| 18:15 Uhr

Kultur
Vom Sprecher, der ein Sänger ist

Mozarts Klassiker „Die Zauberflöte“ in einer Inszenierung des früheren Trierer Intendanten Heinz Lukas-Kindermann.
Mozarts Klassiker „Die Zauberflöte“ in einer Inszenierung des früheren Trierer Intendanten Heinz Lukas-Kindermann. FOTO: TV / Fotos: ArtEO Photography
Trier. Franz Grundheber in Mozarts „Zauberflöte“ im Trierer Theater

Beim heftigen Schlussbeifall im ausverkauften Trierer Theater steht er unauffällig am Rand der Darsteller-Reihe – bescheiden und ganz und gar nicht mit der Gloriole des weltberühmten Sängers. Eher strahlt Grundheber so etwas aus wie Glücklichsein. So, als wäre er wieder angekommen an dem Theater und in dem Stück, mit dem er seine musikalischen Schlüsselerlebnisse verbindet. Damals, 1956, mit 18 Jahren. Auch wenn die Aufführung selbstverständlich nicht im Haus aus den 1960er Jahren stattfand, sondern wahrscheinlich ziemlich provisorisch im „Bischof-Korum-Haus“.

Jetzt sang Grundheber in der Vorstellung den Sprecher – jene Figur, die im ersten Akt mit Tamino einen teils einvernehmlichen, teils bedrohlich kontroversen Dialog führt.  „Wenn du dein Leben liebst, so rede“ sagt er im ersten Akt, als Tamino die Auseinandersetzung abbrechen will. Und dann, etwas milder, „Bleibe da!“.  Grundheber singt das unpathetisch, aber markant und vor allem mit gestochen deutlichem Text. Bei ihm ist der Sprecher ein Aufklärer, dem es vor allem anderen um Wahrhaftigkeit geht und um Gerechtigkeit dazu.

Etwa eine halbe Stunde vor Vorstellungs-Beginn hatten sie sich im Theaterfoyer vor die Mikrophone gesetzt – Grundheber und Heinz Lukas-Kindermann der Regisseur der aktuellen Trierer Inszenierung. Grundheber erzählte, wie er als „Biwerer Jung“ erst durch einen Deutsch­lehrer zum Schauspiel kam und danach eher zufällig zur Oper. Und wie die Begegnung mit der Zauberflöte damals den Entschluss auslöste, Sänger zu werden. Und dann lesen sie den Text von Emanuel Schikaneder mit verteilten Rollen vor – Lukas-Kindermann als Tamino, Grundheber als Sprecher. Und der sagt verheißungsvoll zum Publikum: „In zwanzig Minuten werden Sie hören, was Mozart daraus gemacht hat.“  Tatsächlich: Der Text ist so schlecht nicht, aber die Musik verleiht ihm einen ungeahnten Reichtum.

Die Sprecher-Rolle-Rolle ist klein, aber von großer Bedeutung. Zum ersten Mal konfrontiert sie den Prinzen und die Zuschauer mit der Sonnen-Sphäre Sarastros. Und Tamino erfährt, dass sich im aufklärerischen Weisheitstempel  etwas ganz anderes, etwas ungleich Humaneres  abspielt als „der Höllen Rache“ bei der Königin der Nacht.  Damit nimmt die Handlung einen deutlich anderen Verlauf.

Ein Kriminalstück in Götterkreisen wird zum Plädoyer für eine realistische Humanität, die auch Ablehnungen und sogar Strafen einschließt. Die Rolle gibt den Wissenschaftlern einige Probleme auf, weil Mozart im ersten Finale für das Rezitativ mit Tamino einen „alten Priester“ vorschreibt, aber keinen Sprecher. Das freilich muss den Theaterbesucher nicht stören. Die Aufführungspraxis hat diese Priester-Rolle schon längst dem Sprecher zugeteilt und damit vorläufig für Eindeutigkeit gesorgt. Eins indes bleibt: Auch wenn er sich im zweiten Akt an den gesprochenen Dialogen kritisch beteiligt – der Sprecher bleibt ein Sänger.

Franz Grundheber im Gespräch über die Zauberflöte.
Franz Grundheber im Gespräch über die Zauberflöte. FOTO: TV / Martin Möller