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Frauke und der Führer - Die Leipziger Pfeffermühle in Trier

Frauke und der Führer - Die Leipziger Pfeffermühle in Trier

Drei Engel aus dem Osten zum Tag der Deutschen Einheit: Die Leipziger Pfeffermühle hat in der Trierer Tufa ein Gastspiel gegeben. Ein bisschen Klamauk, ein bisschen Comedy - aber auch das klassische Kabarett lebt noch.

Trier. Harfezupfend auf der Wolke schweben? Für die drei Engel Peters, Paschke und Pollmann (Elisabeth Sonntag, Rainer Koschorz und Matthias Nagatis) sieht das Leben im Himmel weitaus nüchterner aus. In einer kargen Amtsstube sitzen sie und schieben sich gegenseitig die Aktenordner zu. Als Himmlischer Öffentlicher Dienst vertreten sie ihren Chef, der an seiner Schöpfung verzweifelnd von der Psychiaterin erst einmal für 1000 Jahre krankgeschrieben worden ist. Und das tun sie mehr schlecht als recht, sodass ihnen wegen Ineffizienz die Privatisierung droht.
Zum Tag der Deutschen Einheit blickt die Leipziger Pfeffermühle bei ihrem Gastspiel in der Trierer Tufa von dort oben hinab auf die Menschheit. Anders als zu DDR-Zeiten, wo jedes Programm staatlicher Zensur unterlag, kann heute jeder seine Meinung äußern. Und weil dies bei Facebook & Co. auch jeder tut, stellt sich für politisches Kabarett eher die Frage, welche gesellschaftliche Relevanz es überhaupt noch hat.
Das Ausloten von Grenzen, leise Zwischentöne und Andeutungen, funktioniert nur noch bedingt. So ist es geradezu symbolhaft, wenn Elisabeth Sonntag als Angela Merkel mit Boxhandschuhen auf einen imaginären Sigmar Gabriel einschlägt. Das Florett als scharfe Waffe hat ausgedient. Slapstick, Klamauk und Comedy treten an seine Stelle und verbinden sich zu einem Leipziger Allerlei, das über weite Strecken durchaus etwas mehr Pfeffer vertragen könnte. Ein paar Witze über Veganer und ihre Tofu-Würste ("Ich bastele mir doch auch kein Salatblatt aus Hackfleisch"), ein nur für den Häuserkampf geeignetes Sturmgewehr der Bundeswehr ("weil man damit um die Ecke schießen kann") und ein schriller Auftritt als Carmen Geiss ("Die Geissens stellen sich nur doof, um sich dem Niveau der Privatsender anzupassen") sind Beispiele dafür.
Aber dennoch: Es gibt sie, die starken Szenen. Wenn Frauke Petry und der Führer gemeinsam "in der braunen Brühe baden", dann hat das bei allem vordergründigen Klamauk auch etwas Gespenstisches. Hitler als vielleicht letztes Tabu funktioniert eben noch immer. Oder wenn es um Flüchtlinge aus Afrika geht. Dann wird auch die Frage nach Fluchtursachen gestellt. Wenn Europa alte Kleidung und Hähnchenabfälle exportiert, brauche man sich nicht zu wundern, dass Schneider und Hühnerfarmer vor Ort keine wirtschaftliche Perspektive mehr sehen und "auf der Bananenschale" den Weg übers Mittelmeer wagen. "Ein lustiges Reisespiel der Firma Havarie & Söhne - das ist wie gleichzeitig Schiffe versenken und Zehn kleine Negerlein." Da bleibt das Lachen dann auch mal im Halse stecken. daj