1. Region
  2. Kultur

Französische Impressionen auf Trierer Bühne

Französische Impressionen auf Trierer Bühne

Acht Veranstaltungen umfasst die Reihe "Jazz im Brunnenhof". Das Konzert des "Eric Séva Quartet" am vergangenen Donnerstag war die vorletzte Veranstaltung in diesem Jahr. Nach Auskunft vom Jazzclub-Vorsitzenden Nils Thoma erlebten rund 350 Besucher bei idealen Temperaturen einen traumhaften Abend, wie er schöner nicht hätte sein können.

Trier. Thomas Schmitt hat sie schon alle erlebt: Albert Mangelsorf, Michael Brecker, Michel Petrucciani, Mike Manieri, um nur einige zu nennen. Und eben auch das Eric Séva Quartet. "Die waren alle schon mal in Trier zu Gast: Eric Séva im Januar 1999 als Begleitmusiker im Umberto-Pagnini-Quintett, Denis Leloup im August 2012, Brun Schopp vor Jahren als Studierender an unseren Internationalen Jazz-Workshops und Matthieu Chazarenc im Juli 2006 im Innenhof der Telekom", erinnert sich die lebende Jazzclub-Legende.

Die Zeit zurückdrehen


An diesem Abend kann Schmitt die Zeit zurückdrehen. Eric Séva ist zurück, begleitet wird der Franzose von einer neuen Besetzung. Unter Jazzfans gilt Denis Leloup als einer der besten französischen Posaunisten, was er im Brunnenhof auch eindrucksvoll unter Beweis zu stellen wusste. Am Bass war Brun Schopp, und komplettiert wurde das Quartett durch Matthieu Chazarenc am Schlagzeug.
Eric Séva selbst hatte sich gleich drei Saxophone mitgebracht: Bariton, Sopran und So-pranino. Das Fehlen von Harmonieinstrumenten wie Piano oder Gitarre wirkte sich dabei nicht negativ aus, ganz im Gegenteil - stand den beiden Bläsern damit doch ein wesentlich größerer Raum zur Verfügung, den sie musikalisch einrichten konnten. Was sie denn auch ausgiebig taten. Während das Schlagzeug das musikalische Konstrukt stützte und der Kontrabass Ruhe und Beständigkeit vermittelte, spielte das Blech die gesamte Bandbreite aus. Lautmalerische Klänge wechselten sich ab mit wirbelndem Einsatz, um gleich darauf malerische Spannungsbögen an den mediterranen Trierer Himmel zu zeichnen.
Eric Séva verwöhnte sein Publikum mit seinem Quartett mit einer Musik, die dem Ohr schmeichelte und diesem traumhaften Sommerabend alle Ehre erwies. Das Publikum war sich der gebotenen Qualität sehr wohl bewusst. Ruhig und diszipliniert lauschte es den Darbietungen, Szenenapplaus spendete es nur an den wirklich wichtigen Stellen.
Fast konnte man sich in einem klassischen Konzert vermuten. Anders als noch in den 80er und 90er Jahren, als man sich noch zur Musik unterhielt, geradezu frenetischen Szenenapplaus spendierte und das ganze Konzert eher locker genoss, herrschte an diesem Abend eine geradezu schon andächtige Aufmerksamkeit, die von den Musikern aber auch dankbar angenommen wurde.
Pariser Impressionen


Vielleicht war es aber auch die Qualität des Gebotenen, die das Publikum deutlich zu beeindrucken wusste. Wenn Séva und Leloup musikalisch-spritzig kommunizierten, dann betrat das französische Leben die Bühne. Wer die Augen schloss erlebte die Begegnung der beiden Instrumente wie das Aufeinandertreffen zweier Menschen an den Pariser Markthallen, die sich eine Menge zu erzählen wussten. Rhythmus und Tonart variierten dabei ständig, ohne dabei die Harmonie des Gesamteindrucks zu zerstören. Und immer wieder waren es Schopp und Chazarenc, die mit ihren Instrumenten Halt und Gefüge gaben.
Wenn man an diesem Abend einen Wunsch frei gehabt hätte, dann bestimmt der, dass dieser Abend niemals enden möge. Doch so fand auch dieser Abend gegen 22:30 Uhr sein Ende. Langanhaltender Applaus des Publikums konnte dann doch noch eine Zugabe erzwingen, danach war unwiderruflich Schluss.