Qualität anzustreben. Eine Neubelebung der Antikenfestspiele verlangt folglich ein neues Konzept bei Organisationsform und Spielplan.

Ein Festival braucht eine eigenständige Betriebsstruktur, ein kleines festes Leitungsteam mit einem klugen künstlerischen Leiter, einem umsichtigen Verwalter, einem erfahrenen technischen Leiter und einem Öffentlichkeitsarbeiter mit vielen Ideen. Dieses Team sollte losgelöst vom Stadttheater Trier funktionieren. Der Intendant hat genug Arbeit im eigenen Haus. Zweigleisiges Fahren ist ineffizient. Allerdings sollte das Stadttheater für eine enge Zusammenarbeit im Bereich Spielstätten, Probenräume, Werkstätten mit einbezogen werden.

Große Opernproduktionen à la Nabucco, Aida mit großen Namen kann sich Trier nicht alleine leisten. In Luxemburg gelingt das ein, zwei Mal pro Spielzeit, aber nur über Koproduktionen. Zum Beispiel regelmäßig mit dem Festival Aix-en-Provence, aber auch mit Opernhäusern in Frankreich, Belgien, England. Eine Option, die man auch für Trier unbedingt prüfen sollte.

Die bisherigen Spielpläne der Antikenfestspiele haben vornehmlich auf Oper und Theater gesetzt. Natürlich besteht die Möglichkeit, sich aus Kostengründen auf das Schauspiel zu begrenzen. Eine solche Entscheidung schafft jedoch neue Probleme. Ein nicht-deutschsprachiges Publikum ist damit nur schwer zu gewinnen, selbst mit Übertitelung.

Bleibt man im Musiktheaterbereich, so sollte man sich nicht auf Oper in Reinform beschränken. Es gibt inzwischen qualitativ hochwertige Produktionen, die Oper, Tanz und Schauspiel miteinander verbinden und ihr Publikum finden.

Vorstellbar wäre ein Modell mit einer "reinen" Oper und einer Produktion der eben erwähnten Art. Man sollte auf junge, vielversprechende Künstler setzen, die auf dem Sprung in die großen Häuser sind. Dieses Vorgehen verlangt sehr viel Vorbereitung und vom künstlerischen Leiter ein sehr feines Gespür für junge Talente und die Bereitschaft, eine Produktion auf allen Ebenen wohlwollend kritisch zu begleiten. hpl/bre

Frank Feitler

Frank Feitler, 58, ist seit acht Jahren Intendant des Grand Théâtre in Luxemburg, das er auf internationalem Niveau etabliert hat. Er gilt europaweit als begehrter Partner für Kooperationsprojekte im Musiktheater.

SERIE "was wird aus den antikenfestspielen?"