| 21:07 Uhr

Freigeist und Rebell

Filmszene aus "Syriana": George Clooney (Mitte) spielt darin den CIA-Agenten Bob Barnes, links Matt Damon. Der Film läuft heute in den Kinos der Region an.Foto: Warner Bros.
Filmszene aus "Syriana": George Clooney (Mitte) spielt darin den CIA-Agenten Bob Barnes, links Matt Damon. Der Film läuft heute in den Kinos der Region an.Foto: Warner Bros.
BERLIN. George Clooney (44) hat sich in die erste Starriege Hollywoods hineingearbeitet. Nun ist er auch künstlerisch auf dem Zenit. Für seine neue Regiearbeit "Good Night, and Good Luck" und den Politthriller "Syriana" vereinigt er dieses Jahr drei Oscar-Nominierungen auf sich, als Schauspieler, Autor und Regisseur.

Was bewog Sie als Produzent, sich einer solchen politischen und kritischen Geschichte anzunehmen?Clooney: Ich hatte viel Prügel bezogen in der US-Presse wegen meiner kritischen Äußerungen gegen die Regierung. Ich hatte es satt, auf Titelseiten als Landesverräter abgestempelt zu werden. Also habe ich mir gedacht, wenn schon, denn schon. Wie verliefen denn die Dreharbeiten? Clooney: Sie waren kein Zuckerschlecken, was auch mit dem Budget zusammenhing. Wir hatten 50 Millionen Dollar - das ist nach Hollywood- Maßstäben nur ein kleiner Film. Um mit dem Geld auszukommen, mussten wir so schnell wie möglich drehen. Dazu kamen Sicherheitsprobleme: Die Lage war nach Anschlägen in Riad und Marokko angespannt. Da kann man als Amerikaner nicht mal eben mit der Kamera auf die Straße gehen. Das Klima war sehr feindselig. Ist "Syriana" ein Film gegen Bush?Clooney: Nicht unmittelbar, wenngleich Bush ein Ölmagnat ist. Aber hier geht es eher um 60, 70 Jahre verkorkster Außenpolitik. Arabische Königshäuser wurden mit Millionen geschmiert, während der Rest des Landes in Armut dahinsiecht. Ein Zeichen westlicher Arroganz?Clooney: Nicht generell. Amerikaner begreifen sich nicht als arrogant - vermutlich kommen sie deshalb so arrogant rüber. Grundsätzlich geht es um das Verlangen. Wir brauchen eben Öl. Und vielleicht ein Ziel, wie es unter Kennedy formuliert wurde: In zehn Jahren werden wir auf dem Mond sein. Und heute müsste es heißen: In zehn Jahren haben wir Motoren, die nicht auf Öl angewiesen sind. Dann würde die Opec auch nicht länger unsere Wirtschaft kontrollieren oder unsere Regierung. Und es müsste auch kein Land bombardiert werden. Man bombt aber gegen Terroristen.Clooney: Klar, aber wie gewinnt man einen Krieg gegen Terroristen? Das ist doch nur ein Werbespruch. Wie soll das Finale aussehen, wenn man nicht Krieg gegen einen Staat führt, sondern gegen eine Überzeugung? Auch Ihre Regiearbeit "Good Night, and Good Luck" ist ein politischer Film. Die verfassungsmäßigen Grundrechte, vor allem aber die Meinungsfreiheit bedeuten Ihnen wohl offenkundig sehr viel?Clooney: Natürlich, gerade auch als Filmkünstler. In den 60er- und 70er-Jahren gab es eine Menge Protestfilme in Hollywood. Unser Kampfmittel ist das Kino, wo wir Dinge und Themen aufwerfen und ansprechen können. Da steckt eine enorme Diskrepanz zwischen dem Polit-Filmer Clooney und dem Filmstar auf der anderen Seite.Clooney: Wieso, mein Vater war 40 Jahre lang Nachrichtenmann, der dann in den Kongress einzog. Meine Mutter war Bürgermeisterin. Politik gehört quasi zur Familie. Was den öffentlichen Clooney betrifft, das ist Angelegenheit anderer Leute. Die entscheiden, was ich zu sein habe. Und wenn es heißt "Sexiest man alive", dann habe ich darauf keinen Einfluss. Gibt es noch Beschränkungen für Sie?Clooney: Nein, ich kann machen, was ich will: Freiheit bei der Auswahl der Stoffe und bei der Ausgestaltung. Das klingt fantastisch.Clooney: Normalerweise bekommt man die komplette Spielzeugkiste und darf eine Viertelstunde darin herumwühlen. Dann kommt Hollywood und nimmt einem alles wieder weg. Es wird der Tag kommen, da bin ich das Spielzeug wieder los und werde in einer Fernseh-Soap spielen müssen. Sie haben mit Regisseur Steven Soderbergh Section 8 gegründet, die interessanteste Filmschmiede Hollywoods.Clooney: Ja, und trotzdem werden wir 2007 wieder zumachen. Eine unserer Regeln ist, dass wir nicht stagnieren wollen. Wir sind sehr weit gekommen, aber nun steht fest, dass wir bald eher Verwalter als Filmemacher sein werden. Geschäftstreffen und all der ganze Mist haben nichts mit Schreiben und Drehen zu tun. Deshalb ziehen wir die Reißleine. Das Gespräch führte unser Mitarbeiter Uwe Mies