Franz kann’s noch

Die Indie-Rocker Franz Ferdinand und ihre heiße Show im "Atelier".

Luxemburg Der Abend des 15. Mai 2002 in Glasgow: Der Rivenicher Klaus Toppmöller ist vor Ort in der schottischen Metropole. Im Hampden Park. Bei der bitteren Niederlage seiner Leverkusener im Champions-League-Finale gegen Real Madrid. Am gleichen Abend wird bei einer gewissen Celia in der WG, ziemlich um die Ecke, jüngere Musikgeschichte geschrieben. Franz Ferdinand, vier Jungs aus dem Art-School-Umfeld, geben ihren allerersten Gig. Vier eigene Songs haben sie zwar erst. Aber die spielen sie so oft, bis wirklich jede und jeder tanzt in Celias kleiner Butze. Mission erfüllt - der erste Teil zumindest. Keine zwei Jahre später sind die Glasgower der heißeste Scheiß aus dem Königreich. Die Band, die mit ihrem zackigen Wave-/Postpunk/Pop den Indie-Rock zurück auf die Tanzfläche zerrte. Der Hype kam, lockte Nacheiferer in Scharen, ging wieder. Und heute, vier Jahre nach dem letzten regulären Franz-Ferdinand-Album und gut 15 Jahre nach Celias Party? Knallt "Take me out" noch so wie damals, eine der großen Indie-Disco-Hymnen? Und hat die Band noch eine Zukunft, ohne Gründungsmitglied Nick McCarthy an der Gitarre?
Ja, kann man sagen. Das zeigt ein Blick ins Luxemburger Atelier an diesem Dienstagabend. Die Franz-Ferdinand-Show ist seit Monaten ausverkauft. Das ist ein Grund für die kuscheligen Temperaturen im Club. Den anderen liefern die fünf Schotten - für den 2016 ausgestiegenen McCarthy kamen Dino Bardot und Julian Corrie neu in die Band, die sich nach dem österreichischen Erzherzog benannt hat. Franz Ferdinand hat schließlich einen ausgezeichneten Ruf als Liveband, nicht erst seit einem Headliner-Auftritt beim Luxemburger "Rock-a-Field". Sänger und Gitarrist Alex Kapranos ist eine ausgemachte Rampensau. Er springt, animiert zum Mitklatschen, zum Arme schwenken, Mitsingen. Und das gelingt ihm sogar, ohne dass er den Stil backstage lassen müsste. Spätestens ab dem vierten Song, "Dark of the Matinee" vom Debütalbum, geht die Party los: "Love Illumination", "No You Girls", "Do You Want to", später "Michael" - das sind alles Stücke, die live bestens funktionieren, auch in der neuen Besetzung. Das war zu erwarten - erfreulich ist aber die Zukunftsmusik: Noch nicht veröffentlichte Songs inspirieren live eher gern mal zum Theken- oder Klo-Besuch. Neue Songs wie "Lazy Boy" oder "Always Ascending" (mit Bowie-Anleihen zu Beginn und mehr Mut zur Elektronik) lassen aber einiges erwarten. So ist es zwar schade, dass schon nach einer knappen Stunde das reguläre Set mit "Take me out" und "Ulysses" zu Ende geht und die Zugaben samt "This Fire" beginnen. Aber die gute Stunde war heiß, laut und keine Sekunde langweilig. Kurz und gut!

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