Franz Ronig war der Hüter der Bistumsschätze

Nachruf : Franz Ronig war der Hüter der Trierer Bistumsschätze

Die Renovierung des Trierer Doms war sein größtes Projekt: Franz Ronig, Grandseigneur der Kunstgeschichte und Denkmalpflege, ist mit 91 Jahren gestorben.

„Ronig fragen!“ – ein geflügeltes Wort mit hohem Sinngehalt. Wer kunsthistorische Fragen insbesondere zum Trierer Dom hatte und nicht weiterkam, der wandte sich eben an Franz Ronig. Alleswisser in seiner Spezialdisziplin, Grandseigneur der regionalen Kunstgeschichte und Denkmalpflege. Und außerdem ein Mann von heiterem rheinischen Naturell. Kein knochentrockener Wissenschaftler und Theologe, sondern jemand, der auch gerne mal Tünnes-und-Schäl-Witze erzählte, ohne dabei seine würdevolle Ausstrahlung und Autorität zu verlieren.

Franz Ronig, geboren am 11. September 1927 in Troisdorf und aufgewachsen in Köln, studierte von 1948 bis 1954 Philosophie und Theologie in Trier. Nach der Priesterweihe war er im Saarland in der Seelsorge tätig und anschließend als Lehrer am Gymnasium der Franziskanerinnen auf der Rheininsel Nonnenwerth. Von 1963 bis 1966 folgte ein Studium der Kunstwissenschaften in Bonn und Saarbrücken. Zurück in Trier beerbte er Alois Thomas (1896-1993) im Amt des Diözeankonservators und Leiter der Abteilung Bau und Kunst im Generalvikariat. „Es hätte auch anders kommen können“, sinnierte Ronig einmal im Gespräch mit dem TV. Er habe sich seinerzeit gewundert, dass ihn der damalige Bischof Bernhard Stein (1904-1993) „nicht als Pfarrer nach Heckhuscheid versetzt hat“ – weit weg vom Schuss in die hintere Eifel, auf dass es nicht weiterhin krachen würde zwischen dem „kantigen Typen“ (Ronig über Stein) und ihm, der ebenso hart sein konnte, wenn es um die Sache geht.

Die gemeinsame Sache war die Rettung des im Krieg schwer beschädigten und auf mürbe gewordenen römischen Fundamenten stehenden Doms. Ronig: „Ich wusste, dass Bernhard Stein dem Projekt neuen Schwung geben würde. Deshalb bin ich in Trier geblieben und nicht freiwillig weggegangen.“

Die 1974 abgeschlossene Renovierung der ältesten Kathedrale nördlich der Alpen wurde das bedeutendste Vorhaben der Amtszeit Ronigs, der ab 1971 auch als Leiter des Amtes für kirchliche Denkmalpflege (und damit Hüter des Domschatzes und der Bistumsreliquien) fungierte. Außerdem vermittelte er als Dozent und Honorarprofessor in Saarbrücken und Trier 40 Jahre lang Generationen von Studenten sein reichhaltiges Wissen. Auch außerhalb der Kirche war Ronigs Rat gefragt. So leitete er über viele Jahre den rheinland-pfälzischen Landesbeirat für Denkmalpflege; dem des Saarlandes gehörte er ebenfalls an.

Viel Arbeit, viel Ehr’. Herausragend die Ernennung zum Päpstlichen Ehrenkaplan („Monsignore“, 1978) und Ehrenprälat (2005); ab 1994 gehörte er dem Domkapitel an. Dazu kamen zahlreiche hochkarätige Auszeichnungen aus Luxemburg, Polen und Deutschland. Eine machte ihn besonders stolz: der Rheinlandtaler des Landschaftsverbandes Rheinland (RVL, 2012), den auch Götz George, Jürgen Becker oder die Bläck Fööss für Verdienste um den Erhalt des kulturellen Erbes an Rhein und Mosel erhalten haben.

Am Dienstag ist Franz Ronig im Altenheim St. Irminen in Trier gestorben. Das Requiem wird am Mittwoch, 29. Mai, 14.30 Uhr, im Trierer Dom gefeiert; anschließend ist die Beisetzung auf dem Friedhof im Domkreuzgang.

Ronig fragen – das geht im übertragenen Sinne auch weiterhin. Seine Bibliografie umfasst mehr als 200 Veröffentlichungen.

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